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Vermieter klagen gegen Mietspiegel!

München - Sinkende Preise? Anders als die Mieter sind Münchens Vermieter nicht zufrieden mit dem neuen Mietspiegel der Stadt. Deswegen wollen sie jetzt gegen das Zahlenwerk vorgehen! Wir zeigen die Argumente.

Mietspiegel: Zahlen Sie zu viel Miete?

Anders als die Mieter sind Münchens Vermieter nicht zufrieden mit dem neuen Mietspiegel der Stadt – schließlich weist der erstmals sinkende Preise aus und kann damit nicht für Mieterhöhungen herhalten. Der Vorsitzende des Haus- und Grundbesitzervereins, Rudolf Stürzer, bilanziert: „Wir haben zahllose ungehaltene Anrufe erhalten.“ Jetzt wollen die Vermieter gegen das Zahlenwerk vorgehen!

Zum Beweis legt Stürzer selbst Daten vor: Keine dubiosen Werte, sondern die aus einer anderen offiziellen Statistik, nämlich dem städtischen Bericht zur Wohnungssituation in München. Dieser habe jahrelang nah am Mietspiegel gelegen, seit 2007 entfernten sich die Werte.

Im Jahr 2009 kostete das Wohnen laut Mietspiegel 9,89 Euro pro Quadratmeter kalt, laut Wohnunsmarktbericht der Stadt aber 10,56. Heuer sinkt der Mietspiegel dann leicht auf nur noch 9,79 Euro, der städtische Bericht steigt aber noch weiter auf 11,58 Euro. Der vermeintliche „Fehlbetrag“ im Mietspiegel stieg von sechs auf 16 Prozent.

Mehr noch: Die angesetzten Werte liegen immer noch weit unter den Ergebnissen der regelmäßig erscheinenden Miet-Studien. Die kommen auf zwölf bis 13 Euro bei neuen Verträgen. Damit stellt Haus+Grund-Chef Stürzer einen Vergleich an. Denn die neuen Verträge sind zuletzt zu rund 60 Prozent in die amtliche Statistik eingeflossen, der Rest waren ältere Verträge. Wenn die Neumieter aber knapp zwölf Euro zahlten, rechnet er vor, müssten die Altmieter rein rechnerisch mit 6,50 Euro davonkommen. Stürzer: „Glückliche Münchner, wenn dem so wäre.“

Auch bei den Nebenkosten wittert Haus+Grund Fehler – selbst bei Abgaben an die Stadt: Während die Grundsteuer um neun Prozent stieg, weise der Mietspiegel in diesem Punkt acht Prozent minus aus.

Stürzers Fazit: Der Mietspiegel kann so nicht stimmen. Umso mehr entsetzt ist er über den Stadtrat, der die Statistik trotzdem durchgewunken habe und ihr damit rechtsstaatliche Weihen verlieh – denn der Mietspiegel fungiert bei Mietprozessen wie ein Zeuge. „Ein Beweismittel muss aber ohne Wenn und Aber richtig sein“, sagt Jurist Stürzer.

Die Stadt hatte sich schon im März verteidigt: Die Mietspiegel-Systematik sei schuld. Das Werk muss nämlich nur alle vier Jahre neu erstellt werden, dazwischen werden die Zahlen um den Verbraucherpreisindex angepasst. Darum sei der Rückgang seit 2009 nur ein rechnerischer. Die aktuelle Ausgabe sei komplett neu erstellt worden wie zuletzt die von 2007, nur diese beiden seien direkt vergleichbar – und hier lag die Steigerung bei fünf Prozent. Einspruch von Haus+ Grund: Der Zuwachs hätte dann bei insgesamt 22 Prozent liegen müssen!

Jetzt soll der Streit vor Gericht landen: Die Vermieter können nicht gegen das ganze Zahlenwerk klagen, wollen aber einen Prozess um eine Mieterhöhung als Präzedenzfall abwarten, um die Angaben prüfen zu lassen. Komme ein Gutachter zu höheren Beträgen, würde der Mietspiegel an Ansehen verlieren – und an Beweiskraft. Erhöhungen der Miete könnten leichter durchzusetzen sein.

David Costanzo

Rubriklistenbild: © dpa

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