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1995 verlor sich ihre Spur am Stiglmaierplatz: Jetzt wurden Knochenreste von Sonja Engelbrecht gefunden

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Von: Laura Felbinger, Dorita Plange

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Nach 26 Jahren gibt es traurige Gewissheit: Sonja Engelbrecht ist tot. In einem Waldstück fand man ihren Oberschenkelknochen. Die Polizei sucht weitere Überreste.

München – Es ist ein malerisches Waldstück im Altmühltal, nordwestlich von Kipfenberg (Landkreis Eichstätt), beliebt bei Wanderern – doch jetzt ist der Forst auch ein Schauplatz des Grauens. Hier, im Schatten der Bäume, hat ein Waldarbeiter einen menschlichen Knochen gefunden. Wie die Polizei nun herausfand, stammt er von der Münchnerin Sonja Engelbrecht, die seit dem Jahr 1995 vermisst wird.

Damit steht einer der geheimnisvollsten Kriminalfälle Deutschlands vor der Aufklärung. Derzeit suchen rund 100 Polizisten das Gebiet ab. Seit Dienstagvormittag (23. November) sind die Einsatzkräfte der Münchner und Ingolstädter Polizei* sowie das Unterstützungskommando im Einsatz. Mit Hochdruck suchen sie das Waldstück namens Bärneichet ab. Die Ermittler hoffen auf weitere Spuren, um das Rätsel um das Verschwinden der jungen Frau vor 26 Jahren endlich zu lösen.

Vermisste Sonja Engelbrecht: Knochenfund von 2020 brachte neue Erkenntnisse

Der Auslöser für die Suchaktion liegt über ein Jahr zurück. „Der Knochen wurde schon im Sommer 2020 gefunden“, sagt Polizeisprecher Werner Kraus. Erste DNA-Abgleiche hatten keinen Treffer ergeben, daher wurde das Waldstück nur im näheren Umkreis des Fundorts nur oberflächlich abgesucht. „Es gab zunächst keinen Anhaltspunkt für ein Tötungsdelikt“, erklärt Kraus.

Nun sieht die Sache aber anders aus. Da sich die Möglichkeiten, DNA-Material zu typisieren, ständig verbessern, brachte eine erneute Untersuchung nun das überraschende Ergebnis: Der Knochen stammt von der seit 26 Jahren vermissten Münchnerin. „Er lag dort schon seit einigen Jahren“, berichtet Kraus.

Ursache für den Tod von Sonja Engelbrecht noch nicht geklärt

Wie Sonja ums Leben kam, ist aber noch immer ungeklärt. Die Polizei geht von einem Gewaltverbrechen aus. Schon in den 90er-Jahren hatten die Münchner* Ermittler ein Sexualdelikt als Hintergrund von Sonjas Verschwinden vermutet. Mit dem Knochenfund sind die Polizisten einer Lösung des Falls jedenfalls ein ganzes Stück nähergekommen.

Polizisten und Einsatzfahrzeuge stehen an einem Waldstück
Polizisten stehen an dem Waldstück, wo Sonja Engelbrechts Überreste gefunden wurden. © Friedrich/dpa

Rückblick: Es ist die Nacht auf den 11. April 1995 gegen 2.30 Uhr. Sonja Engelbrecht steht allein am Stiglmaierplatz. Zuvor war die 19-Jährige mit Freunden in Schwabing* feiern. Danach begleitete sie einen Freund zur Tram-Haltestelle und wollte von der Telefonzelle aus ihre Schwester anrufen: Die hätte sie mit dem Auto abholen sollen. Der Freund stieg in die Straßenbahn und von Sonja verlor sich jede Spur. Das Telefon der Schwester hat nie geklingelt. Seit diesem Zeitpunkt war Sonja vermisst.

Eltern von Sonja Engelbrecht suchten sie mit Hilfe von „Aktenzeichen XY… ungelöst“

Ihre Eltern Ingrid und Harry Engelbrecht suchten verzweifelt nach der Fachoberschülerin, die Mordkommission ermittelte – der Fall war auch Them bei der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“* – jedoch alles ohne Erfolg. Auf einer Internet-Seite, die offenbar in Absprache mit Sonjas Eltern entstand, wurden allerlei Theorien über ihren Verbleib aufgestellt. Wurde sie gekidnappt? Hat ihr ein heimlicher Verehrer etwas angetan? Grausame Gedanken ohne Lösung.

Auch jetzt nach dem Knochenfund bleibt im Fall Sonja Engelbrecht vieles unklar. Nur eines steht nun fest: Die Münchnerin ist tot. Udo Nagel, damaliger Chef der Münchner Mordkommission, sagt: „Die Familie tut mir furchtbar leid, weil sich damit alle ihre Hoffnungen zerschlagen haben, Sonja wieder lebend zu sehen.“ Die Polizei will den Wald in den kommenden Tagen weiter absuchen – immer von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. „Mindestens bis Freitag geht die Suche“, sagt Sprecher Werner Kraus. Ab Ende der Woche soll Schnee fallen, was die Suche erschwert. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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