Vermisster Rentner: Einsamer Tod in der Leopoldstraße

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Im C&A an der Kaufingerstraße  verlor sich die Spur von Baldur P. Trotz einer großangelegten Suche konnte der altersdemente Mann nicht gefunden werden. Am Neujahrstag entdeckte ein Spaziergänger ihn tot in einem Hinterhof (rechts) an der Leopoldstraße.

München - Baldur P., der am 27. Dezember bei einem Stadtbummel in München verschwunden ist, ist tot. Ein Spaziergänger hat die Leiche des Rentners aus Chemnitz gefunden.

Sechs Tage hat seine Ehefrau um ihn gebangt, genauso lange suchte die Polizei nach Baldur P. (72) aus Chemnitz. Der Mann war am 27. Dezember mitten in der Münchner Fußgängerzone verschwunden, nachdem er in einem Kaufhaus auf der Toilette gewesen war (tz berichtete). Am Neujahrstag entdeckte ein Spaziergänger den Rentner. Er lag tot in einem verwinkelten, verlassenen Hinterhof des Hotels Holiday Inn an der Leopoldstraße. „Dem ersten Anschein nach kommt ein Gewaltdelikt nicht in Frage“, sagte ein Polizeisprecher. Die Leiche des Chemnitzers wird jetzt am Institut für Rechtsmedizin obduziert. Erst danach steht fest, wie der Tourist, der unter Altersdemenz litt,  ums Leben kam.

Vor einer Woche war Baldur P. in der Millionenstadt München plötzlich wie vom Erdboden verschluckt. Gegen 13.30 Uhr war er ins C&A gegangen, er wollte hier die Toilette im 3. Stock aufsuchen. Seine Frau wartete auf ihn im Erdgeschoss. Sie wartete vergebens.
Lautsprecherdurchsagen waren ebenso erfolglos wie eine mehrstündige Suche von Verwandten, die Baldur P. mit seiner Frau über Weihnachten hier in München besucht hatte. Dann wurde die Polizei eingeschaltet. Sämtliche Krankenhäuser wurden nach Baldur P. abgefragt, etliche Anlaufstellen abgesucht. Ohne Erfolg. Der demenzkranke Mann war einfach unauffindbar.

Als nach der Veröffentlichung seines Fotos etliche Hinweise auf den Rentner bei der Polizei eingingen, schöpfte seine Frau wieder Hoffnung. Doch alle Hinweise verliefen im Sand. Erst am Samstag hatten Polizisten das Einkaufszentrum PEP durchsucht, weil Baldur P. hier angeblich gesehen worden war. Auch dieser Hinweis führte ins Leere. Der 72-Jährige blieb verschwunden. Baldur P. hatte wohl nach dem Toilettenbesuch die Orientierung in dem großen Kaufhaus verloren, war durch irgendeinen Ausgang auf die belebte Fußgängerzone gelangt. Vielleicht hat er noch nach seiner Frau gesucht, vielleicht hat der Demenzkranke aber auch vergessen, was er wollte, wo er war.

Möglicherweise ist Baldur P. dann stundenlang herumgeirrt, ist die Leopoldstraße entlang gelaufen, über die Münchner Freiheit hinaus. Bei dem leerstehenden Holiday-Inn-Komplex war er vielleicht erschöpft, suchte sich in dem verwinkelten Areal eine Stelle zum Ausruhen. Und starb hier vielleicht an Unterkühlung. Wie lange Baldur P. in dem verlassenen Hinterhof lag, wird vermutlich die Obduktion klären. Wahrscheinlich überlebte er die darauffolgende Nacht am Tag seines Verschwindens nicht mehr.

Demenz

Eine Demenz ist eine diagnostizierbare Erkrankung des Gehirns. Vor allem ist das Kurzzeitgedächtnis, ferner das Denkvermögen, die Sprache und die Motorik, bei einigen Formen auch die Persönlichkeitsstruktur betroffen. Maßgeblich ist der Verlust erworbener Denkfähigkeiten. Einige Formen können in gewissem Umfang behandelt werden, d.h. die Symptome können im Anfangsstadium mit Medikamenten verzögert werden. Die am häufigsten auftretende Form der Demenz ist die Alzheimer-Krankheit, die vorallem betagte Menschen trifft. In Deutschland ist mit einem Anstieg der Demenz von heute 1,3 Millionen Betroffenen auf 2,6 Millionen in 2050 zu rechnen.

Jacob Mell

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