Verrückt? Erster Spargel am Viktualienmarkt

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Am Viktualienmarkt gibt es schon jetzt frischen Spargel aus Schrobenhausen

München - Das ist selbst für den Münchner Viktualienmarkt eine kleine Sensation: Der erste Spargel ist da! Schon beginnen auch die Diskussionen um den Gemüseanbau mit Fußbodenheizung.

Nicht diese etwas trockenen Gewächse aus Griechenland oder Spanien. Nein, weit gefehlt! Diese Sensation kommt aus Bayerns berühmten Anbaugebiet Schrobenhausen. Noch wahnsinnig teuer zwar. Aber zart und weiß und absolut frisch gestochen aus heimischen Böden. Und das Mitte März. In einem eisigen Frühjahr, in dem sich selbst die Krokusse kaum heraustrauen.

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 Das Geheimnis verbirgt sich 15 Kilometer von Schrobenhausen entfernt im Boden von Inchenhausen in Form von langen Heizschläuchen. Dort haben die Brüder Josef und Georg Lohner heuer erstmals auf einem zwölf Hektar großen Feld (etwa 300 mal 400 Meter groß) eine Art Fußbodenheizung für ihren Spargel eingebaut.

Josef Lohner: „Die Idee entstand, weil sich viele unserer meist privaten Kunden schon zu Ostern Spargel wünschen.“ Und so heizten die Lohner-Brüder dem kostbaren Gemüse kräftig ein. „Die Schläuche funktionieren nach dem Prinzip der Fußbodenheizung, die mit Hackschnitzeln aus Resthölzern der Sägeindustrie betrieben wird.“ Die konstante Wärmezufuhr bewirkt ein gleichmäßiges Wachstum: „Der Spargel hat damit eine erstklassige Qualität.“

Der Aufwand hat allerdings auch seinen Preis: Auf dem Viktualienmarkt wird der Lohner-Spargel aus Schrobenhausen derzeit zu Kilopreisen von stolzen 38,90 Euro bzw. 29,95 Euro angepriesen.

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Rings um Schrobenhausen erstrecken sich kilometerweit die riesigen Spargelfelder

Die neueste Geschäftsidee der Lohner-Brüder stößt auch auf Kritik. Zum Beispiel bei Josef Plöckl, Vorsitzender des Spargelerzeugerverbandes Südbayern. der den Titel „Schrobenhausener Spargel“ kürzlich als Markennamen hat schützen lassen. „Das passt doch nicht in die Zeit. März ist einfach noch zu früh“, wetterte Plöckl gegenüber dem Münchner Merkur. „Wenn sie eben unbedingt wertvolle Hackschnitzel auf die Felder werfen wollen, dann bitte.“ Und auch Andrea Danitsek von der Verbraucherzentrale Bayern meint: „Das ist ökologisch nicht vertretbar.“

Die Lohner-Brüder gehören ganze bewusst keinem Verband an. Die Vorwürfe lässt Josef Lohner nicht gelten: „Dann möchte ich die Kritiker zunächst bitten, im Winter auf Gurken und Tomaten zu verzichten und Flugreisen zu unterlassen. Professionelle Nörgler gibt es halt immer.“ Bereits in wenigen Tagen wird es den Lohner-Spargel etwas günstiger geben. An vielen Verkaufsständen in München und Umgebung kostet das Kilo März-Spargel dann 18,50 Euro.

Dorita Plange

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