Verrückter Winter!

München - Er schickte sich an, der kälteste seit Jahrzehnten zu werden, so bibberkalt war der Winter bislang. Und jetzt? Mitten im Januar ist der Frühling da.

Eisdielen und Biergärten öffnen, sogar ein paar Blumen sprießen. Am Wochenende erwartet der Deutsche Wetterdienst bis zu 13 Grad! Verrückter Winter …

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Verantwortlich für das Intermezzo ist warme Mittelmeerluft, die das Island-Tief Dieter in Gang gesetzt hat. „Die derzeitigen Temperaturen liegen etwa 10 Grad über dem normalen Durchschnittswert“, sagt Volker Wünsche vom DWD in München. Das Beste: Am Samstag und Sonntag macht auch der Regen eine Pause.

Nach dem Dauerfrost kommt den Münchnern die Luft besonders mild vor. Das merkt auch Charly Eisenrieder vom Café Münchner Freiheit: „Wir haben vergangenes Wochenende entschieden, schon Eis zu verkaufen – normal starten wir Ende März. Am Sonntag standen die Kunden Schlange …“ Damit alle Münchner Frühlingsgefühle bekommen können, startet er mit der tz eine Aktion: Wer diesen Sonntag mit einer aktuellen Wochenend-Ausgabe der tz zum Café Münchner Freiheit kommt, erhält den ganzen Tag eine Kugel Eis für 50 statt für 90 Cent.

Auch das Seehaus im Englischen Garten rüstet sich für den ersten Andrang 2011 wie für ein sonnig-warmes Frühjahrs-Wochenende – und das mitten im Winter. Fast schon sensationell: In München platzen die ersten Blüten auf. In der Au etwa blühen schon Schneeglöckchen. „Das ist wirklich sehr ungewöhnlich“, sagt Michael Brunner von der Stadtgärtnerei. „Vielleicht wächst es ja auf einer Fernwärmeleitung, so dass der Boden nachts nicht friert.“ Bald könnte das ein häufigeres Bild sein. Brunner: „Noch ein paar Tage ohne Nachtfrost, dann sprießen in geschützten Stadtlagen noch mehr Schneeglöckchen, Narzissen oder Christrosen.“

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Auch die Maulwürfe bekommen Frühlingsgefühle, wie Thomas Köster vom Englischen Garten berichtet: „Die sind fleißig am buddeln, so früh gab’s das noch nie.“ Des einen Freud ist des anderen Leid: Die Organisatoren des Eisrennens Red Bull Crashed Ice, das am Samstag im Olympiapark stattfindet, sind am Schwitzen: „Am Montag hatten wir eine 10-Zentimeter-Eisschicht aufgebaut – heute sind es nur noch 6 Zentimeter“, sagt der Pistenverantwortliche Jürgen Pölzl. „Wir verlieren ständig Eis und können nur nachts neues produzieren.“

Trotzdem gibt es keinen Grund zur Sorge für die erwarteten 25 000 Zuschauer: „Das Rennen wird sicher stattfinden.“ Die Verantwortlichen der Münchner Hausberge sind ziemlich verärgert. „Der ganze schöne Schnee schmilzt davon“, klagt Peter Lorenz von AlpenPlus. „Zum Glück war das Weihnachtsgeschäft heuer super – das ist die halbe Miete.“ Am Sudelfeld etwa schaut’s nämlich ziemlich düster aus: Hier sind nur zwei von 19 Liften geöffnet, im Spitzinggebiet drei von 15. In Brauneck ist die Lage besser. „Jetzt sollte es schon bald wieder schneien oder kälter werden …“

Bei minus drei Grad kann Lorenz die Schneekanonen anwerfen. Er könnte Glück haben: Mitte nächster Woche soll die Temperatur zumindest nachts wieder unter den Gefrierpunkt sinken.

nba

Rubriklistenbild: © dpa

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