Turnier im Münchner Untergrund

Verrücktes Event: Tischtennis in der U-Bahn

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Mit der Rückhand zum Sieg: Michi (l.) und Olli (r.) beim Tischtennisturnier im U-Bahn-Sonderzug der MVG.

München - So etwas gab's noch nie: Am Montag fand in der U-Bahn das verrückteste Tischtennisturnier statt, das München je gesehen hat.

Michi kennt keine Gnade. Er fixiert den Ball, zwirbelt ihn angeschnitten über’s Netz und schmettert die Rückgabe seines Gegenspielers diagonal über die Platte. „Jawoll“, ruft er. Punktsieg - 11:6. Damit ist Michi in der nächsten Runde des verrücktesten Tischtennisturniers, das München je gesehen hat.

Montag, 21 Uhr: In Fröttmaning rollt die U-Bahn ein - aber nicht die U6, sondern ein Party-Sonderzug des Bayerischen Tischtennisverbandes (BTTV). Darin: 64 Spieler zwischen 18 und 80 Jahren, die ein Turnier austragen - mitten in der Bahn, auf 16 Minitischen (90 mal 45,5 Zentimeter). „Man braucht Gefühl und Präzision“, erklärt Olli, der wenige Stunden zuvor noch als Orthopädietechniker hinter der Ladentheke stand. „Und Standfestigkeit“, scherzt Datenbankbetreuer Michi. Als die U-Bahn beschleunigt, fällt er zurück in den Sitz - steht aber noch rechtzeitig wieder auf und kontert einen Aufschlag. Bringt nichts: Gegen Ollis Rückhand ist er machtlos.

Dreieinhalb Stunden lang fahren die Spieler quer durch Münchens Untergrund, tragen das Spaßturnier in 14 Gruppen mit je vier Spielern aus. Modus: zwei Gewinnsätze, jeder gegen jeden. Gehalten wird nur fünfmal, dann geht’s raus auf den Bahnsteig. Etwa an der Münchner Freiheit - um 21.30 Uhr: Auch Tim Hake (26) ist dabei. Er studiert Luft- und Raumfahrttechnik an der TU München und hat seinen Schläger mit Schaumstoff und Filzhaube überzogen. „Das ist mein Anti-Schmetterschläger“, erklärt er. „Damit gewinne ich immer .“ Der weiche Schläger wirkt: Tim schlägt nie über die Platte hinaus - und lässt Henriette (57) keine Chance, obwohl sie seit 45 Jahren spielt. „Bisher aber noch nie in der U-Bahn“, sagt die Buchhalterin.

"Tischtennis soll bekannter werden"

Tischtennis in der Tiefe: Die Idee stammt von André Pfeiffer (27), Praktikant beim BTTV und angehender Eventmanager. „Ich wollte mal etwas Außergewöhnliches auf die Beine stellen“, sagt er zur tz. Dafür mietet er bei der MVG eine U-Bahn (Typ C), lost Vereinsspieler aus den Einsendungen aus, organisiert Helfer und Musik - und fertig ist die erste Münchner U-Bahn-Meisterschaft. Pfeiffers Ziel: „Tischtennis soll bekannter werden.

 Es gelingt: Am Candidplatz trauen Passanten ihren Augen kaum, als plötzlich auf 16 Tischtennisplatten am Bahnsteig der Ball rollt. Tief im Hauptbahnhof drücken sich verdutzte Nachtschwärmer die Nase platt: Um 23 Uhr hält der U-Bahn-Sonderzug kurz, öffnet die Türen aber nicht - und innen wird gespielt. „So eine Aktion gab’s noch nie“, sagt Verbandsgeschäftsführer Carsten Matthias. Gewonnen hat übrigens Thomas Ernst, Oberliga-Spieler vom TSV Schwabhausen: „Für mich hat sich das Training am Wohnzimmertisch ausgezahlt.“

Andreas Thieme

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