Versicherungsbeitrag erhöht

Mehr zahlen, weil er alt ist? Rentner (69) wehrt sich

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Wolfgang B. sollte plötzlich 591 statt 525 Euro für seine Vollkasko-Versicherung zahlen. Jetzt ließ er sie auf seine drei Jahre jüngere Frau überschreiben

München - Seit 50 Jahren fährt Wolfgang B. unfallfrei. Dennoch verlangt seine Autoversicherung jetzt mehr Geld. Warum? Weil der ehemalige Mechaniker-Meister im September 70 Jahre alt wird.

Wenn’s ums Auto geht, ist Wolfgang B. typisch Mann: Er fährt gern – und das auch richtig gut (was nicht heißen soll, dass Frauen das nicht auch können). Seit 50 Jahren hat der Rentner aus Stein an der Traun jedenfalls keinen Unfall gebaut. Nicht mal irgendwo angeschrammt. Gar nix! Die Verteuerung seiner Autoversicherung will sich der Oberbayer jedenfalls nicht gefallen lassen: „Das ist Altersdiskriminierung. Da mach ich nicht mit!“

Das unerwünschte Geburtstagsgeschenk bemerkte der Familienvater per Zufall: „Ich habe meine letzte Beitragsrechnung kontrolliert und dann festgestellt, dass ich plötzlich mehr zahlen muss.“ Genau gesagt stieg seine Vollkasko von jährlich 525 Euro auf 591 Euro. Wolfgang B. rief bei seiner Versicherung an, der Versicherungskammer Bayern. Die Antwort war kurz und knapp: „Das liegt daran, dass Sie 70 werden.“ Und: Das gelte natürlich nicht nur für ihn, sondern für alle Versicherungsteilnehmer. „Das macht das Ganze aber nicht besser“, schimpft B. „Wir Älteren sind doch nicht automatisch eine Gefahr für den Straßenverkehr!“ Da hat der Rentner, wenn man die Statistiken betrachtet, zweifelsohne Recht: Die über 65-Jährigen stellen ein Fünftel der Deutschen – sie verursachen aber nur gut elf Prozent der Unfälle. Erst ab einem Alter über 75 kommt es häufiger zu Schadensfällen. Die jüngsten Verkehrsteilnehmer (also ab 18) verursachen dennoch im Vergleich weitaus mehr Unfälle.

Mehr zahlen, weil man alt ist! Auch beim Vdk kennt man die Problematik nur zu gut. Fakt ist: Wenn’s ums Auto geht, ist die Versicherungskammer Bayern kein Einzelfall. Alle Versicherungen verteuern ihre Leistungen, wenn der Kunde ein bestimmtes Alter erreicht hat. „Objektives Versicherungsmerkmal“ nennt sich das. „Wir richten uns da halt nach den Unfall-Statistiken“, erklärt Stefan Liebl, Pressesprecher der Versicherungskammer Bayern gegenüber der tz. „Dass der Herr aber 50 Jahre unfallfrei gefahren ist, wird ihm dennoch positiv angerechnet.“

Für Wolfgang B. nicht positiv genug. Ihn wundert zudem, dass bei seiner privaten Krankenversicherung der Gesetzgeber vorsieht, dass „alleine wegen des Älterwerdens die Beiträge nicht steigen dürfen“. B.: „Warum gilt das denn nicht auch bei der Haftpflichtprämie? Merkwürdig, oder?“ Aber Wolfgang B. fährt nicht nur gut Auto – er ist auch ein Fuchs. „Ich habe nun meine Versicherung auf meine drei Jahre jüngere Ehefrau überschrieben und spare so immerhin 50 Euro.“ Bis die Gattin 70 wird …

Auch hier werden Senioren benachteiligt

VdK-Präsidentin Präsidentin Ulrike Mascher.

Den Kampf gegen die Altersdiskriminierung in unserer Gesellschaft führt man auch beim Vdk seit Jahren. „Autoversicherungen sind hier natürlich ein typisches Beispiel“, erklärt Präsidentin Ulrike Mascher gegenüber der tz. Dies sei aber bei weitem nicht das einzige Feld. „Auch bei Bankkrediten müssen wir oft kritisieren, dass ältere Menschen stark benachteiligt werden.“ Der wirtschaftliche Grund ist klar: Die Banken haben Angst, ihr Geld wegen eines möglichen Todes nicht zurückzubekommen. Ulrike Mascher: „Wir reden hier aber teils von 70- oder 75-Jährigen, die keine finanzielle Unterstützung bekommen. Und die sind ja bei unserer heutigen Lebenserwartung nicht kurz vor dem Sterben.“

Auch bei Job-Bewerbungen werden ältere Menschen laut Vdk oft benachteiligt: „Dass eine Firma einen über 50-Jährigen noch festeinstellt, ist leider immer noch selten. Obwohl seine Qualifikationen vielleicht viel besser sind als die eines Jüngeren.“ Aber er ist halt meist auch teurer. Wie sich die Situation bessern könnte? „Nur durch ein gesellschaftliches Umdenken. Und das braucht Zeit.“

Die tz gibt Senioren eine Stimme

Knapp 260.000 Senioren (also Menschen über 65 Jahren) leben in unserer schönen Stadt. Was sind ihre Wünsche? Was ihre Ängste? Die tz hat sich schon immer intensiv um die Belange unserer ältesten Mitbürger gekümmert – jetzt geben wir ihnen auch eine Stimme. Zusammen mit dem Seniorenbeirat München gehen wir in der tz die Probleme direkt an: Sie ärgern sich über etwas? Sie fühlen sich ungerecht behandelt, haben Probleme mit Behörden? Dann schreiben Sie uns: Wir versuchen, Ihnen beizustehen.

Schreiben Sie uns per Post an tz München, Stichwort: Senioren, Paul-Heyse-Straße 2-4, 80336 München oder per E-Mail an senioren@tz.de.

Armin Geier

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