Versorgungsengpässe in Stadt-Kliniken

Ehemalige Ärztin: Brandbrief an den OB!

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Ex-Ärztin Ingrid ­Seyfarth-Metzger kämpft gegen den Sparkurs.

München - Die ehemalige Ärztin Dr. Ingrid Seyfarth-Metzger prangert den Sparkurs im Städtischen Klinikum an – sie hat mit der Initiative fürs Klinikum Harlaching einen Brandbrief an OB Dieter Reiter geschrieben.

Vor zwei Wochen erlebte sie die Lage selbst: Da hatte ihr eineinhalbjähriger Enkel am Samstagabend einen Fieberkrampf und musste ins Krankenhaus! Wohin? Ins Schwabinger! Schließlich war Dr. Ingrid Seyfarth-Metzger (67) selbst jahrzehntelang Anästhesistin dort. „Die Behandlung war bestens“, sagt sie. „Aber in der Nacht mussten wegen der Enge drei Kinder und zwei Eltern in einem Zimmer übernachten.“ Das hat sie nur bestätigt: Seyfahrt-Metzger prangert als Vorsitzende der „Bürger fürs Stadtklinikum“ den Sparkurs im Städtischen Klinikum an – jetzt hat sie mit der Initiative fürs Klinikum Harlaching wieder einen Brandbrief an OB Dieter Reiter geschrieben!

„Patienten werden oft nur noch mit dem Notwendigsten versorgt“, warnen die Vereine. „Das verbliebene Personal ächzt.“ Schuld sei der Pflege-Mangel: Die Mitarbeiter kündigten in Scharen, weil sie Einschnitte bei der Sanierung der fünf finanziell maroden Häuser fürchteten. Darum sollen Ärzte und Pfleger von Gehaltskürzungen und Arbeitszeitverlängerungen ausgenommen werden. Die Vereine listen detailliert den heutigen Notstand in Schwabing und Harlaching auf:

Kinderklinik Schwabing: Die Kinderchirurgie könne wochentags nur in einem von drei OPs operieren, geplante Eingriffe würden häufig verschoben. In der Intensivstation kämen nur acht statt zwölf kleine Patienten unter. Im ersten Quartal seien darum an der Hälfte der Tage keine Betten frei gewesen. Eine Station sei ganz dicht. Aber: Tatsächlich ist diese Klinik vom Sparplan nicht betroffen, wird sogar neu gebaut.

Innere Medizin Schwabing: Seit Jahresbeginn hätten in der Kardiologie gleich zehn Ärzte gekündigt! Wenn im Juli die Nieren-Medizin nach Harlaching ziehe, gebe es im Norden der Stadt keine stationäre Dialyse mehr.

Klinikum Harlaching: Mehrere Stationen in Urologie, innerer Medizin und Chirurgie seien gesperrt. Wieder Personalmangel! Mit weiteren Schließungen seien 20 Prozent der Betten nicht belegbar. Von neun OPs seien drei bis fünf in Betrieb. Krebspatienten müssten bis zu sechs Wochen warten.

Für das Klinikum hat das nichts mit dem Sparkurs zu tun: „Es ist richtig, dass eine enge Personalsituation alle Kliniken auch über München hinaus betrifft. Auch wir arbeiten mit unseren Pflegekräften daran, die Attraktivität der Arbeitsplätze zu erhöhen und neue Kollegen zu gewinnen. Mittel- bis langfristig werden die geplanten Investitionen von über einer halben Milliarde Euro sowohl der Patientenversorgung als auch – durch moderne Arbeitswelten – den Mitarbeitern zugute kommen.“

David Costanzo

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