Giftanschlag! Nachbarin will Rentner-Paar töten

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Der Tatort: Ein Merhfamilienhaus in Solln. Hier vergiftete die Nachbarin ein ahnungsloses Ehepaar

München - Sie schien hilfsbereit. Eigentlich aber wollte die 28-jährige Frau aus Solln ihre Nachbarn, ein Rentner-Ehepaar, nur bestehlen. Um dies zu vertuschen, griff sie zum Äußersten. 

Im eleganten Sollner Villenviertel an der Grenze zu Großhesselohe – da scheint die Welt in Ordnung zu sein. Hier grüßt man sich und kennt die Nachbarn. Hier fühlen sich besonders die älteren Herrschaften sicher und geborgen. Umso unbegreiflicher erscheint dieses Verbrechen, dem ein vermögendes Sollner Ehepaar beinahe zum Opfer gefallen wäre. Auf die beiden wurde ein Giftanschlag verübt – begangen von der Nachbarin, die das Vertrauen der Senioren schamlos ausgenutzt hat!

Im August 2010 war der pensionierte Bauingenieur Freiherr Bernd von T. (72) mit seiner Ehefrau Maria (69; Namen geändert) in das elegante Mehrfamilienhaus mit Schwimmbad gezogen. Dort schlossen die beiden Freundschaft mit der netten Nachbarin Magdalena B. (28). Die dunkelhaarige Polin arbeitete für rund 800 Euro in einem Hotel, verdiente sich mit Babysitten ein paar Euro dazu. Auch für den Freiherrn und seine Frau von T.’s machte sie kleine Besorgungen, sah nach der Post und hatte einen Zweitschlüssel.

Ende Februar wunderte sich Maria von T., dass ihre neue EC-Karte nicht ankam. Was sie zunächst nicht ahnte: Die Nachbarin hatte sowohl die Karte als auch die Geheimzahl heimlich an sich genommen und war damit shoppen gegangen! Mehrfach fragte Maria T. die Nachbarin, ob sie den Bank-Brief gesehen habe. Mitte März ließ Maria von T. die Karte schließlich sperren. Da fehlten auf ihrem Konto schon 7000 Euro. Zu diesem Zeitpunkt war der Polin klar, dass ihr das Ehepaar bald auf die Schliche kommen würde. Da fasste sie einen tückischen Plan: Am Abend des 28. März – das Ehepaar von T. war nicht daheim – ging sie hinüber in die Wohnung und versetzte den selbstgemachten Joghurt mit einer lebensgefährlich hohen Menge zerstoßener Beruhigungstabletten (Benzodiazepine), die in höherer Dosis als starkes Schlafmittel wirken.

Am Morgen des 29. März frühstückten Bernd und Maria von T. wie gewohnt ihren Joghurt und fuhren gleich darauf mit dem Auto zu einem Termin in Solln. Dort fiel zunächst der Ehemann und kurz darauf auch seine Frau in einen Zustand tiefer Bewusstlosigkeit. Erst 20 Stunden später erwachten die beiden wieder in der Klinik. Nicht auszudenken, wenn der Zusammenbruch sie allein daheim oder während der Autofahrt überrascht hätte.

Die Mordkommission übernahm den Fall. Zu diesem Zeitpunkt war Magdalena B. bereits nach Polen geflogen – mit Rückflug-Ticket für den 15. April. Scheinbar schien sie zu glauben, sich mit dieser Heimreise ein Alibi verschafft zu haben. Die Kripo sichtete die Videos der Banküberwachung. Darauf war zweifelsfrei die 28-Jährige zu sehen. 15 Mal (!) hatte sie die gestohlene EC-Karte eingesetzt.

Als die tückische Giftmischerin am 15. April wieder in München landete, nahm die Mordkommission sie in Empfang. Sie gestand alles, sitzt wegen Diebstahls, Computerbetrugs und zweifachen Mordversuchs in U-Haft. Ihr Motiv: Geldnot und Angst vor der Entdeckung an. Das Ehepaar von T. ist zwar wieder wohlauf, muss aber die große Enttäuschung verwinden.

Dorita Plange, Sebastian Arbinger

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