Vertrag verlängert - Bavaria macht weiter 

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Goldene Robe, weiblicher Charme, hintergründiger Humor: Luise Kinseher (42) bei ihrer Nockherberg-Premiere als Bavaria.

München - Kult-Kaberettistin Luise Kinseher gibt auch im kommenden Jahr die Bavaria auf dem Nockerberg. Paulaner hat den Vertrag mit mit der 42-Jährigen verlängert.

Momentan wacht die Bavaria über die Wiesn – und auch beim zweitwichtigsten Bierspektakel der Stadt spielt sie erneut eine Hauptrolle: in ­Gestalt von Luise Kinseher. Die Kult-Kabarettistin aus dem Westend wird am 7. März auf dem Nockherberg zum zweiten Mal die Polit-Prominenz aus Bayern und Berlin derblecken.

Wie die tz erfuhr, haben Kinseher und die Brauerei den Vertrag bereits im August in trockene Tücher gebracht. „Es ist alles klar mit Paulaner“, bestätigte Kinseher, „ich mach’s wieder.“ Die Kinseher auf dem Nockherberg – ihre Premiere im vergangenen Frühjahr kam einer Starkbier-Revolution gleich. Zum ersten Mal in der Geschichte der Traditionsveranstaltung las eine Frau der dominanten Männergesellschaft die Leviten. Und das nicht in der Kutte eines Fastenpredigers, sondern in der güldenen Robe der Bavaria.

„Ich war ganz zufrieden mit meinem Aufritt“, bilanziert die 42-Jährige, „die Figur hat gepasst.“ Ebenso wie ihre Philosophie: weiblicher Charme und hintergründiger Humor statt Knüppel-aus-dem-Sack-Strategie. „Es muss nicht immer der aggressive Angriff sein“, erläutert Kinseher. „Ich werde meine Linie beibehalten, bei meiner Rede viel zwischen den Zeilen zu sagen. Mir geht’s um gute Pointen – und die müssen natürlich sitzen.“

Diesen Anspruch zu erfüllen, erfordert große Kunst – Kinseher weiß das ganz genau. Bei ihrer Premiere war nicht alles Gold, was glänzte, ihre Rede hatte auch seichtere Passagen. Daraus macht die Kabarettistin keine Hehl: „50 Minuten waren zu lange, mein nächster Auftritt wird kürzer werden. Beim ersten Mal ist mir die Erfahrung abgegangen. Aber ich glaube, mit der Routine kommt die Leichtigkeit.“

Ansonsten will sich Kinseher von den Kritikern nicht die Lust am Lästern verleiden lassen: „Ich kann es sowieso nicht jedem rechtmachen. Der Nockherberg ist ein satirischer Ausnahmezustand, mit nichts zu vergleichen. Da kannst du nicht vorsehen, wie es läuft.“

Eins steht allerdings schon fest: „Der Stoff wird mir sicher nicht ausgehen“, sagt Kinseher. Sie hat sich schon fleißig Notizen gemacht: zum Beispiel über den Ministerpräsidenten „Horsti“ Seehofer, der plötzlich OB Christian Ude im G’nack hat, oder Philipp Rösler, den krisengeschüttelten FDP-Chef. „Mei, ich freue mich schon so, mich mit den beiden zu beschäftigen.“

Bevor auf dem Nockherberg das erste Starkbier fließt, wird Kinseher allerdings erst noch im Rest von Deutschland den Hunger nach Humor stillen. Rund 120-mal wird sie 2012 auf der Bühne stehen. Früher gab sie sogar 150 Gastspiele im Jahr. Aber dann machte die Gesundheit nicht mehr mit. Nach einem Schwächeanfall musste das Arbeitstier in einer Klinik eine Zwangspause einlegen. Den Spaß ließ sich Kinseher allerdings auch dort nicht verderben. Wenn sie von einem Gespräch mit ihrer älteren Bettnachbarin erzählt, lacht sich die Münchnerin halbtot.

Der Dialog: Bettnachbarin: „Sogn S’ a moi: San Sie prominent?“ Kinseher: „Mei, vielleicht haben S’ den Nockherberg im Fernsehen g’seng?“ Bettnachbarin: „Naa, bei dera fetten Plunsen hob i glei um-g’schoitn.“ Kinseher: „So, so, aber wissen S’: Die Plunsen bin i.“ Beleidigt war die Kabarettistin nicht. Ihr vielleicht größter Vorteil gegenüber manchen männlichen Kabarett-Kollegen: Sie nimmt sich selbst nicht so ernst.

Der Sturm auf die Wiesn-Charts

Nach dem Nockherberg will Luise Kinseher auch das Oktoberfest erobern: mit ihrem neuen Hit „Geh ma no wo nei“. Vom Erfolg ihres Schunkel-Schmankerls ist die Kabarettistin felsenfest überzeugt: „Mein Ziel ist klar: Platz eins in den inoffiziellen Wiesn-Charts“, sagt Kinseher augenzwinkernd.

Wobei sie weiß, dass die Konkurrenz hart ist. Vor allem die Evergreens sind nur schwer aus den gut geölten Kehlen der Bierbank-Chöre zu bekommen. „Ich stehe vor allem auf Udo Jürgens: Ich war noch niemals in New York“, verrät Kinseher: „Dicht gefolgt vom Kuftstein-Lied und Oans, zwoa, g’suffa. Das wird total unterschätzt.“

Ganz generell, so die Kabarettistin, gebe es auf der Wiesn ja sowieso keine schlechte Musik. „Weil nach der dritten Maß jedes Lied schön ist.“ Zum Üben finden die Fans auf Kinsehers CD gleich drei Varianten von „Geh ma no wo nei“: die Radio-Version, die Live-Version und die Long-Version. Na dann Prost!

Andreas Beez

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