Täter muss in die Psychiatrie

Verwechslungs-Mord: Die Tränen der Witwe

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Erika Enzesberger trauert um ihren ermordeten Mann Josef.

München - Im Herrschinger Verwechslungs-Mord fiel am Donnerstag das Urteil: Der Täter muss in die Psychiatrie. Die Witwe des getöteten Josef Enzesberger weinte am letzten Prozesstag bitterlich.

Staatsanwalt Florian Schweyer erinnert an schreckliche Szenen. Jene Szenen, die sich am 8. Januar 1996 in Herrsching zutrugen. Die Weihnachtszeit sei zu Ende gegangen, die Schüler seien wieder aufgebrochen. „Und auch Josef Enzesberger bricht auf – und kurz darauf zusammen. Tödlich getroffen von vier Schüssen.“ Schweyer geht Schuss für Schuss durch. Als Erika Enzesberger das hört, bricht sie in Tränen aus. Die Witwe von Enzesberger weint bitterlich. Das berichtet der Münchner Merkur.

Täter Klaus G.

18 Jahre lebte Erika Enzesberger in Ungewissheit. Voriges Jahr offenbarte sich der Täter Klaus G. (65) einem Arzt. Im Prozess vor dem Schwurgericht wurde der Fall nun aufgeklärt. Am Donnerstag spricht das Gericht das Urteil: Der psychisch kranke G. wird in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen – das Gericht sieht die Gefahr weiterer Straftaten. Wie lang G. dort bleibt, ist ungewiss. Alle zwei Jahre wird geprüft.

Rechtlich handelt es sich um einen Mord aus Heimtücke, weil das Opfer nicht auf einen Angriff gefasst war. Allerdings: „Die Tat wurde rechtswidrig, aber nicht schuldhaft begangen“, sagt Richter Martin Rieder. Wegen G.s paranoider Schizophrenie war seine Steuerungsfähigkeit aufgehoben. G. dachte, dass der Herrschinger Polizeichef Max Enzbrunner ein Mafioso sei, der ihn töten wolle. Dem wollte er zuvorkommen. Allerdings verrutschte er im Telefonbuch zum Namen Josef Enzesberger – und erschoss den vor dessen Haustür.

G. hat den ganzen Prozess über geschwiegen. Jetzt, mit seinem letzten Wort, sagt er doch noch etwas. Er habe tatsächlich mit der Mafia zu tun gehabt. Und er habe das Gefühl gehabt, dass Enzbrunner „mit der italienischen Mafia begrenzt kooperiert hat“. Jetzt glaubt er das allerdings nicht mehr: „So wie ich Enzbrunner hier gesehen habe, schließe ich vollkommen aus, dass dieser Mann mit dem organisierten Verbrechen in Verbindung zu bringen ist. Somit habe ich mich als Handlungsgrund vollständig getäuscht.“ Die Erkenntnis kommt allerdings zu spät.

Nina Gut

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