Sie lebt noch 2 Wochen mit ihr in Wohnung

Trauriges Geständnis: Tochter schickt Mutter in den Tod

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Christine K. (41) vor dem Landgericht.

München - Christine K. spricht langsam, mit leiser Stimme. Und gesteht das Unfassbare: den Mord an ihrer eigenen Mutter. Zwei Wochen lang lebt sie sogar noch mit der Leiche weiter, als wäre nichts geschehen.

Handgeschrieben liegt der kleine Zettel vor Karin K. (70). „Ich liebe dich, Mama“, steht darauf. Tochter Christine (41) hat den Esstisch für sie gedeckt. Stellt Kerzenständer auf und hilft ihr in den Stuhl. „Sie lächelte und freute sich. Dann legte ich ihr von hinten die Wäscheleine um den Hals und zog fest zu. Wir fielen zu Boden. Ich wollte nur noch, dass es vorbei ist.“

Christine K. spricht langsam, mit leiser Stimme. Und gesteht das Unfassbare: den Mord an ihrer eigenen Mutter. Zwei Wochen lang lebt sie sogar noch mit der Leiche weiter, als wäre nichts geschehen. Seit Montag wird ihr der Prozess am Landgericht gemacht.

"Ich hatte keine Kraft, dachte täglich an Selbstmord"

„Es tut mir so leid. Ich weiß, es hätte nie soweit kommen dürfen. Ich hätte mir schon früher Hilfe holen müssen.“ Es sind die Worte einer kranken Frau. Denn bereits im Jahr 2011 leidet Christine K. unter schweren Depressionen, zum zweiten Mal. Von ihrer Lebensgefährtin wird sie verlassen, verliert den Job in einer Foto-Agentur, dazu wird ihre Wohnung zwangsgeräumt. „Meine Mutter nahm mich im November bei ihr auf. Zu ihr konnte ich immer, wenn es mir schlecht ging.“ Zu zweit leben beide in der Fasanenstraße in Unterhaching. In einer Zwei-Zimmer-Wohnung, von 200 Euro Rente. Christine K. schläft auf dem Sofa im Wohnzimmer, kellnert nebenher. Mit ihr geht es psychisch immer weiter bergab...

Laut Anklage nimmt sie ein Darlehen über 25.000 Euro auf. Da sie es nicht zurückzahlen kann, wird die Eigentumswohnung ihrer Mutter 2013 beinahe zwangsversteigert. Heimlich klaut Christine K. ihr auch Geld und Schmuck, trinkt täglich literweise Bier oder Wein. Die Belastung für die Mutter wird unerträglich, es kommt zum Streit. „Sie forderte mich auf, mein Leben in den Griff zu kriegen. Aber ich hatte keine Kraft, dachte täglich an Selbstmord. Sie konnte damit nicht umgehen.“ Angeblich schließt Christine K. daraufhin einen Pakt mit der Mutter: „Es war klar, dass wenn ich tot bin, für sie nichts mehr kommt. Ich musste ihr versprechen: Wenn ich gehe, nehme ich sie mit.“

Am 9. Februar 2014 kommt es zur Katastrophe. „Wir hatten vereinbart, dass ich mich um das Mittagessen kümmere – aber ich hatte kein Geld“, schildert Christine K. Sie fährt zum Ostbahnhof, kehrt ohne Einkauf zurück. „Ich wusste, ich kann sie nicht wieder enttäuschen.“ Deshalb erdrosselt sie ihrer Mutter am gedeckten Tisch! „Ich sagte zu ihr: ,Ich habe es dir versprochen.’ Sie wehrte sich nicht.“ Christine K. droht dafür lebenslange Haft.

Raumspray gegen den Geruch

Erst am 22. Februar 2014 deckt die Polizei den Mutter-Mord in Unterhaching auf, weil eine Nachbarin sich Sorgen um Karin K. macht und den Notruf wählt. 14 Tage hatte Christine K. einfach weiter mit der Leiche in der Wohnung gelebt!

Um 13.18 Uhr klingeln zwei Beamte. Christine K. behauptet zunächst, ihre Mutter sei im Krankenhaus. Aber sie bestehen darauf, einen Blick in die Wohnung zu werfen. Vor dem Wohnzimmer stellt sich Christine K. mit verschränkten Armen auf: „Gehen Sie da nicht rein“, fordert sie. „Warum?“, will ein Polizist wissen. Die Antwort nach zwei Minuten Stille: „Da liegt meine Mutter. Ich habe sie umgebracht.“ Ein Beamter findet die mit Tüchern bedeckte Leiche. „Der Kopf war schon schwarz, am Hals sah ich rosa Spuren. Es lag ein heftiger Verwesungsgeruch in der Luft“, sagt er am Montag aus. Unglaublich: Mit Raumspray hatte Christine K. den Gestank bekämpft. „Ich hatte ihren Tod verdrängt und so getan, als wäre nichts passiert“, erklärt sie. „Ich habe weiter für Mama gekocht und mit ihr geredet. Manchmal hielt ich ihre Hand.“ Das Gesicht ihrer toten Mutter bedeckt sie mit einem Kissen. Tagelang betrinkt sie sich. Als die Polizei Christine K. festnimmt, hat sie rund 1,7 Promille.

A. Thieme

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