Video: Die Jagd nach Michaelas Mörder

München - Der Massen-DNA-Test ist der wohl letzte Versuch, den Mörder der kleinen Michaela Eisch nach 26 Jahren doch noch zu fassen. Die Resonanz ist riesig. Die tz spricht mit dem ersten Freiwilligen.

Seit Freitagmittag sind insgesamt 2700 Männer im Alter zwischen 50 und 70 Jahren aufgerufen, an einem freiwilligen Massen-DNA-Test teilzunehmen (tz berichtete). Die Männer haben eines gemeinsam: Sie alle haben zwischen 1982 und 1985 in der Maikäfersiedlung oder in der näheren Umgebung gewohnt.

Die Resonanz auf die Einladung der Mordkommisssion war riesig: Schon eine Stunde vor dem Beginn des Massenscreenings in der Polizeisporthalle an der Führichstraße standen dutzende Münchner Schlange. Für sie war es eine Selbstverständlichkeit, ihren Speichel abzugeben. „Wer nichts zu verbergen hat, der kommt“, sagte Günter Burghart (70). „Ich geh auch zehn Mal hin, wenn sie ihn dadurch erwischen.“

Noch bis einschließlich Sonntag ­dauert der Massen-Speicheltest. Anschließend werden die Proben mit der DNA des Mörders verglichen. Diese konnte von einem Kleidungsstück des Mädchens isoliert werden. Michaela ­Eisch war am 17. Mai 1985 an der Braunauer Eisenbahnbrücke missbraucht und dann ermordet worden.

JAM

„Das Mädchen haben alle geliebt“

Schon um zwölf Uhr mittags stand Klaus Bräu (69) vor dem Gittertor an der Führichstraße. „Darf ich hier meinen Speichel abgeben?“, fragte er. Er durfte, auch wenn die größte DNA-Untersuchung der Münchner Kriminalgeschichte eigentlich erst um 13 Uhr beginnen sollte. Der Münchner brannte darauf, den Mundabstrich hinter sich zu bringen. Schließlich geht es um den Mord an der kleinen Michaela Eisch. Eine Tat, die den früheren La­geristen seit fast drei Jahrzehnten nicht loslässt. „Die Michaela war a Deandl zum Gernham.“

Und genau deshalb ist Klaus Bräu als einer der Ersten da. „Ich hab Michaela oft auf der Straße getroffen, sie wollte immer unseren Dackel, die Susi, streicheln“, erzählt er. „Ein ganz aufgewecktes Kind war sie.“ Er erinnert sich noch gut, wie er sie mit anderen Kindern von seinem Wohnzimmerfenster aus zur Schule gehen sah. „Sie hat immer die Zwergerl an die Hand genommen und ihnen gesagt, wo’s langgeht.“

Der Rentner aus der Maikäfersiedlung hat keine Sekunde gezögert, zum Speicheltest zu gehen. „Ich hab darauf gewartet. Ich bin hier, damit der Mörder endlich gefunden wird.“

Auch 26 Jahre nach dem Mord kann sich der 69-Jährige nicht vorstellen, wer die kleine Michaela so grausam umgebracht hat. „Die haben alle geliebt in der Maikäfersiedlung“, erzählt Klaus Bräu, der früher einmal Deutscher Meister im Bankdrücken war. „Das Mädchen war beliebt bei uns. Ich kann nicht glauben, dass es jemand aus der Siedlung war. Aber Menschen können sich auch verstellen.“

Als er die Polizeiturnhalle verlässt, muss er an einer langen Reihe von Männern vorbei. Auch sie sind gekommen, auch sie wollen helfen, den feigen Mörder von Michaela ­Eisch vielleicht doch noch zu fassen.

J. Mell

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