Bahn: Mit Überwachung gegen die Gewalt

München - Die Polizei registriert eine steigende Zahl von Gewalttaten im öffentlichen Nahverkehr. Das Innenministerium und die Bahn reagieren mit mehr Überwachung.

Identifizieren, stellen, vor Gericht bringen. Dieses Drei-Punkte-System von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) soll für mehr Sicherheit im bayerischen öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sorgen. Denn obwohl die Straftaten im Bereich des ÖPNV laut Kriminalstatistik im Verhältnis zu 2009 um zwei Prozent auf 16 855 zurückgegangen sind, stieg die Zahl der Körperverletzungen im selben Zeitraum um drei Prozent. Das waren 2010 1580 Fälle, viele davon unter Alkoholeinfluss. Auch wenn die Aufklärungsquote der Straftaten insgesamt bei 80 Prozent liege, bereitet Herrmann diese Entwicklung Sorgen.

Um die Zahl zu senken, wurden und werden Haltestellen, Bahnhöfe, Busse, Züge und Straßenbahnen fleißig aufgerüstet. Mit Sicherheitspersonal, Notrufsäulen und Videokameras. Bislang sind Herrmann zufolge alle 96 U-Bahnhöfe in München, 45 U-Bahnzüge, 29 Trambahnen und 185 Busse mit Kameras ausgestattet. „Weitere 300 Kameras an 41 Bahnhöfen sind für 2012 geplant“, sagt der Innenminister. Gleichzeitig begrüßt Joachim Herrmann das eingeführte Alkoholverbot in den Zügen der Münchner S-Bahn. Die Ausschreitungen rund um das „Abschieds-Saufgelage“ am 11. Dezember kurz vor Inkrafttreten des Verbotes verurteile er auf das Schärfste. An 65 Zügen waren dabei teils hohe Sachschäden entstanden, nach Angaben der Bahn belaufen sie sich auf rund 230 000 Euro.

Im Zuge der Überwachung des ÖPNV sucht Joachim Herrmann den Schulterschluss mit der Deutschen Bahn. „Ich bin froh, dass uniformierte Polizeibeamte landesweit öffentliche Verkehrsmittel kostenfrei nutzen können“, sagt Herrmann. 2010 seien Beamte, die gerade mit Bus oder Bahn unterwegs waren, in über 2000 Fällen eingeschritten.

Dennoch erhöht die Bahn in Bayern die Zahl der Sicherheitsmitarbeiter massiv. „Im Jahr 2011 von 100 Mitarbeitern auf derzeit 340“, sagt Gerd Neubeck, ehemaliger Vize-Polizeipräsident in Berlin und seit 2009 Sicherheits-chef der Deutschen Bahn. Dabei handle es sich um gut ausgebildetes Personal, das eine mindestens mehrmonatige Sicherheitsausbildung absolvieren müsse.

Insgesamt bezahle die Bahn bundesweit 160 Millionen Euro für Sicherheitsdienstleistungen, in Bayern sind es dieses Jahr rund 18 Millionen Euro. „Das trägt die Bahn alleine und wird sich nicht in den Fahrpreisen wiederfinden“, betont Gerd Neubeck.

Paradox: Mit der wachsenden Zahl der Sicherheitskräfte steigt auch die Zahl der Gewaltdelikte. Neubeck sieht den Grund dafür darin, dass mehr Personal mehr Kontrollen durchführt und dadurch auch mehr Konflikte entstehen. Die Bahn selbst fordert eine Verschärfung der Vorschriften, um Gewalt in den Zügen schon vorbeugend verhindern zu können. Bahn-Sicherheitschef Gerd Neubeck plädiert für die Einführung eines neuen Ordnungswidrigkeiten-Tatbestands für Pöbeleien und aggressives Verhalten in Zügen. „Wir wollen Menschen, die sich daneben benehmen und andere Menschen belästigen, nicht in unseren Zügen haben.“ Alles in allem sei die Bahn aber der sicherste Platz im kompletten öffentlichen Raum.

Es gibt jedoch noch einen anderen Aspekt der Sicherheit im öffentlichen Personennahverkehr. Immer wieder fallen – meist betrunkene Menschen – auf die Gleise der U- und S-Bahnen (siehe München); Zugführer können oft nicht mehr rechtzeitig bremsen. In Bayern wurden dieses Jahr fünf solcher Fälle mit Toten und Verletzten registriert. Die Bahn lehnt ein elektronisches Warnsystem zur Prävention solcher Unfälle aus Kostengründen ab.

von Patrick Wehner

Rubriklistenbild: © Kruse (Symbolbild)

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