7180 Kameras überwachen ÖPNV

Von hier aus hat die Polizei alles im Blick

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Ein Blick in die Leitzentrale.

München - Bahn und MVG haben in den vergangenen Jahren enorm aufgerüstet: 7180 (!) Kameras haben im Öffentlichen Personennahverkehr nahezu rund um die Uhr ein Auge auf Münchens Pendler .

Diese Augen sind irgendwie überall. Und das ist auch gut so. Meinen jedenfalls der bayerische Innenminister Joachim Herrmann und Münchens Vize-Polizeipräsident Robert Kopp, die am Mittwoch die neuesten Zahlen zum Thema Videoüberwachung im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) – sprich Tram und Bus, S- und U-Bahn sowie die dazugehörigen Bahnhöfe – bekanntgaben. Demnach haben Bahn und MVG in den vergangenen Jahren konsequent aufgerüstet: 7180 (!)Kameras haben nahezu rund um die Uhr ein Auge auf Münchens Pendler.

Der Erfolg hat sich nach Herrmanns Angaben bereits in der Münchner Kriminalstatistik niedergeschlagen. Demnach ist die Zahl der Straftaten im ÖPNV im Jahr 2012 auf 10 011 (gegenüber 14 245 Straftaten im Jahr 2003) gesunken. „Die Videoüberwachung stärkt das subjektive Sicherheitsgefühl und hilft, die Bürger besser vor Kriminalität zu schützen.“

Die Bombe am Bonner Hauptbahnhof habe gezeigt, dass man im ÖPNV jederzeit mit Terroranschlägen rechnen müsse. Allein schon vor diesem Hintergrund ist es für Herrmann „nicht nachvollziehbar, warum die Bahnhöfe von Augsburg, Regensburg, Ingolstadt, Fürth und Erlangen nicht mit Kameras überwacht werden.“

Das Gehirn des Münchner Verkehrs: Einblick in die Leitzentrale

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Die Kameraüberwachung gilt aber vor allem der Alltagskriminalität und ist für die Landes- und Bundespolizei ein unverzichtbares Fahndungsmittel. Erstmals rückte die Notwendigkeit der Technik ins Bewusstsein der Öffentlichkeit, als im Dezember 2007 zwei Schläger den Pensionär Bruno N. (76) im U-Bahnhof Arabellapark beinahe erschlugen. Die Kamera filmte mit. Seither wird die Videoüberwachung von den meisten Bürgern akzeptiert, von vielen sogar ausdrücklich begrüßt. Seither konnte eine Vielzahl von Straftaten vom Taschendiebstahl bishin zu schwersten Verbrechen geklärt werden. In 117 Fällen erkannten Münchner Polizisten im letzten Jahr einschlägig bekannte Täter allein aufgrund der Videobilder wieder.

 

Bayern investiert 4,9 Millionen Euro

Von den 148 S-Bahnhöfe in und um München sind 18 mit 229 Kameras ausgerüstet. In allen 96 Münchner U-Bahnhöfen stehen insgesamt 1265 Kameras zur Verfügung. Die werden nicht nur von der Polizei, sondern auch von der MVG für betriebliche Zwecke genutzt.

In 238 von 244 S-Bahn-Zuggarnituren hängen 3808 Kameras. Das entspricht einer Überwachungsquote von annähernd 100 Prozent. Aber: Nur in 108 von 576 U-Bahn-Zügen wurden 432 Kameras installiert. 58 Trams fahren mit 449 Kameras. Weitere 997 fahren in 237 MVG-Bussen mit. Dazu kommen noch einige Polizeikameras am Bahnhofsvorplatz, am Stachus und am Sendlinger-Tor-Platz. Somit laufen im Bereich des ÖPNV Tag und Nacht 7180 Kameras mit.

Der Freistaat beteiligte sich in den vergangenen Jahren mit 4,9 Millionen Euro an der Ausstattung der Münchner S-Bahn mit Videokameras. Das entspricht der Hälfte der Gesamtkosten.

In der Einsatzzentrale des Münchner Polizeipräsidiums überwachen Disponenten auf insgesamt 32 Bildschirmen die Kameras. Im Falle eines Notfalls können sie sich dazuschalten. Die Bilder der Polizeikameras werden bis zu drei Wochen aufbewahrt. Bilder aus U-Bahnzügen werden 48 Stunden, aus S-Bahnen 72 Stunden gespeichert. Die Bilder aus S-Bahnhöfen dürfen bis zu 72 Stunden, die aus U-Bahnhöfen bis zu sieben Tage aufbewährt werden.

 

Diese Fälle wurden durch Videoaufnahmen gelöst

U-Bahn: Im Herbst 2009 schlugen zwei Graffiti-Sprayer einen 22-jährigen Elektroniker am U-Bahnhof Münchner Freiheit brutal zusammen. Nachdem die Fotos der Überwachungskamera in der Zeitung landeten, ging alles ganz schnell: Zwei Tage später waren die 18 und 19 Jahre alten Täter gefasst.

Bus: Sie waren auf der Suche nach Streit und wurden im Bus fündig. Drei junge Männer griffen im April 2009 auf der Linie 52 ein Pärchen an. Ihr Problem: scharfe Kamerabilder. Eine Polizeistreife erkannte die Brüder drei Tage später auf der Straße.

S-Bahn: Am S-Bahnhof Donnersbergerbrücke kam es im Oktober 2012 zu einem Streit zwischen einem Schaffner und einem Fahrgast. Letzterer schubste seinen Kontrahenten aufs Gleis und flüchtete. Dank eines Videos wurde er trotzdem gefasst: Der Täter war ein bekannter Kellner vom Tegernsee.

 

Dorita Plange

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