Wie sie die drei aktuellen Fälle stemmen

Viel Arbeit für Münchens Mörder-Jäger

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Markus Kraus, Chef der Mordkommission (l.), bespricht sich mit seinen Kollegen.

München - Zwei Frauenmorde innerhalb weniger Tage – und dazu noch der ungeklärte, in der Ermittlung extrem aufwändige Isarmord: Die Münchner Mordkommission steckt in diesem Jahr nach relativ ruhigen Zeiten bis zum Hals in Arbeit.

30 Beamte bindet zur Zeit allein die Ermittlung im Mordfall Domenico L. (†31). Das entspricht bereits der üblichen Personalstärke des gesamten Kommissariats 11, das in diesen wilden Zeiten nun von Kollegen aus dem Dezernat und auch aus anderen Kommissariaten unterstützt werden muss.

Weitere acht Beamte ermitteln bereits seit Tagen und auch über das letzte Wochenende hinweg im ebenfalls noch ungeklärten Mord an der Witwe Inge Wittersheim (69), Sie wurde am vergangenen Donnerstag ermordet in ihrer Wohnung im Gärtnerplatzviertel gefunden. Am Montag schließlich der nächste Einatz für die Mordkommission: In Harlaching wurde morgens die zweifache Mutter Sampre B. (29) von ihrem getrennt lebenden Ehemann erstochen.

Kriminaloberrat Markus Kraus, Chef der Münchner Mordkommission: „Als früh um 8 Uhr der Anruf kam, habe ich sofort überlegt, wie wir das personalmäßig in den Griff bekommen. Ich war wirklich erleichtert, als sich der Täter freiwillig bei der Giesinger Polizeiinspektion stellte. Sein Geständnis dort hat er später bei uns wiederholt.“ Er hat der Mordkommission damit eine Menge Arbeit erspart – auch wenn alle Spuren und auch das Motiv rasch zu ihm geführt hätten. Hier lesen Sie neue Fakten zu den drei aktuellen Fällen:

Isarmord bei Aktenzeichen XY

Domenico L.

Mittwochabend bei der Sendung Aktenzeichen XY... ungelöst (20.15 Uhr, ZDF) ist die Fernsehnation aufgerufen, die Soko Cornelius (Tel. 089/2910-0) bei der Suche nach dem Mörder des italienischen Ingenieurs Domenico L. († 31) zu unterstützen. Er wurde am Abend des 28. Mai auf dem Radweg in der Erhardtstraße an der Isar erstochen. Möglicherweise gibt es noch Zeugen, die den Ernst der Situation damals nicht erkannt haben. Erst kürzlich fand die Polizei einen Zeugen aus Heidelberg, der im Mai beruflich in München zu tun hatte und den Täter am Tatort gesehen hat. Dieser Zeuge war sich damals der Tragweite seiner Beobachtung nicht bewusst gewesen. Er erinnerte sich, dass der Mörder (etwa 1,75 Meter groß, mittlere Statur, Alter unklar) einen mindestens knielangen, eventuell auch knöchellangen Mantel trug. Ungewöhnlich für einen lauen Frühlingsabend. Der Kulturstrand war gut besucht, in der Muffathalle lief ein Konzert mit der schwedischen Punk-Band Dead by April. Diese Szene liebt extravagante Kleidung. Zufall? „Wissen wir nicht“, erklärte Kraus am Dienstag. Auf den Mörder sind 10 000 Euro Belohnung ausgesetzt.

Inges († 69) letzte Stunden

Inge W.

Nach tagelangen Ermittlungen konnte die Mordkommission die letzten Stunden der Witwe Inge W. (69) nachvollziehen. Um 11.20Uhr kaufte sie am Dienstag (8. Oktober) in der Nähe ihrer Wohnung in der Corneliusstraße im Supermarkt ein. Danach hat sie niemand mehr gesehen. Am Donnerstag wurde sie in ihrer Wohnung gefunden – grausam geschlagen und erwürgt. Zu diesem Zeitpunkt war die Frau etwa zwei Tage tot. Ein Raubmord ist wahrscheinlich. Denn es fehlt Geld.

Nachbarn trauern um Sampre († 31)

Drei tiefe Messerstiche in den Rücken töteten die junge Mutter Sampre B. (31). Darum beantragte die Staatsanwaltschaft München I am Montag einen Haftbefehl wegen Mordes gegen ihren Ex-Ehemann Taifoun A. (33). Wegen mehrfacher gewalttätiger Übergriffe hatte er ein Kontaktverbot zu der Mutter seiner beiden Söhne (6 und 8 Jahre). Trotzdem lauerte er ihr immer wieder auf. Montagfrüh fing er sie im Treppenhaus ihres Wohnhauses in der Reginfriedstraße ab, stach hinterrücks zu. Sampre B. starb, bevor der Notarzt eintraf. Der Täter stellte sich noch in der gleichen Stunde der Polizei. Die Nachbarn brachten am Dienstag Kerzen ins Treppenhaus und einen rührenden Brief: „Wir wünschen den Mittrauernden eine gute Zeit in der Stunde der Dunkelheit. Mit dem Tod eines geliebten Menschen verliert man vieles, niemals aber die gemeinsam verbrachte Zeit.“

Dorita Plange

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