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So wird das Feuerwerk

"Sommernachtstraum": Der große Knall

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Die Vorfreude steht Antonio Parente ins Gesicht geschrieben: Von 17 Schwimmplattformen wird er am Samstag seine Raketen abfeuern.

München - Rund 4000 Kilo Pyrotechnik wird Antonio Parente am Samstagabend in die Luft jagen. Seit einem halben Jahr plant der Italiener das Feuerwerk für den „Sommernachtstraum“ im Olympiapark.

Am Samstag, um genau 22.20 Uhr, wird Antonio Parente einmal mit der Maus klicken. Und dann bricht die Hölle los. Die Hölle, das ist ein 35-minütiges Spektakel aus Feuer, Licht und Ton, das zehntausenden Zuschauern im Olympiapark „Aaahs“ und „Ooohs“ entlocken wird. Für das Parente seit einem halben Jahr Musik hört und vor seinem inneren Auge eine Choreographie aus Raketen, Fontänen und Flammen entwirft. Und von dem am Ende nichts als Rauch und Asche übrig bleiben wird.

Antonio Parente, 35, ist Pyrotechniker. Seit fünf Generationen entwirft seine Familie Feuerwerke, für Events in Brasilien, Kanada, Russland, China, Japan. Münchens größtes Feuerwerk ist da nicht einmal etwas Besonderes für ihn, eher so etwas wie eine Zwischenstation – zum vierten Mal plant er das Münchner Spekakel heuer. Trotzdem: Rund 4000 Kilo Pyrotechnik werden er und sein Team am Samstag in die Luft jagen, davon 1200 Kilo reines Pulver. 6000 Explosionen, 41 Flammenwerfer – das alles kostet mehr als 100 000 Euro.

Parente steht am Ufer des Olympiasees und schlürft einen Espresso. Aus einem kleinen Plastikbecher. Nicht gerade klassisch, aber naja. Wenigstens ist die Kaffeemaschine aus dem Parente-Lkw eine „Lavazza“, das macht es erträglich.

Parentes Team wuselt hektisch umher, stößt italienische Flüche aus und versucht, die Pyrotechnik unter grünen Planen vor dem Regen zu bewahren. Seit Dienstag ist Parente mit seinem 14-köpfigen Team in München, seitdem schraubt er, plant und verkabelt. In zwei Tagen muss alles fertig sein. Noch stehen die 17 Abschuss-Inseln für die Pyrotechnik am Ufer.

Aus zwei Teilen besteht das große Feuerwerk beim „Sommernachtstraum“: Das Spektakel auf dem See, das von den 17 Inseln und – erstmals – drei Türmen abgeschossen wird. Und das Höhenfeuerwerk auf dem Berg im Olympiapark, auf dem das Parente-Team vier Abschussbasen errichtet hat. Alles ist per Funk miteinander verbunden, trotzdem stehen überall noch schwarz angezogene Parente-Männer herum, falls doch irgendwas schiefgehen sollte. Aber eigentlich ist noch nie etwas schiefgegangen. Denn mit Hilfe genauer Karten plant Parente vorher bis auf 50 Zentimeter genau, wo welche Rakete explodieren darf und wo um Himmels Willen nicht.

Und alles ist perfekt auf die Musik abgestimmt. Am Besten für Feuerwerk eignet sich „la classica“, sagt Parente. „Aber das ist ist mir zu einfach“, sagt er und grinst. Stattdessen werden am Samstag Stücke laufen, die an die 40-jährige Geschichte des Olympiaparks erinnern: die Fanfare von 1972, die Hymne der Champions League, der „Stern des Südens“. Und dann die Rolling Stones, Robbie Williams, Michael Jackson. „Die Musik muss dem Feuerwerk Atmosphäre geben“, sagt Parente. Umgekehrt könne das Feuerwerk auch der Musik Emotion verleihen. Parentes Ziel ist die Symbiose von beidem. Oft sitzt er stundenlang da, hört sich die Musik an und stellt sich den Himmel dazu vor.

Die Parentes sind mittlerweile kein kleines Team aus Feuerwerks-Planern mehr, sondern ein international agierendes Unternehmen mit 50 Mitarbeiten. In ihrer Fabrik in dem kleinen italienischen Dorf Melara stellen sie ihre eigenen Feuerwerkskörper her, etwa 70 Prozent des Spektakels im Olympiapark stammt von dort. Dass einer der größten Feuerwerksplaner aus Italien stammt, macht Sinn: „In Italien veranstaltet jedes kleine Dorf jährlich sein eigenes Feuerwerk“, sagt Parente.

Am Samstag, im Olympiapark, wird um elf Uhr alles vorbei sein. Mit 35 Minuten Dauer gehört das Feuerwerk noch zu den längeren, die Parente plant. Manchmal tüftelt er monatelang an 20 Sekunden herum. Ist das nicht ernüchternd, wenn nach wochenlanger Arbeit und hunderttausenden von Euro nach ein paar Minuten alles vorbei ist? Parente überlegt lange. „Das ist der Job“, sagt er schließlich. Und wenn diese Minuten seine Zuschauer berühren, sei es das allemal wert.

Moritz Homann

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