Polemik: Viel Spaß mit dem Intrigantenstadl

+
Kati Witt und OB Christian Ude präsentieren das Bewerbungsbuch Münchens

München - In seiner Polemik der Woche ärgert sich tz-Kolumnist Jörg Heinrich über den Bewerbungsirrsinn zur Vergabe der Olympischen Spiele 2018. Es könnte ein teures Geschenk werden.

Zugegeben: Langsam werden wir nervös! Nur noch 172 Tage – dann entscheidet das IOC, ob es München die Olympischen Winterspiele 2018 schenkt, wobei es sich zweifellos um ein relativ teures Geschenk handelt, für das der Beschenkte auch noch selber zahlen muss.

Immer drängender werden die Fragen: Hat Frau Witt mit ihrem Bittbuch eine A-Werbung abgegeben oder doch bloß eine B-Werbung? Hat Katarina so viel Erfolg wie das Land, nach dem sie benannt ist, wie Katar?

Am 6. Juli sind wir schlauer. Und ganz ehrlich: In Sachen Unterhaltungswert wäre es ein Jammer, wenn wir die Spiele nicht kriegen. In den letzten Monaten hat München bekanntlich drei neue Lieblingssportarten entdeckt: Basketball, Eishockey, Bewerben. Und über Olympia kann man ja streiten – aber das Bewerben war und ist äußerst kurzweilig. Wenn’s für 2018 nicht klappt, plädieren wir daher dafür, übergangslos mit der Bewerbung für die Winterspiele 2022 oder für sonstige Großereignisse wie die Schnitzelklopf-EM 2025 zu starten.

Beim Zeitungslesen in den letzten Wochen hat man sich ja öfter gedacht: Was gäb’s überhaupt noch zu schreiben, wenn es keine Olympiabewerbung gäbe? Jeden zweiten Tag eine Pressekonferenz, auf der zum Beispiel Pattex als offizieller Kraftkleber von München 2018 vorgestellt wurde. Dazu der Garmischer Intrigantenstadl, gegen den die Ewings aus Dallas als harmoniesüchtig dastehen. Das darf nicht am 7. Juli plötzlich alles vorbei sein!

Entweder wir streiten uns ab dann über die Details der Austragung – oder wir bewerben uns gleich wieder von vorn! Zumal wir uns sicher sind: Die Kati Witt kriegt man auch für Olympia 2022 optisch noch mal so hin, dass die IOC-Greise begeistert dastehen. Erst für 2026 wird es eng, dann muss Lena Neuner ran. Außerdem ist so eine Bewerbung günstiger, als man denkt: 30 Millionen Euro – das sind gerade mal 3,3 Schweini-Jahresgehälter, das geht sich leicht noch mal aus für 2022. Bis dahin könnte man auch an den Schwächen der Münchner Bewerbung arbeiten.

Als demokratischer Rechtsstaat mit lästig freier Presse hat man’s natürlich nicht leicht beim IOC, dem Weißrussland des Weltsports, aber wir geloben Besserung! Uns im Kolumnenhochhaus hat das Bewerben jedenfalls viel Spaß gemacht. Und nicht nur uns. Immer mehr junge Menschen schicken statt einer Bewerbung mittlerweile ein „Bid Book“ an potenzielle Arbeitgeber. Und im Gottesdienst ist immer öfter zu hören: „Wir bidden dich, erhöre uns.“

Ob wir die Winterspiele 2018 kriegen, weiß kein Mensch, angeblich hat Südkorea ein bestechendes Konzept vorgelegt. Und Sie wissen ja: „Vor Gericht und beim IOC ist man in Gottes Hand.“ Aber bei einem Scheitern am 6. Juli muss gelten: Die Hallenschnupftabak-WM 2019 und Winterolympia 2022 stehen vor der Tür. Das Bewerben darf nicht sterben!

Jörg Heinrich

Auch interessant

Meistgelesen

Mann droht mit Bomben: Großeinsatz in München und Ingolstadt
Mann droht mit Bomben: Großeinsatz in München und Ingolstadt
Jetzt bestätigt: Dieser Flagship-Store kommt bald in die Innenstadt
Jetzt bestätigt: Dieser Flagship-Store kommt bald in die Innenstadt
Reiter und Herrmann verteidigen zweite Stammstrecke gegen 650 Gegner
Reiter und Herrmann verteidigen zweite Stammstrecke gegen 650 Gegner

Kommentare