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So viel zahlen Sie für Münchens Wohnungen

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Wohnen in München ist jetzt so teuer wie in Starnberg. © Kruse

München - Seit fast fünf Jahren kennen die Mieten in München nur eine Richtung: steil nach oben. Darum verzeichnet der neue Marktbericht des Immobilienverbandes IVD eine gute Nachricht. Die Preise bleiben gleich!

„Das ist eine Trendwende“, sagt IVD-Institutsleiter Prof. Stephan Kippes. „Hier sind zunächst auch keine großen Sprünge zu erwarten.“ Bevor Jubel ausbricht: Die Münchner müssen noch immer Rekord-Beträge hinlegen. Dagegen fallen im Rest des Freistaats die Mieten deutlich – auch im Speckgürtel und unseren Nobel-Vororten. Wohnen in der Stadt ist jetzt so teuer wie in Starnberg!

Die Ursache für die Trendwende in München sehen die Experten und Makler bei den Mietern: Die Münchner warten ab mit größeren Wohnungen, die Familien verschieben den lang geplanten Umzug – auch wenn Nachwuchs zur Welt kommt, und junge Paare wollen lieber später zusammenziehen. Ihnen allen fehlt derzeit das Geld oder die Hoffnung. Die Stichworte lauten: Krise, Job-Abbau, Kurzarbeit.

Darum locken auch die Konzerne immer weniger hochbezahlte Leute mit sündhaft teuren Appartements auf Firmenrechnung an die Isar. „Dieser Markt ist zusammengebrochen“, berichten Makler. „Das nimmt den Druck aus dem Kessel in München“, sagt Marktforscher Kippes. Des Maklers Leid ist eben des Münchners Freud.

- Gute Altbauwohnungen kosten in der Stadt im Schnitt immer noch 13 Euro pro Quadratmeter kalt. Im Rest des Freistaats werden statt der 6,80 Euro des letzten Jahres jetzt nur noch 6,50 Euro fällig. Die Münchner zahlen doppelt so viel wie alle anderen Bayern – so weit waren Stadt und Land noch nie auseinander! Auch in den anderen großen Städten Bayerns kostet das Wohnen selten mehr als 7 Euro.

- Die mit weitem Abstand meisten Münchner wohnen in Bestandswohnungen mit einem Baujahr ab 1950. Zu dieser Gruppe gehören 597.847 aller 742.820 Appartements der Stadt. Ihre Mieten liegen weiter stabil bei 12 Euro pro Quadratmeter kalt, das ist jetzt genauso viel wie im noblen Starnberg! Am großen See fiel der Preis nämlich um 70 Cent auf 12 Euro. Bayernweit müssen die Menschen 7,10 Euro berappen, 20 Cent weniger als 2008.

- Glücklich, wer sich eine Neubauwohnung leisten kann: In der Stadt kosten die 13 Euro pro Quadratmeter kalt. Bayernweit fiel die Miete um 30 Cent auf 8 Euro.

- Deutliche Zuschläge und neue Rekorde gibt es dagegen bei Häusern zur Miete: Für ein Reihenmittelhaus mit 100 Quadratmetern kalt verlangen Vermieter 1550 Euro, der Neubau zu 125 Quadratmetern schlägt mit dem neuen Spitzenbetrag von 1650 Euro zu Buche! Im Rest des Freistaats liegen die Preise um 900 Euro.

- So richtig teuer sind die Doppelhaushälften: Mit 125 Quadratmetern machen sie gebraucht schon 1850 Euro, neu und mit 140 Quadratmetern sogar 2200 Euro! Bayernweit kosten sie um 1100 Euro.

Die weitere Entwicklung sehen die Experten kritisch: Viele Münchner hätten ihre Umzüge nur aufgeschoben. Wenn sie die nachholen und die Konjuktur wieder anspringt, könnte es zur Miet-Explosion kommen! Darum müssten unbedingt noch mehr neue Wohnungen entstehen. Langfristig ist der Platz in der Stadt allerdings ­begrenzt. IVD-Vorstand Günther Güntling warnt darum: „Es wird dramatisch werden.“

David Costanzo

Ein Streifzug durch den Münchner Untergrund

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