Babys fordern Kliniken und Hebammen heraus

München ist top beim Kinderkriegen

München - In München werden weiter fleißig Kinder auf die Welt gebracht. Zum achten Mal in Folge steigt heuer die Zahl der Geburten. Erstmals seit über vier Jahrzehnten wird die 16.000er-Marke wieder geknackt. Das bringt aber auch Probleme für Kliniken und Hebammen mit sich.

Die Kinderlein kommen – und zwar reichlich: 15.313 Babys kamen heuer von Januar bis November in der bayerischen Landeshauptstadt zur Welt. München macht es der Restrepublik vor wie es geht mit dem Kinderkriegen. Rein statistisch gesehen natürlich.

Seit Jahren setzt die Münchner Geburtenrate eine Rekordmarke nach der anderen, während man sich bundesweit eher in homöopathischen Dosen vermehrt. Gesamtdeutschland vermeldete 2013 ein Plus von mageren 1,3 Prozent – umgerechnet 682.100 neue Baby-Bundesbürger. München hingegen arbeitet sich langsam aber sicher an den geburtenstärksten Jahrgang der Stadt im Jahr 1966 ran: 17 280 Babys waren es damals.

Heuer kamen übrigens die meisten Kinder im September zur Welt (1697 Geburten), der fruchtbarste Stadtteil ist dabei Neuhausen/Nymphenburg mit 1157 Geburten. Geht man von 1300 Babys pro Monat im Mittel aus, kommt die Landeshauptstadt in diesem Jahr geschätzt auf 16 600 neue Münchner Kindl. Zum Vergleich: 2013 erblickten 15 951 Babys bei uns das Licht der Welt.

Für eine Stadt, in der noch immer Kinderkrippen-Notstand herrscht und auch der Wunschkindergarten nicht immer zu haben ist, ist dies auch eine Herausforderung. Es wird schwieriger, das Kind in der ausgesuchten Wunschklinik zur Welt zu bringen. „In Einzelfällen kann es sein, dass Mütter abgewiesen werden“, beklagt CSU-Stadtrat Hans Theiss.

Tatsächlich ist das schon vorgekommen: Die beliebte Frauenklinik an der Maistraße etwa musste schon werdende Mütter weiter schicken, zu allem Überfluss ist das „Münchner Geburtshaus“ wie berichtet von der Schließung bedroht, weil der Mietvertrag zum 1. Juli gekündigt wurde.

Eine Situation, die die CSU-Fraktion mit Sorge betrachtet. Sie hat deshalb eine entsprechende Anfrage an Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) formuliert. So wollen die Stadträte Reinhold Babor und Hans Theiss wissen, ob „die geburtshilfliche Versorgung mit der Geburtenrate Schritt gehalten hat“, und „wie oft Mütter abgewiesen werden mussten“.

Eine Antwort steht noch aus, jedoch scheint die Sorge angesichts der steigenden Geburtszahlen nicht aus der Luft gegriffen. In vielen Kreißsälen jedenfalls fehlen Hebammen. Einer der Gründe dafür sind die bislang hohen Kosten für die Haftpflichtversicherung, die jede freiberufliche Geburtshelferin zwingend abzuschließen hat. Um die 5000 Euro muss eine Hebamme derzeit per annum an die Versicherung zahlen. Für einige zu viel, sie hängten den Beruf an den Nagel. Immerhin ist hier eine Besserung in greifbarer Nähe: Diese Kosten können die Geburtshelferinnen nun ab 1. Juli 2015 an die Krankenkassen weiterreichen. Dafür sorgt das neue „Versorgungsstärkungsgesetz“, welches das Bundesministerium für Gesundheit unter Hermann Gröhe (CSU) auf den Weg gebracht hat.

Astrid Gießen, Vorsitzende des Bayerischen Hebammen Landesverbandes, freut sich über die neue Regelung: „Das ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Die Kosten einer Hebamme sinken dadurch mit einem Mal um 20 Prozent.“

Dem schließt sich auch Maria Jacobi, Beauftragte für Gremienarbeit des Bayerischen Hebammenverbandes, an: „Damit haben die Hebammen eine große Sorge weniger.“ Doch angesichts stetig steigender Geburtszahlen warnt sie vor dem weiteren Rückbau von Kreißsälen: „Die räumlichen und personellen Kapazitäten müssen dringend erweitert werden!“ Immerhin kann sie etwaige Notfälle beruhigen: „Sollten deutliche Anzeichen vorhanden sein, dass eine Frau sehr bald ihr Kind zur Welt bringt, wird jede Klinik noch einen Platz finden.“ Jedoch: „Es sind auch schon Kinder im Flur hinter einem Paravent geboren worden.“ Das viel größere Wachstumsproblem hat München auf einer anderen Ebene. Immer mehr Menschen wandern zu. Allein im ersten Halbjahr 2014 waren es 10 600. Im Jahr 2030 werden laut dem Planungsreferat der Stadt 1,65 Millionen Menschen hier leben.

Andere Berechnungen des Planungsreferats gehen angesichts des sehr dynamischen Bevölkerungswachstums sogar von 1,77 Millionen Menschen aus. Derzeit sind es knapp 1,49 Millionen. Das hat nicht nur für Kliniken folgen, sondern vor allem für den ohnehin überhitzten Wohnungsmarkt und den öffentlichen Nahverkehr, der seine Kapazitätsgrenzen erreicht hat. Bekannte Probleme, für die es Lösungen zu suchen gilt.

Andrew Weber

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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