Das große Herz der tz-Leser

Vielen Dank für Ihre überraschenden Spenden!

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Nach dem tz-Bericht lud Doris Rätsch (li.) die hilfsbedürftige Rentnerin Elfriede Moosmann zum Shoppen ein.

München - Wir als tz möchten heute auch stellvertretend für alle Bedürftigen aus tiefstem Herzen Danke sagen: Wir sind stolz, solche Leser zu haben.

Die Not lebt mitten unter uns: Senioren, die vor Armut bei der Obdachlosenhilfe essen. Nachbarn, die brutal ausgeraubt werden. Obdachlose, die sich keine Wohnung mehr leisten können. Kranke, Menschen mit Behinderung, Flüchtlinge. Die tz berichtet viel über diese Schicksale: Weil wir auch die dunkle Seite unserer ach so reichen Stadt beleuchten wollen. Weil sich die Dinge nur dann ändern können. Und weil wir wissen, dass die Menschen, die uns ihr Schicksal erzählen, oft schnell Hilfe bekommen. Praktisch jeder

Bericht löst eine Welle der Hilfsbereitschaft unter unseren Lesern aus: Viele von Ihnen nehmen Anteil, spenden Geld oder schicken Hilfsmittel. Heute berichten wir über drei Beispiele, drei Lichter in der Dunkelheit, die Sie wirklich bedürftigen Münchnern angezündet haben. Drei Lichter der Hoffnung. Wir als tz möchten heute auch stellvertretend für alle Bedürftigen aus tiefstem Herzen Danke sagen: Wir sind stolz, solche Leser zu haben.

Ab zum Einkaufen ins OEZ!

Das Schicksal hat Elfriede Moosmann (65) nie verschont: Die Mutter begeht früh Selbstmord, sie selbst erleidet einen Unfall und muss mit 47 als Altenpflegerin aufhören, im Alter kommt die Glasknochenkrankheit – und die Armut. Am Monatsende bleibt ihr praktisch nichts von den 500 Euro Rente und 180 Euro vom Sozialamt. Doch heuer gab es einen kleinen Lichtblick: Der tz-Bericht über ihre dramatische Lage Anfang November hat unter den Lesern eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst.

„Da muss ich was tun“, hat sich etwa Doris Rätsch (68) gedacht. Und schon eine Woche später steht sie mit dem Auto bei Elfriede Moosmann in der Au vor der Tür – ab ins OEZ zum Einkaufen! Einen ganzen Nachmittag verbringen die beiden zusammen – Ratschen, Kaffee und Kuchen und vor allem shoppen! Doris Rätsch kleidet Elfriede Moosmann von Kopf bis Fuß für den Winter ein und übernimmt die Rechnung – Stiefel, Hose und einen schicken Anorak, den sie voller Stolz trägt. „Für mich kam das Christkind ein paar Wochen zu früh“, sagt Elfriede Moosmann und schwärmt noch immer von dem wundervollen Ausflug. „So verwöhnt worden bin ich noch nie!“ Auch Doris Rätsch sagt: „Es war so lustig!“ Sie und ihr Mann spenden jedes Jahr viel Geld und vor Weihnachten bescheren sie die Bahnhofsmission. „Man sollte versuchen, Spuren zu hinterlassen“, sagt die pensionierte Justizbeamtin und Mutter von drei Kindern.

Mehrere weitere Leser haben sich erkenntlich gezeigt – Elfriede Moosmann wurde zum Beispiel auch ein wunderbarer Sessel geschenkt, aus dem sie am liebsten gar nicht mehr aufstehen mag, so bequem ist der. Sie ist so dankbar und kann das alles eigentlich immer noch nicht fassen: „Dass es solche Menschen überhaupt gibt …“ Für das neue Jahr wünscht sie sich: „Gesundheit. Aber ich bin ja leider nicht gesund. Ich hoffe, dass nichts schlimmer wird …“

Stiller Engel hilft Bettler

tz-Reporter Florian Fussek (l.) überreicht Klaus Pirsch den Umschlag.

Klaus Pirsch (75) ist ganz gerührt. „Von so einem Geschenk kann man nur träumen!“, sagt er. Der stille tz-Engel hat wieder Post geschickt – mit einem ordentlichen Geldbetrag für den Bettler aus der Dienerstraße. Im August hatten wir über Klaus Pirsch berichtet – seit Jahren steht er da mit seinem Hut in der Hand und einem Lächeln im Gesicht. Der stille Engel schreibt in seinem Brief: „Der sympathische Mann imponiert mir, dass er sich mit Namen und Foto zu seiner Lebenslage bekennt.“ Immer wieder nimmt sich der oder die anonyme Leser/in den Schicksalen an, über die die tz berichtet.

Für Klaus Pirsch kommt das Geld im richtigen Moment. „Jetzt kommt im Winter die Leidenszeit“, sagt er. Selbst bei Kälte und Schnee geht er jeden Tag betteln, jeden Tag an der gleichen Stelle in der Münchner Innenstadt: „Ich brauche das Geld ja!“ Davon kauft er für sich und seine Frau warme Klamotten. Er hat in seinem Leben schon einiges mitgemacht. 20 Jahre lang war er bereits obdachlos, arbeitete dann auf einem Schiff in Bremen und in einer Fabrik. 1978 kam der gebürtige Berliner nach München, seit sieben Jahren steht er auf der Straße und ist um jeden Cent froh. „Nachdem in München mit der Bettelei so viel Missbrauch getrieben wird, sehe ich nur so die Möglichkeit, einem ,echten‘ Bedürftigen etwas zukommen zu lassen“, schreibt der stille Engel – und hat Pirsch damit einen warmen Winter geschenkt.

Raubopfer freut sich über 600 Euro

Der Schreck steckt Christa Voigt (82) noch immer in den Knochen: Mitte November ist die Rentnerin im heimischen Treppenhaus überfallen worden. Die gerade abgehobenen 600 Euro waren weg, der Täter entkam unerkannt. Mit dem mühsam zusammengesparten Geld wollte sich Christa Voigt endlich einen neuen Staubsauger kaufen.

Sie kann wieder lachen: Christa Voigt (82) bekommt von tz-Reporter Tobias Scharnagl die Spende.

Viele tz-Leser bekundeten der Witwe ihr Mitgefühl – einige schickten sogar Geld für sie in die Redaktion. So auch der „Stille Engel“, der schon häufig für Menschen spendete, denen das Schicksal übel mitgespielt hat. Über 600 Euro sind so zusammengekommen. Wenige Tage vor Heiligabend hat sich tz-Reporter Tobias Scharnagl auf den Weg nach Kirchseeon (Kreis Ebersberg) gemacht, um Christa Voigt die Geschenke zu überreichen. „Ach Gott, ist das toll. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Vielen Dank!“, freut sich Christa Voigt, während ihre runden Augen hinter den dicken Brillengläsern hervorleuchten. Lange Zeit lagen dort dunkle Schatten.

Nach dem Überfall habe sie „schon nicht mehr an die Liebe und Nettigkeit der Menschen geglaubt“. Man merkt: Vertrauen fällt der Rentnerin schwer. Als die tz-Reporter vor der Wohnung stehen, wispert sie ängstlich durch die geschlossene Tür: „Wer ist da, was wollen Sie?“ Verständlich nach den Ereignissen …

Einen neuen Staubsauger hat sie bereits, das Geld will sie nun auch ihrer Familie zugute-kommen lassen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag lädt sie Tochter, Sohn, Enkel und die beiden Ur-Enkel zum Essen ein. Ihr größter Wunsch für das neue Jahr? Den großzügigen Spendern persönlich „Danke“ sagen zu können. „Es würde mich glücklich machen, solche Menschen kennenzulernen.“

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