Vier Meter hohe Mauer quer durch die Stadt?

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Das Gutachten sieht für den Münchner Osten vier Meter hohe Mauern als Lärmschutz vor

München - Wie kommen die Münchner künftig zum Flughafen? Wie wird der Osten der Stadt an die S-Bahn angebunden? Wie werden die Bürger da leben? Teil der Lösung könnte eine vier Meter hohe Mauer sein.

Klar ist: Die S-Bahn-Linie S8 muss zwischen Zamdorf und Johanneskirchen viergleisig ausgebaut werden, um eine Express-S-Bahn zum Flughafen zu ermöglichen – mit einer Fahrtzeit von 21 statt bisher 37 Minuten ab Marienplatz. Aber wie? Im Tunnel? Eingegraben? Oder oberirdisch? Dazu gibt es ein bislang unveröffentlichtes Gutachten von Freistaat und Stadt. Und das sieht laut Rathaus-Grüne eine billige „Amtslösung“ des Freistaats vor: Die Gleise blieben oberirdisch und müssten hinter mindestens vier Meter hohen Lärmschutzwänden verschwinden! Das will Rot-Grün verhindern – doch während die SPD viel Geld in die Hand zu nehmen bereit ist, ziehen die Grünen die Bremse.

So sieht's im Stellwerk Ost aus

So sieht's im Stellwerk Ost aus

Die S 8 zum Flughafen: Mit einer neuen Trasse soll es schneller zum Airport gehen - KARTE VERGRÖSSERN

Die „Amtslösung“ würde eine Art Berliner Mauer durch München errichten: Die Strecke zwischen Zamdorf und Johanneskirchen zieht sich über rund vier Kilometer Länge. Diesseits wäre das Zentrum, jenseits liegen heute die alten Dorfkerne von Daglfing und Johanneskirchen. In Jahrzehnten aber soll dort ein neues Stadtviertel entstehen – mit Wohnungen für 10 000 Münch­ner und 2000 Jobs. Die wären vom Rest der Stadt praktisch hinter einem Wall abgeschnitten. München-Nordost …

Die Variante käme den Freistaat natürlich am billigsten. Rund 175 Millionen Euro haben die Planer bereits vor zwei Jahren veranschlagt, als sie die Strecke durch den Osten als einzig sinnvolle für den Flughafen-Express vorstellten.

Die Stadt wehrt sich dagegen. Nach der SPD haben sich nun auch die Grünen im Rathaus gegen den oberirdischen Bau ausgesprochen: „Die Amtslösung kommt nicht infrage.“ Auch die CSU und ihr Landtagsabgeordneter Markus Blume sprechen sich dagegen aus. Nur wer zahlt für den Tunnel? Der soll laut Gutachten 500 Millionen Euro zusätzlich kosten!

Bayerns Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) erklärte OB Christian Ude (SPD) bereits vor zwei Jahren: „Wer Luxuseinrichtungen will, der muss bezahlen.“ Der OB schien nicht abgeneigt.

Jetzt legt sich die SPD auf den Tunnel fest. „Das ist ein Projekt für 100 Jahre“, sagt Planungssprecherin Claudia Tausend und geht davon aus, „dass ein erklecklicher Anteil der Mehrkosten bei der Stadt hängenbleibt“. Eine halbherzige Lösung komme nicht in Frage. Die grüne Kollegin Sabine Nallinger bremst: „Bevor ein Projekt von mindestens 500 Millionen aus dem städtischen Budget bewilligt wird, müssen auch Alternativen sorgfältig untersucht werden.“ Jetzt soll erstmal das ganze Gutachten auf den Tisch.

David Costanzo

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