Brandstiftung am Schwammerlstand vermutet

Zelt fackelt ab: Feuerteufel am Viktualienmarkt?

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Das Zelt am Viktualienmarkt wurde ein Raub der Flammen.

München - Feuer am Viktualienmarkt: Ein Zelt ist in der Nacht auf Freitag in Brand geraten. Marktleute und die Polizei vermuten Brandstiftung.

Standlfrau Renate Zollner fließen die Tränen über die Wangen. Ihre Existenz, das Standl für Schwammerl aus aller Welt, Beeren, Marmeladen und Deko-Artikel auf dem Viktualienmarkt, ist in der Nacht auf Freitag abgebrannt. „Das war Brandstiftung“, da ist sich die 50-Jährige sicher. Bereits am Samstag zuvor hätten Unbekannte versucht, ihr Standl anzuzünden – aber ein Kollege von Zollner bemerkte und löschte das Feuer rechtzeitig, so dass kein Schaden entstand.

Jetzt nicht mal eine Woche später, ist das Standl (40 Quadratmeter) doch ein Raub der Flammen geworden. Die Feuerwehrler, die schnell angerückt waren, konnten nichts mehr retten. Die neue Plane, die 20 000 Euro kostete, ist zerstört, ebenso die Ware. Wie hoch der Schaden ist? Das kann Renate Zollner noch gar nicht genau überblicken.

Auch die Polizei geht von Brandstiftung aus. „Da hat es jemand hat es darauf abgesehen, uns zu vernichten“, vermutet Renate Zollner. Aber das wird er nicht schaffen, hat sich die alleinerziehende Mutter in den Stunden nach dem Brand geschworen: „Ich mache weiter, allein um meiner Kinder Willen!“

Der Stand von Renate Zollner in der vergangenen Woche

Die 25-jährige Bianca und der 30-jährige Bernd arbeiten auch beide im Geschäft der Mutter, die von Bruck in der Oberpfalz aus einen erfolgreichen Handel mit den Früchten des Waldes aufgezogen hat. Seit zwölf Jahren haben die Zollners ihren Stand auf dem Viktualienmarkt, die Chefin ist dort eine echte Größe. Unter ihren Kunden sind auch Münchner Top-Gastronomen, darunter sogar das Edel-Lokal Tantris. Außerdem hat sie ein 2011 Pilzkochbuch geschrieben, das beim Münchner Verlag Gräfe und Unzer erschienen ist und sich gut verkauft.

Dieses Foto entstand am Freitag. Die Reste des Standls sind im Container

„Alles hat wunderbar geklappt, aber jetzt haben wir Angst“, sagt Renate Zollner. Sie fühlt sich persönlich angegriffen: „Der Brandstifter muss genau gewusst haben, dass wir den Stand am 1. Januar für zwei Monate abgebaut hätten.“ Aber eines ist für sie klar: So kann es auf dem Viktualienmarkt nicht weitergehen. Deshalb fordert sie von der Stadt und der Polizei mehr Schutz für den Viktualienmarkt, „sonst geht die Markt-Tradition vor die Hunde“. Als Sofortmaßnahme stellen die Marktkaufleute außerdem einen privaten Sicherheitsdienst auf die Beine.

Bereits vor einigen Jahren waren Vandalismus und Brandstiftung ein Thema auf dem Viktualienmarkt – im Okotber 2006 war ein Blumenstand in Flammen aufgegangen.

Renate Zollner will über solche Dinge jetzt aber erst mal nicht mehr nachdenken. Sie sagt: „Wir werden trotzdem unseren Jahresabschluss feiern.“ Sie hofft, dass sie zur Wiedereröffnung im März eine neues Zelt und genug Elan hat: „Sonst hätten die Brandstifter ja erreicht, was sie wollen und uns kaputt gemacht. Das darf nicht sein!“

svs, aw

 

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