Weinhändler feiert 40. Jubiläum

Ein halbes Leben auf dem Viktualienmarkt

Walter Hoffmann (80) in seinem kleinen Laden.

München - Über 450 000 Flaschen hat er bereits verkauft und mehr als eine Million Gläser gespült! Walter Hoffmann (80) steht seit 40 Jahren hinter dem Tresen des Kallstadter Weingeschäfts. Grund genug, um zu feiern.

Er hat sein halbes Leben auf dem Viktualienmarkt verbracht! Am Dienstag gab’s die Jubiläums-Feier. Mit einem guten Tropfen – und mit einem Blumenstrauß.

Dann ging’s aber schon wieder weiter mit der Arbeit … Hoffmann ist nicht der Typ für den Ruhestand. Vor seinem Weingeschäft in der Nähe der Westenriederstraße stehen 100 Jahre alte Weinfässer – die Kolosse rollt Hoffmann höchstpersönlich jeden Morgen aus dem Geschäft und jeden Abend wieder rein.

Gelernt hat der gebürtige Münchner einst den Beruf des Kellners im Hotel Vier Jahreszeiten an der Maximilianstraße. Von dort ging es in andere Sterne-Häuser Deutschlands, die damals alle eines gemeinsam hatten. „Auf keiner Karte fehlte ein Kallstadter Saumagen Riesling Spätlese. Das brachte mich auf die Idee, diesen Wein auf den Viktualienmarkt zu verkaufen“, sagt Hoffmann.

1973 eröffnete er sein Standl auf dem Viktualienmarkt, schenkt hier seitdem Weine der Baden Württembergischen Winzergenossenschaft Kallstadter Wein aus – immer mit seiner ledernen Winzerschürze, auf dem Kopf den Hut aus Hasenfell. Aber die Geschmäcker haben sich im Laufe der Jahrzehnte geändert: „Noch vor 25 Jahren waren liebliche Weine gefragt. Heute sind die Trockenen der Renner. Die sind bekömmlicher und man kann mehr davon trinken.“

Auch das Angebot in seinem Geschäft hat sich über die Jahrzehnte geändert. Von den einst 47 Weinsorten sind heute fünf Weißweine sowie je zwei Rotweine und Sekt­sorten übrig (ab 4 Euro pro Glas). „Verantwortlich dafür ist aber nicht etwa ein verändertes Trinkverhalten, sondern die Abschaffung der Straße und der Tram, die vor 30 Jahren noch durch den Viktualienmarkt fuhr“, so Hoffmann. Denn ab diesem Zeitpunkt konnten die Marktbesucher ihre Weinkisten nicht mehr einfach in die Strassenbahn oder den Wagen laden. Aber Hoffmann hatte das richtige Näschen – er bot seinen Kunden offene Weine im Ausschank an.

Das kommt auch heute noch an. „Viele Menschen bestellen sich zwar heute über das Internet Ihren Wein nach Hause“, sagt der Münchner, der noch viele Jahre in seinem Standl verkaufen will. „Aber diesen auf dem Viktualienmarkt zu trinken, das ist und bleibt ein unverwechselbares Lebensgefühl.“

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