Gondeln sollen in 150 Metern schweben!

Seilbahn zur Messe: Weltrekord für München?

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Zur Bundesgartenschau 2005 in München schwebten schon einmal Gondeln an der Messe.

München - Hochfliegende Verkehrspläne für die Stadt: Schwarz-Rot im Rathaus fordert einen Mini-Transrapid für den Norden. Jetzt stellten Planer ihre neuen Ideen für eine Seilbahn zwischen Englschalking und Messe im Osten vor.

Die höchste Stütze soll 150 Meter hoch ausfallen – höher als das höchste Hochhaus in München und Weltrekord! Die Stadt prüft die Pläne.

Die Nachbarn waren nicht abgeneigt: Allerdings waren nur rund 30 Zuhörer zum Vortrag des Planers Thomas Kantke ins Kulturzentrum Trudering gekommen, darunter auch Ingenieure. „Die Stimmung war etwa 70 zu 30 Prozent pro Seilbahn“, berichtet Kantke.

Die Strecke ist 4,3 Kilometer lang – aber die Seilbahn würde mit fünf sehr hohen Masten auskommen. Dazwischen hängen die Seile durch.

München wächst, der Flughafen und die Messe samt Messestadt mit. Aber mit der S-Bahn braucht man eine Stunde in den Münchner Osten, zweimal Umsteigen inklusive. Eine Verbindung mit Bahn oder Tram wäre zu teuer – egal, ob ober- oder unterirdisch. Ein Bus wäre auch nicht schneller unterwegs. Kantke dachte sich: Warum nicht eine Seilbahn? Vor drei Jahren hat er die Idee erstmals präsentiert – jetzt hat er seine Pläne komplett überarbeitet.

Die Gondeln haben vor allem an Höhe gewonnen: Statt 100 Metern ragt die höchste der fünf Stützen nun 150 Meter auf. Damit wäre sie nach Olympiaturm und Kamin des Heizkraftwerks der dritthöchste Bau der Stadt. Selbst an ihrer niedrigsten Stelle schweben die Kabinen mehr als 50 Meter über dem Boden – das Wiesn-Riesenrad würde drunter passen. Zwischen Englschalking und Messe würde die Seilbahn am S-Bahnhof Riem stoppen. Gesamtfahrzeit für die 4,3 Kilometer: 10 Minuten.

Die Kosten taxiert Kantke – studierter Wirtschaftler – auf 85 Millionen Euro. Die Seilbahnen sollten in den MVV integriert werden – eine Fahrt entspräche dann einer Kurzstrecke. Der Planer glaubt an eine Eröffnung zum Fahrplanwechsel am 8. Dezember 2018, wenn die Politik mitspielt.

Aber rechnet sich das? Der Stadtrat ist skeptisch, das Planungsreferat prüft die Pläne und den Bedarf derzeit. Der frühere CSU-Stadtrat und Verkehrsexperte Georg Kronawitter hat die Idee früher für eine „Spinnerei“ gehalten. Nach dem Vortrag sagt er: „Der Plan ist es wert, ernst genommen zu werden.“

Führerloser Mini-Transrapid im Münchner Norden?

David Costanzo

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