Stückls schwerstes Stück

Umzug der Superlative in München – nach jahrelanger Arbeit öffnen sich bald über 600 Türen beim Volkstheater

Umzug im Volkstheater: Zwischen Umzugskartons steht Theater-Intendant Christian Stückl
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Theater-Umzug in München: Christian Stückl ist sichtlich stolz auf die neuen vier Wänder des Volkstheaters

Eines der beliebtesten Theater in München zieht um: ein riesiges Unterfangen. Christian Stückl, Chef des Volkstheaters bleibt trotzdem entspannt.

München - Kisten packen, Kartons schleppen, Chaos ertragen und ja nicht den Überblick verlieren. Jeder, der schon mal einen Umzug mitgemacht hat, weiß, wie anstrengend so ein Ortswechsel ist. Wie groß muss dann erst der Aufwand sein, wenn ein ganzes Theater umzieht?

Christian Stückl, Chef des Volkstheaters*, wuppt genau so einen Umzug derzeit – und wirkt dabei noch ganz entspannt. Theater um die Theaterumsiedelung? Bloß nicht – auch wenn das Unterfangen riesig ist, heißt es: den Überblick behalten! „Das geht schon“, sagt Carsten Lück.

Volkstheater München: Eröffnung im Oktober - So läuft der Umzug in die Tumblingerstraße

Beim Technik-Chef des Volkstheaters laufen seit sechs Jahren alle Fäden in Sachen Neubau zusammen. Bei ihm – wie auch bei Stückl – ist die Freude über das Geschaffte und vor allem die Vorfreude auf das neue Domizil spürbar groß.

Am 15. Oktober steht die Eröffnung an der Tumblingerstraße im Herzen Münchens* an. Am alten Standort an der Brienner Straße werden derweil noch Umzugskisten gepackt. Die Requisite räumt als Letztes ihre unzähligen Utensilien und Kostüme zusammen. Extrem wichtig ist, die Kisten detailliert zu beschriften. Damit im neuen Theater alles an die richtige Stelle kommt.

Volkstheater München: Neue Bühne, neue Technik - Chef Christian Stückl ist begeistert

„Wir können endlich alles an einem Standort unterbringen“, sagt Stückl erleichtert, als er neben den Kartons mit der Garderobe vom Erfolgsstück Brandner Kaspar steht. Klar, die 38 Jahre an der Brienner Straße will keiner missen. Auch wenn dort alles ein bisschen komplizierter war. „Wir hatten Probebühnen am Nordbad und in der Zenettistraße. Unsere Bühnenbilder befanden sich in der Stadt verteilt in Containern. Pro Aufführung mussten wir immense Lieferwege auf uns nehmen“, erklärt der 59-jährige Oberammergauer.

Im Neubau mit der roten Ziegelfassade, die sich gut ins Schlachthof-viertel einfügt, ist in den vergangenen drei Jahren das modernste Theater Deutschlands entstanden. Herzstück: die Hauptbühne mit dem fast 30 Meter hohen Turm, der sich vom Keller über neun Stockwerke erstreckt. „Im Moment arbeiten wir noch an der Bühnentechnik“, sagt Stückl. Und das Leuchten in seinen Augen lässt erahnen, wie sehr die Konstruktion ein Traum für jeden Regisseur ist.

Volkstheater München: Neubau wird eröffnet - Programm wird im September vorgestellt

Das Volkstheater München soll in der Tumblingerstraße in neuem Glanz erstrahlen.

Neben und hinter der Hauptbühne befindet sich je ein Seitenraum, verdeckt durch eiserne Vorhänge. „Dort bereiten wir weitere Bühnensets vor, die dann im richtigen Moment auf das Hauptpodium gefahren werden“, erklärt Stückl begeistert. Noch etwa zwei Wochen werden laut Technik-Chef Lück die Arbeiten an der Bühne dauern. Dann geht es für das Team darum, sich an die neuen Möglichkeiten zu gewöhnen und die Abläufe einzuüben.

Bis zur Eröffnung am 15. Oktober hängen statt der Plakate für die aktuellen Inszenierungen noch Porträts an der Hauswand. „Das sind unsere festen Ensemblemitglieder. Eigentlich sind es 22, aber einer ist nicht zu sehen, der ist zu spät dazugestoßen“, sagt Stückl mit einem Lachen. Das erste Programm fürs funkelnagelneue Theater wird am 9. September vorgestellt, bereits Ende August ist die Theaterkasse wieder besetzt.

Volkstheater-Umzug in München: Endspurt auf der Baustelle - „Wir haben uns Hilfe geholt“

Bis es losgehen kann, heißt es: Endspurt auf der Baustelle. Angesichts der Arbeit der letzten drei Jahre schnauft Lück durch. „Das war schon enorm.“ Die Zahlen sprechen für sich: So flossen 2900 Wagenladungen Beton in das neue Haus, 5000 Meter Starkstromkabel wurden verlegt. Es gibt 600 Türen! Die Nutzfläche hat sich im Vergleich zum Vorgängerbau mit 11.200 Quadratmeter fast verdoppelt, insgesamt umfasst das neue Theater knapp 26.000 Quadratmeter.

Wie man eine so gewaltige Fläche organisiert bezieht? „Wir haben uns Hilfe geholt“, verrät Lück. Mit den Umzugsprofis geht es voran, Stück für Stück ins neue Spielortglück. (Benedikt Strobach/ Nadja Hoffmann) *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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