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Volltanken? Erst in drei Wochen!

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Einmal volltanken, bitte! Wer heute seinen Heizöl-Lieferanten anruft, muss rund drei Wochen warten, bis der Tankwagen vorfährt. Die Nachfrage ist in den letzten Tagen enorm gestiegen.
Einmal volltanken, bitte! Wer heute seinen Heizöl-Lieferanten anruft, muss rund drei Wochen warten, bis der Tankwagen vorfährt. Die Nachfrage ist in den letzten Tagen enorm gestiegen. © dpa

München - Bald kommt der Winter, und noch stehen viele Heiztanks leer: Bis zu drei Wochen müssen Münchner derzeit aufs Heizöl warten.

Grund ist der günstige Ölpreis, der für die enorme Nachfrage sorgt. „Alle haben darauf gewartet, dass der Preis fällt“, erklärt Christa Berger, Buchhalterin von Heiztechnik Rupp in Trudering. Als es jetzt auch nachts kühler wurde, liefen die Telefone heiß. „Wir haben so viele Anfragen, dass wir sie gar nicht alle bedienen können“, sagt Berger. Ihre neun Kollegen werden derzeit von Kunden sehnsüchtig erwartet. Kein Einzelfall, wie eine tz-Umfrage ergab. Überall werden von den Heizöl-Lieferanten zig Sonderschichten gefahren. Doch es reicht zurzeit einfach nicht, um alle Kunden schnell zu bedienen.

Seit Juli ist der durchschnittliche Preis für Heizöl in Deutschland von brutto 98 Cent pro Liter (beim Kauf von 3000 Litern) auf 73 Cent gesunken. Bei der Grünwalder Montana Energie lag der Preis am Mittwoch allerdings bei 83 Cent. Zwar sei der Liter Heizöl in München stets rund fünf Cent teurer als im Bundesschnitt. Der im Landesvergleich aktuell sehr hohe Preis sei aber das Ergebnis der enormen Nachfrage in München, sagt Montana-Geschäftsführer Stefan Koburger.

Der extreme Bedarf an Heizöl sei ein bayerisches Phänomen, so Koburger. Weil die Preise in den vergangenen 18 Monaten permanent gestiegen seien und der vergangene Winter sehr mild war, hätten vor allem im Freistaat viele Verbraucher mit dem Kauf von Heizöl gewartet. Jetzt sind Bayerns Tanks leer, die Situation ist günstig – und die Leute kaufen Heizöl. Fast doppelt so viel wie im Vorjahresmonat hat Montana im September ausgeliefert, im Oktober werden es 50 Prozent mehr sein als 2007.

Trotz der Lieferengpässe müsse aber niemand Angst davor haben, plötzlich im Kalten zu sitzen: Laut Koburger werden Kunden mit leeren Tanks bevorzugt behandelt: „Wir versorgen sie innerhalb von 24 Stunden.“ Sobald die große Nachfrage abnimmt, könnte der Preis für Heizöl weiter sinken.

Mit Liefer-Engpässen müssen sich die Erdgas-Kunden (jeder zweite Haushalt in München wird mit SWM-Gas beliefert) nicht beschäftigten. Sie treibt viel mehr die Frage um: Steigt der Gaspreis erneut? Zumindest in diesem Jahr wird nicht noch einmal an der Gebührenschaube gedreht. Was dann passiert, ist noch völlig offen. Stadtwerke-Sprecher Christian Miehling: Wir warten die weitere Entwicklung der Beschaffungspreise ab.“

René Seebacher

Soll man jetzt Heizöl bestellen?

Wie wird sich der Heizölpreis in den nächsten Wochen entwickeln?

Heino Elfert, Herausgeber des Energie-Informationsdienstes: Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Preise niedrig bleiben. Sobald die derzeit hohe Nachfrage zurückgeht, könnte Heizöl sogar noch billiger werden.

Also jetzt nicht überhastet einkaufen?

Ich empfehle, abzuwarten und jetzt nur Teilmengen zu kaufen. Mit dem Risiko, dass die Preise doch wieder steigen, muss man halt umgehen.

Welchen Preis bezahle ich, wenn ich heute bestelle und erst in drei Wochen beliefert werde?

Es gilt der Preis bei Bestellung. Wer also drei Wochen warten muss, und die Preise steigen, hat ein gutes Geschäft gemacht. Im umgekehrten Fall ist das natürlich ärgerlich.

Diesel ist jetzt teurer als Benzin

Das hätte bis vor Kurzem keiner gedacht: Diesel ist mittlerweile teurer als Benzin. An Münchner Tankstellen zahlte man am Mittwoch teilweise vier Cent mehr als für normalen Sprit. Woran das liegt, weiß Heino Elfert vom Energie-Informationsdienst: „Im Herbst ist die Nachfrage groß, und dazu kommt die Knappheit der Raffineriekapazitäten.“ Wie Heizöl gehört auch Diesel zu den Mitteldestillaten, die in weltweiten Raffinerien hergestellt werden. Da die Kapazitäten in den Raffinerien zu knapp bemessen sind, steigt der Diesel-Preis. „Es sind die Raffinerie-Gesellschaften, die die Preise hochtreiben.“

Quelle: tz

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