Das bewegte Leben des Oberhäuptlings der Spaß-Guerilla, Fritz Teufel

Vom Revoluzzer zum Radlkurier

Er galt als der Oberhäuptling der Spaß-Guerilla in Berlin und München – Fritz Teufel.

Der 1943 in Ludwigsburg geborene Revoluzzer gründete zusammen mit Dieter Kunzelmann und drei Frauen in West-Berlin die „Kommune 1“, die die „sexuelle Befreiung von der Kleinfamilie“ propagierte.

Er wurde Anfang 1967 erstmals verhaftet, als er bei einem Tütenwerf-Training von der Polizei beobachtet wurde, das ihm als „Vorbereitung eines Attentats auf den US-Vizepräsidenten Hubert Humphrey“ (der kurz darauf Berlin besuchte) ausgelegt wurde.

Später stellte sich heraus, dass die vermeintlich scharfen Wurfgeschosse nur Pudding und Mehl enthielten. Am Tag nach Humphreys Besuch wurde er wieder freigelassen.

Wegen seines provokanten Auftretens wurde Teufel anschließend mehrfach in U-Haft genommen. Legendär bis heute ist sein Ausspruch vor dem Berliner Kammergericht, als er bei Erscheinen des Richters sitzen blieb und zum „Erheben Sie sich!“ aufgefordert wurde. Teufel stand auf und sagte: „Ja, wenn’s denn der Wahrheitsfindung dient.“

In München zelebrierte der bärtige Provo gerne Happenings, fuhr auf einem Fahrrad mit einem brennenden Adventskranz auf dem Kopf durch die Uni-Mensa oder stürmte die Bar des Luxus-Hotels Bayerischer Hof und forderte „Freien Whiskey für Alle“!

Als er im Schwabinger Szene-Lokal Seerose (in der Feilitzschstraße) „aus politischen Gründen“ nichts zu essen bekam, schnappte er sich den Teller eines Gastes und warf den servierten Leberkäs mit Spiegelei an den Kopf des Wirtes. Daraufhin erhielt er in den meisten Kneipen Schwabings Lokalverbot.

Doch dann wurde es ernst: Wegen angeblichen „Herstellens von Brandsätzen“ wurde er in München zu zwei Jahren Knast ohne Bewährung verurteilt – obwohl keinerlei Beweise vorlagen. Später (1980) wurde er als angeblicher Entführer des Berliner CDU-Vorsitzenden Peter Lorenz ins Gefängnis gesteckt, obwohl Teufel nachweisen konnte, dass er zum Zeitpunkt der Tat in einer Fabrik in Essen (NRW) gejobbt hatte.

Der CSU-Politiker Peter Gauweiler, mit dem Teufel seit Studentenzeiten befreundet ist, sagt heute: „Der Fritz war ein Opfer der Justiz.“ Als Gauweiler heiratete, schickte ihm Fritz Teufel einen handschriftlichen Glückwunsch-Brief. Gauweiler: „Das hat mich echt berührt.“ Später trafen sie sich in Berlin zum Abendessen. Und der schwarze Peter stellte dem schwarzen Anarcho die Frage aller Fragen: „Fritz, hat sich das alles wirklich gelohnt?“ Teufel blickte ihn ratlos an und schwieg.

„Da Deifi“, wie ihn die Münchner „Boykott-Wirte“ nannten, schlug sich nach dem Finale der APO als Radl-Kurier durch. Heute lebt er im Alter von 64 Jahren schwer erkrankt in Berlin. Das Ende einer Spaß-Guerilla…

Quelle: tz

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