Ungewöhnliche Kioske in München

Vom Schmuddelklo zum Eispalast

+
Eisdesigner Thomas Bartu (66) will den Eiskiosk am Holzplatz spätestens im Frühjahr nächsten Jahres eröffnen

München - Der Schwabinger Eisdesigner Thomas Bartu (66) will das ehemalige Pissoir am Holzplatz (Glockenbachviertel) in einen kleinen Eispalast verwandeln. Es gibt schon weitere ungewöhnliche Kioske in München.

Damit wäre er der dritte Münchner, der einem altem Klo neues Leben einhaucht, weitere Neubelebungen sind bereits geplant (siehe unten).

„Es ist einfach ein wunderschöner Bau“, schwärmt Bartu von dem grünen gusseisernen Rondell mit rund neun Quadratmetern Grundfläche. 1901 am damaligen Holzmarkt errichtet, konnten die Knechte dort ihre Notdurft verrichten. Das Häusl entwickelte sich zum Schwulentreff, weshalb es die Stadt in den 80er-Jahren zusperrte. Seitdem fristete es ein trauriges Dasein, einmal wurde es für eine Kunstaktion wiederbelebt.

Auch die Geschichte des neuen Pächters ist exotisch. Thomas Bartu wurde mit seinem Vater als Betreiber von sieben Schuhgeschäften bekannt. „Doch ich hatte keine Lust mehr auf Schuhe, nachdem sie statt in Spanien oder Italien in Fernost hergestellt wurden“, erzählt er. Er lernte auf der Eisschule in Iserlohn das Handwerk und eröffnete vor vier Jahren in der Kaiserstraße seine eigene Eisdiele. „Wir machen nur Bio-Eis ohne Konservierungsstoffe“, beteuert Bartu. Das Eis ist der Schlager, Bartu hat mittlerweile 20 Angestellte, beliefert das Kuffler California Kitchen im Palais an der Oper und hat einen Stand bei Käfer in Bogenhausen. Jetzt kommt der Eiskiosk hinzu.

Zuvor muss das Häusl umgebaut werden: Die uralten Pissoirs kommen raus, neue Fenster für den Eisverkauf rein. „Wir verhandeln mit dem Denkmalschutz, außerdem müssen die Stadtwerke neue Leitungen verlegen“, erzählt Bartu. Deshalb schätzt er: „Vor kommendem Frühjahr wird der Eiskiosk am Holzplatz leider nicht eröffnen."

Johannes Welte

… auch in diesen Häusln weht frischer Wind

Fräulein Grüneis

Sandra (36) und Henning Dürr (43) waren die Ersten, die einem ehemaligen Klo ein zweites Leben schenkten. 2011 wandelten sie die Bedürfnisanstalt in den Kiosk Fräulein Grüneis um – grün steht für den Englischen Garten, Eis für den Eisbach. „Wir haben 55 Tonnen Schutt aus dem Haus herausgekarrt, bevor wir mit unserem Kiosk einziehen konnten“, berichtet Henning Dürr. Jetzt gibt es dort Bio-Speisen und Kaffee, Kuchen, Drinks – nebenbei wurde dieToilette, die seit 1992 stillgelegt war, wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.

Das KloHäuschen

Kunst im Klo: Für Anja Uhlig (40) kein Widerspruch – seit 2009 betreibt sie im ehemaligen Pissoir der Großmarkthalle an der Thalkirchner Straße die Galerie Das KloHäuschen. „Es ist ein etwas störrischer Ort, der aber viele Möglichkeiten bietet“, schwärmt die Programmiererin, die die Galerie als Hobby nebenbei betreibt. Was Uhlig gefällt: „Unser Publikum ist nicht versnobt, es mischt sich mit den Passanten.“ Und ab und an sitzt man bei einem Kasten Bier vor dem Klo und philosophiert über Kunst und die Welt.

Bavaria 5

Das denkmalgeschützte Tröpferlbad am Bavariaring 5 kennen viele Wiesnbesucher als willkommenes Klo auf dem Weg Richtung S-Bahnhof Hackerbrücke. Der Münchner Gastronom Klaus Völkl hat das 1894 im Stil eines antiken Rundtempels erbaute Gebäude gepachtet und will es zu einem Biertempel umbauen, in dem Augustiner Helles und Erdinger Weißbier ausgeschenkt wird, an rund 90 Sitzplätzen im Inneren und rund 100 Sitzplätzen im Freien. Die Toilette wird künftig öffentlich sein, 50 Cent Gebühr werden fällig.

Herkomer- und Elisabethplatz

Die beiden öffentlichen Toiletten am Herkomerplatz sowie Elisabethplatz waren von der Schließung bedroht. Am Elisabethplatz hatte schon das Wiener Künstler-Duo Christoph und Lollo gegen die geplante Schließung von Dutzenden Münchner Toiletten gesungen – mit Erfolg, denn das Kommunalreferat will diese beiden Klos nun als „Toiletten-Kioske“ verpachten. Am Herkomerplatz soll unter der Regie des Inhabers des Lokals Katzlmacher eine alpine Themen-Gastronomie entstehen. Auch am Elisabethplatz gibt es Interessenten.

Das sind Münchens schönste Fassaden

Das sind Münchens schönste Fassaden

Auch interessant

Meistgelesen

Neue Großmarkthalle wird 40 Millionen teurer
Neue Großmarkthalle wird 40 Millionen teurer
Schäferhund reißt Sechsjährige zu Boden und beißt zu - Halterin flüchtet
Schäferhund reißt Sechsjährige zu Boden und beißt zu - Halterin flüchtet
Bewährung für Todes-Schubser, Haft für Maxvorstadt-Schützen
Bewährung für Todes-Schubser, Haft für Maxvorstadt-Schützen
S8: Streckensperrung nach Notarzteinsatz aufgehoben
S8: Streckensperrung nach Notarzteinsatz aufgehoben

Kommentare