Frührentner gesteht: Es war alles sehr einfach

Von Krankenkasse 475 000 Euro ergaunert

Die Kosten im Gesundheitswesen explodieren. Die Krankenkassen, auch die privaten, knausern zunehmend.

Frührentner Günter T. (59), der im schönen Tessin lebte, hat seine Krankenkasse als sprudelnde Geldquelle entdeckt: Um über 475 000 betrog er den in München ansässigen Versicherungskonzern. Es war alles ganz einfach, gab er gestern vor dem Münchner Landgericht zu.

Günter T. war selbst Versicherungsvertreter gewesen. Er hatte sich ein Haus für sich und seine Familie leisten können. Asthma, verbunden mit einem Herzleiden, machten ihn 1996 erwerbsunfähig. Doch sein früherer Arbeitgeber habe sich geweigert, ihm die zustehende Rente zu zahlen. Er habe einen Prozess führen müssen, den er gewann, erzählt der Angeklagte: „Die hätten bezahlen müssen, aber sie haben nicht bezahlt. Ich habe deshalb wieder klagen müssen.“

Als er 1998 endlich einen Teil des ihm zustehenden Geldes erhalten habe, war es vorbei mit seinem schönen Haus. Das habe er in seiner Not verkaufen müssen, erzählt Günter T. Der gesünderen Luft wegen zog er mit seiner ebenfalls kranken Frau und seinem Sohn nach Cassarate in die Schweiz.

Der Kampf mit seinem früheren Arbeitgeber haben ihn mürbe gemacht, Günter T. ist wütend auf das ganze Versicherungswesen: „Die haben sich schäbig benommen!“

Da sei es ihm nicht schwer gefallen, seine private Krankenversicherung zu betrügen. Wie leicht das geht, habe er zufällig entdeckt: Die in italienischer Sprache verfassten Arztrechnungen habe seine Krankenversicherung mit der Bemerkung zurückgeschickt, er möge sie in Deutsche übersetzen. Das tat er. „Ich habe versehentlich Schweizer Franken mit Euro verwechselt“, sagt er. „Die haben das bezahlt.“

Von Sommer 2002 bis 2007 fälschte er 144 Arztrechnungen und Rezepte. Die Versicherung zahlte alles, bis der Betrug durch Zufall aufflog. Seit Dezember sitzt er in Haft. Der Prozess gegen Günter T. (Verteidiger Ulrich Ziegert) geht weiter.

Quelle: tz

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