Vor dem Diesel-Gipfel

Brief an Merkel: Das fordert OB Reiter von der Kanzlerin

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Münchens OB Dieter Reiter

Vor dem Diesel-Gipfel hat sich Münchens OB Reiter mit einem Brief an Kanzlerin Angela Merkel gewandt und vorab vier Vorschläge und Forderungen aufgestellt.

München - Am kommenden Montag wird im Kanzleramt die Frage diskutiert, wie die Belastungen durch alte Diesel-Fahrzeuge dauerhaft gesenkt werden können. Münchens OB Dieter Reiter von der SPD hat sich jetzt im Vorfeld direkt an Kanzlerin Angela Merkel gewandt - und dabei vier Vorschläge aufgestellt.

„Der Bund muss seinen Einfluss auf die Automobilhersteller nutzen und technische Nachrüstungen einfordern oder - noch besser - vorschreiben, die im Ergebnis die Emissionen der Fahrzeuge tatsächlich deutlich reduzieren“, schrieb Reiter an Kanzlerin Merkel (CDU) und deren Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) in einem Brief, der unserer Online-Redaktion vorliegt. Die Kosten dafür dürften keinesfalls den Fahrzeugbesitzern auferlegt werden, forderte Reiter weiter.

Reiter schlägt eine neue „Abwrackprämie“ vor

Außerdem schlägt der Oberbürgermeister der bayrischen Landeshauptstadt eine „Abwrackprämie“ des Bundes vor. So sollen die Autohersteller freiwillige Boni „bei der Stilllegung eines alten Diesel-Fahrzeugs“ anbieten. Reiter verwies auf die sogenannte Umweltprämie, die 2009 im Rahmen des Konjunkturpakets II eingeführt wurde und jedem, der ein altes Auto verschrotten ließ und ein neues Auto zugelassen hat, 2500 Euro garantierte.

Klimakiller? Was es aus dem Auspuff bläst 

Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Autos stoßen bei laufendem Motor giftige und klimaschädliche Stoffe aus. Deshalb hat der Gesetzgeber Grenzwerte für Kohlenmonoxid (CO), Stickoxide (NOX), Kohlenwasserstoffe (HC) und Rußpartikel (PM) festgelegt. © dpa
Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Ab September 2009 müssen Hersteller bei der Entwicklung neuer Autos die Abgasnorm Euro 5 einhalten. Seit Januar 2011 müssen auch alle neu zugelassenen Wagen Euro 5 erfüllen. © dpa
Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Konkret heißt das: Benziner dürfen zum Beispiel maximal 1 Gramm CO (Kohlenstoffmonoxid) pro Kilometer ausstoßen, Diesel nur die Hälfte. Der Grenzwert für Rußpartikel beim Diesel liegt bei 5 Milligramm je Kilometer. Übrigens, die Euro-4-Norm hatte noch das Fünffache 25 Milligramm zugelassen. © dpa
Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Anfang September 2011 wurde als Zwischenschritt die Rußmenge, die ein Auto ausstoßen darf, weiter reduziert - auf 4,5 Milligramm. © dpa
Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Ab September 2014 müssen alle neu zugelassenen Autos Euro 6 erfüllen. Diese Norm betrifft laut dem TÜV Nord in erster Linie Diesel: Der Grenzwert für Stickoxide, die neue Fahrzeugtypen mit Selbstzündern ausstoßen dürfen, wird auf weniger als die Hälfte des derzeitig gültigen Werts gesenkt - nämlich von 180 Milligramm pro Kilometer (Euro 5) auf 80 Milligramm (Euro 6). © dpa
Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Kohlenmonoxid (CO): Kohlenmonoxid ist ein Gas, das schon in geringen Mengen sehr giftig ist. Es entsteht bei der Verbrennung von kohlenstoffhaltigen Verbindungen, wenn nicht genügend Sauerstoff vorhanden ist. Die meisten Abgase entstehen im Leerlauf, also wenn ein Auto an einer Ampel wartet. Während des Fahrens wird hingegen wieder genügend Sauerstoff zugeführt und die CO-Konzentration sinkt wieder. © dpa
Stickoxide (NOX): Die Partikel sind u.a. schädlich für das Ozon. Stickoxid ist ein Sammelbegriff für Verbindungen aus Stickstoff und Sauerstoff, die besonders bei hohen Brennraumtemperaturen und -drücken im Motor entstehen. NOX war der Hauptgrund für die Erfindung des Katalysators. © dpa
Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Kohlenwasserstoffe (HC): In den Autoabgasen befinden sich neben den Verbrennungsprodukten unverbrannte Bestandteile des Benzins, wie das krebserregende Benzol, ein sogenannter "Kohlenwasserstoff". © dpa
Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Rußpartikel (PM) gelangen vor allem aus den Auspuffrohren von Dieselmotoren. Durch die Einführung der sogenannten Feinstaubverordnung wird die Kennzeichnung von Kraftfahrzeugen nach der Höhe ihrer Partikelemission bundesweit einheitlich geregelt. © dpa
Auspuff Auto Schadstoffe
Übrigens ist während der morgendlichen Rush-hour zwischen sieben und acht Uhr der Kohlenmonoxidgehalt der Luft am höchsten. Autofahrer auf stark frequentierten Pendler-Routen atmen mehr Kohlenmonoxid, Benzol und Dieselruß ein als etwa ein erwachsener Fußgänger. © dpa
Die Konzentration der Schadstoffe ist nämlich im Auto um ein mehrfaches höher als auf dem Fußgängerweg. Sie gelangen durch die Lüftung in das Wageninnere, im Stau werden von der Klimaanlage sogar die Abgase des eigenen Autos angesaugt. © dpa

Ein weiteres Mittel, zur Luftreinhaltung, könnte, so der 59-Jährige eine neue Plakettenart sein, die die bereits bestehende Umweltzone weiterentwickelt. Damit die Luftbelastung durch Stickoxide gesenkt werden kann, will Reiter eine stärkere Differenzierung bei der Kennzeichnung verschiedener Diesel-Autos. Erreicht soll damit werden, dass bei den „stark emittierenden Diesel-Fahrzeugen“ die  Zufahrt reguliert werden kann.

Für den ÖPNV soll mehr Geld bereit gestellt werden

In einem vierten und letzten Punkt fordert Reiter vom Bund „deutlich“ mehr Geld für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV). Damit soll „insbesondere in Metropolen echte Alternativen zum Auto“ angeboten werden können. Zudem erhofft sich der Münchner OB dadurch einen verstärkten und beschleunigten Ausbau des Angebots. 

Sollten sich die Schadstoff-Werte mittelfristig nicht verringern, könnte auch ein Teilfahrverbot erlassen werden. OB Reiter schließt das für die Münchner Innenstadt nicht kategorisch aus

Zu dem Gespräch im Bundeskanzleramt in Berlin treffen sich am Montag mehrere Vertreter von Städten mit hoher Stickoxidbelastung durch Diesel-Fahrzeuge mit der Kanzlerin. Gleichzeitig soll eine Expertengruppe zu den PKW-Nachrüstungen ihre Arbeit aufnehmen.

tlo/dpa

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