Die vorgetäuschte Entführung: Peter M. vor Gericht

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Nach der Spurensicherung kam der Abschleppwagen: Der Porsche von Tankstellenpächter Peter M. wurde an den Haken genommen und weggefahren.

München - Tankstellenpächter Peter M. standen die Schulden bis zum Hals, weshalb er schließlich seine eigene Entführung inszenierte. Diese Woche muss er sich vor Gericht verantworten.

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Vernehmung: Peter M. knickt ein

Er liebte seinen weißen Porsche, er liebte Fernreisen – und er lebte auch sonst gern auf großem Fuß. Tankstellen-Pächter Peter M. (48) stand deshalb das Wasser bis zum Hals. Ihn drückten rund eine halbe Million Schulden. Seine Tankstelle an der Richard-Strauss-Straße lief nicht mehr, seit der Tunnel in Betrieb war. In Panik inszenierte er seine Entführung, tauchte erst Tage später wieder auf. An diesem Freitag steht der einstige Lebemann deshalb wegen Vortäuschens einer Straftat und wegen Betrugs vor Gericht.

Vor der Bank wurde der Porsche gefunden

München: Tankstellenpächter verschwunden

Es war der 31. Januar 2011, ein Montag, gegen 7.45 Uhr: Peter M. will angeblich bei der HypoVereinsbank am Herkomerplatz in Bogenhausen Einnahmen einzahlen. Er kommt nicht zurück. Mitarbeiter suchen ihn, finden seinen weißen Porsche unversperrt vor dem Geldinstitut. An der Fahrertür: ein kleiner Blutfleck. Der Besitzer ist wie vom Erdboden verschluckt. Ehefrau und Eltern befürchten das Schlimmste. Die Suche beginnt – bis Peter M. fünf Tage später von selber wieder auftaucht. Er steigt – schmutzig und unrasiert – vor seiner Tankstelle aus einem Taxi. Festnahme!

Die zunächst ermittelnde Mordkommission hatte von Anfang an den Verdacht gehabt, dass der Kaufmann abgetaucht sein könnte. Denn der angebliche Tatort der „Entführung“ lag an einer viel befahrenen Straße, wo jedoch kein Mensch etwas beobachtet hatte. Entdeckt wurde stattdessen ein gutes Motiv fürs Untertauchen: die desolate finanzielle Lage des Tankstellenpächters. Seine Umsätze hatten unter dem Bau des Richard-Strauss-Tunnels gelitten. Seit der Fertigstellung fuhr noch ein Bruchteil der zuvor täglich 60 000 Autos an der Tanke vorbei. Peter M. erzählte bei seiner ersten Vernehmung eine wilde Geschichte: Zwei Unbekannte hätten ihn mit vorgehaltener Waffe in einen Transporter gezwungen und verschleppt. Er sei durch Pensionen im Münchner Landkreis geschleust worden und habe schließlich flüchten können.

Das Lügengebilde ließ sich nicht lange aufrecht erhalten: Unter dem Druck der Indizien gestand Peter M. einige Tage später, dass er die Entführung erfunden habe. Sein Anwalt sprach von einer „kopflosen Kurzschlussreaktion“. Der Prozess gegen den 48-Jährigen ist dank seines Geständnisses nur auf einen Tag angesetzt, möglich ist eine Bewährungsstrafe. Egal, wie das Urteil im Strafprozess ausfällt: Die Schulden des Angeklagten werden sich beträchtlich erhöhen. Die Mordkommission hat nämlich schon nach seiner Festnahme angekündigt, dass sie ihm die Rechnung für den tagelangen Polizeieinsatz zuschicken will.

sl

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