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Vorsicht am EC-Automaten: Betrügereien nehmen drastisch zu

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In München greift ein neuer, noch gefährlicherer Trick mit dem Datenklau um sich.
In München greift ein neuer, noch gefährlicherer Trick mit dem Datenklau um sich. © Michael Westermann

Ein paar Mausklicks – und schon ist das Konto leer: Deutsche Bankomaten bescheren international agierenden Kriminellen eine Millionen-Beute.

Nie zuvor wurden den Deutschen so oft die Kartendaten geklaut wie im letzten Jahr. Und der Trendpfeil zeigt steil nach oben – auch in Bayern und ganz besonders in München.

Nach Angaben des Bundeskriminalamtes stiegen die Fälle im letzten Jahr um fast 50 Prozent. 70 000 Bundesbürger waren betroffen, Schaden: 21 Millionen Euro. In Bayern wurden nach Angaben des Bayerischen Landeskriminalamtes im letzten Jahr 1363 Ermittlungsverfahren angestrengt. Zum Vergleich: Im Jahr 2005 waren es erst 296 gewesen.

54 Geldautomaten wurden zum Teil sogar mehrfach auf Datenklau umgerüstet, Elf davon standen in der Münchner Innenstadt an viel frequentierten Plätzen – eben dort, wo die EC-Kundschaft zuweilen Schlange steht. Die Drahtzieher hocken in Italien, Griechenland, Bulgarien und Mazedonien. Von dort jedenfalls wurden die Konten geplündert.

Gerade mal 15 Sekunden benötigen Profis, um an einem Bankomaten täuschend echte Aufsatz-Tastaturen und/oder winzige Kameras zur Speicherung und Übertragung der Kontendaten und Geheimzahlen anzubringen. Ein nahezu perfektes Ruckzuck-Prinzip. Die Spionage-Hardware ist lediglich mit doppelseitigem Klebeband befestigt, lässt sich blitzschnell wieder entfernen. Und der Kunde merkt nichts...

Mit den Kundendaten werden dann im Ausland Karten-Duplikate hergestellt, die an jedem Bankomaten außerhalb Deutschlands wie eine EC-Karte funktionieren. Heißt: Betroffene Konten sind binnen weniger Minuten oder Stunden leer.Und schon ist auch in München eine neue Form des Datendiebstahls aufgetaucht, die bislang nur in Italien grassierte. In zwei Münchner Geschäften wurden letztes Jahr heimlich die Lesegeräte für EC-Karten ausgetauscht. Die Inhaber waren völlig ahnungslos. Tagelang wurden so Kundendaten gespeichert. Bis die Geräte dann – randvoll mit geheimen EC-Daten – bei Einbrüchen wieder abgeholt wurden...

Erfolgsmeldungen sind eher selten. In München jedoch flog im März 2007 eine neapolitanische Kellner-Kombo auf, die bei Münchner Nobel-Italienern 53 Gäste um 50 000 Euro erleichterte. Die Betrüger hatten heimlich die Kartendaten kopiert. Die Signori wurden mittlerweile zu mehrjährigen Haftsrafen verdonnert. Und im August erwischten LKA-Fahnder eine international agierende Bande. Die acht Rumänen waren zuvor bereits in der Schweiz, in Belgien, den Niederlanden und in ihrem Heimatland in Sachen Datenklau aktiv. Münchner LKA-Fahnder kamen ihnen auf die Schliche. Jetzt sitzen alle acht in U-Haft.

So schützen Sie sich vor den gemeinen Tricks

Erst mal merkt der Kunde meist gar nichts. Und wenn er es bemerkt, ist es meist zu spät: Sicherheits-Regel Nummer eins beim Bezahlen per Karte lautet: Lassen Sie Ihre EC- oder Kreditkarte niemals aus den Augen. Notfalls müssen Sie halt den Kellner zum Lesegerät begleiten.

Am Bankomaten rät die Polizei, die Tastatur bei der Eingabe der Geheimzahl mit der Hand abzudecken. Das schützt zumindest vor Spion-Kameras. Geben Sie niemals Ihre PIN am Türöffner ein. Und suchen Sie den Bankomaten zudem immer nach Aufsatzgeräten ab. Wenn Ihnen irgendetwas komisch vorkommt: Sofort (!) die Polizei auf Notruf 110 rufen.

Am Wichtigsten ist jedoch, die Kontoauszüge zeitnah und regelmäßig auf verdächtige Abbuchungen zu kontrollieren. In der Regel bekommen die Opfer den Schaden nämlich ersetzt, wenn man rechtzeitig reklamiert und der Bank nachweisen kann, dass man zur fraglichen Zeit überhaupt nicht im Ausland war.

dop.

Quelle: tz

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