tz-Bürger­anwalt warnt

Vorsicht! Die neuen Tricks der Betrüger

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tz-Bürgeranwalt Dietmar Gaiser mit der angeblichen Rechnung der Telekom.

München - Mit diesen Maschen wollen Kriminelle an Ihre Daten und Ihr Geld: tz-Bürger­anwalt warnt vor den neuen, fiesen Tricks der Betrüger.

Ob per Brief oder als E-Mail: Betrüger wittern immer wieder ein Geschäft! Und wollen dabei vor allem an unser Geld – oder an unsere Daten. Die Verbraucherzentrale Bayern warnt vor fiesen Maschen, mit denen Kriminelle großen Schaden anrichten. Zurzeit kursieren etwa gefälschte Telefonrechnungen der Telekom im Internet, hinter denen sich ein Virus versteckt. Auch das Bundeszentralamt für Steuern warnt vor betrügerischen E-Mails, die in seinem Namen verschickt werden. Die fiesen Maschen und wie Sie sich schützen können:

Fall 1: Gefälschte Rechnungen der Telekom

Eine Telefonrechnung über 278,56 Euro! Als tz-Bürger­anwalt ist Dietmar Gaiser einiges gewohnt – trotzdem bleibt ihm glatt die Spucke weg, als er die E-Mail in seinem Posteingang entdeckt. Und tatsächlich: Die Nachricht stammt gar nicht von der Telekom. Kriminelle wollten ihm eine falsche Rechnung unterjubeln!

Die angebliche Rechnung der Telekom. Hier klicken, um das Bild zu vergrößern. 

Seit einigen Tagen kursieren die dubiosen Zahlungsaufforderungen im Netz – der angegebene Link führt angeblich zu einem pdf-Dokument mit der detaillierten Rechnung. Diesmal traf es auch den Bürgeranwalt: Die an ihn adressierte Mail sieht täuschend echt aus, geschrieben in fehlerfreiem Deutsch, mit pinkem Telekom-Logo und professioneller Signatur. „Ich habe mir gleich gedacht, dass da etwas nicht stimmt und den Anhang nicht angeklickt“, sagt Dietmar Gaiser. Zum Glück: Denn dahinter versteckt sich offenbar ein gefährlicher Computervirus.

„Bezahlen Sie auf keinen Fall die Rechnung und öffnen Sie den Anhang nicht“, warnt Frank Leibiger, Sprecher der Telekom. Dem Unternehmen ist die Masche bekannt: Immer wieder schwappen betrügerische Spam-Wellen in verschiedensten ­Varianten per E-Mail durchs Netz. Die Nachrichten mit den gefälschten Rechnungen werden seit Mitte Mai verbreitet. Öffnet man die als pdf ­getarnte Datei, installiert sich ein Trojaner auf den Computern, der von den meisten Virenscannern noch nicht erkannt wird. Welchen Schaden er anrichten kann, ist noch unklar. Leibiger: „Wir gehen davon aus, dass organisierte Online-Kriminelle hinter den E-Mails stecken.“

Verbraucher können die falschen E-Mails an zwei Kriterien erkennen: „Vergleichen Sie die Buchungsnummer im Betreff mit Ihren alten Rechnungen“, rät Leibiger. „Wenn sie nicht übereinstimmen, ist das ein Hinweis auf eine Fälschung.“ Zudem verschicke die Telekom selbst nur personalisierte E-Mails, in denen der Name des Kunden konkret angesprochen wird.

Wer übrigens ganz sicher gehen will, kann im abgesicherten Kundencenter der Telekom auf dieser Seite seine Rechnung einsehen: Der hier angegebene Rechnungsbetrag ist auf jeden Fall richtig.

Fall 2: Falsche Steuer-Seite will an Daten

Auch das Bundeszentralamt für Steuern warnt vor einer Betrugsmasche: Kriminelle verschicken im Namen der Steuer­verwaltung E-Mails an Verbraucher, die zu einer falschen Internetseite führen!

„In der Nachricht werden Verbraucher angeblich über eine Steuerrückerstattung informiert“, sagt Vera Jackowski, stellvertretende Pressesprecherin des Bayerischen Landesamts für Steuern. Wer auf den Link klickt, landet auf einer gefälschten Internetseite, die genauso aussieht wie die Website des Bundeszentralamts für Steuern! Hier wird der Verbraucher aufgefordert, persönliche Daten einzugeben – sogar die Kreditkarten- und Kontonummern werden auf der Seite erfragt!

Das Landesamt für Steuern warnt vor der Masche, mit der Betrüger sowohl schädliche Viren verbreiten als auch persönliche Daten erfragen können. „Löschen Sie solche verdächtigen E-Mails ungelesen“, rät Roland Jüptner, Präsident des Landesamts für Steuern. Die Steuerverwaltung selbst fordere niemals per E-Mail persönliche Informationen wie Steuernummern, Kontoverbindungen oder Kreditkartennummern per E-Mail und verschicke auch keine Steuerbescheide oder Rechnungen über das Internet.

Fall 3: GEZ-Masche: Post von Ganoven

Immer mehr Münchner bekommen gerade dubiose Post: Die Rechnungen stammen angeblich vom Beitragsservice der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, der 2013 die Gebühreneinzugszentrale (GEZ) ersetzte. 53,94 Euro sollen die Empfänger für den Empfang von ARD, ZDF und Deutschlandradio zahlen (tz berichtete)!

Christa Urbanisch (66) hatte diese gefälschte GEZ-Rechnung in ihrem Briefkaste.n

Auch Christa Urbanisch (66) fand einen der Abzockerbriefe in der Post. „Ich habe mich gewundert, weil mein Rundfunkbeitrag normalerweise abgebucht wird“, sagt die Münchnerin. Die Rechnungen sind perfekt gemacht, mit Logo und Überweisungsvordruck. Nur wer genau hinguckt, entdeckt den fiesen Trick: Die Kontonummer (IBAN) beginnt nicht mit DE für Deutschland, sondern CZ für Tschechien. Das Geld fließt auf ein Konto bei der GE Money Bank in Prag – offenbar sitzen hier die Betrüger.

Wer unsicher ist, fragt am besten telefonisch beim Beitragsservice nach, ob die Rechnung echt ist. Auch über einen schriftlichen Einspruch an ARD ZDF Deutschlandradio, Beitragsservice, 50656 Köln kann die Echtheit geprüft werden.

Das rät die Verbraucherzentrale

„Wer Zweifel hat, ob eine Rechnung oder eine E-Mail echt ist, sollte erst mal abwarten“, rät Tatjana Halm, Juristin der Verbraucherzentrale Bayern. Wer sicher gehen will, ob das Schreiben echt ist, sollte bei der jeweiligen Behörde direkt nachfragen. Auf keinen Fall blauäugig bezahlen. „Ist das Geld einmal überwiesen, ist es weg“, warnt Halm. Oft sitzen die Betrüger im Ausland, was die Suche erschwert. An die Adressen kommen die Kriminellen über unterschiedlichste Quellen: „Die sind gekauft oder gehackt, zudem herrscht ein reger Handel mit illegal erlangten Adressen“, erklärt die Expertin. Einen hundertprozentigen Schutz vor dieser Betrugsmasche gibt es nicht. Aber: „Entscheiden Sie bewusst, wann und wem Sie persönliche Daten preisgeben!“

Die Tricks der Daten-Hacker

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Christina Meyer

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