Angeblich gibt es Steuern zurück

Vorsicht vor diesen Abzock-Mails!

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Die Mail verspricht 233,14 Euro Erstattung. Wer auf den Anhang klickt, öffnet das täuschend echt wirkende Formular, mit dem Daten ausgespäht werden sollen.

München - Geld zurück vom Finanzamt, das nimmt man immer gerne. Doch Vorsicht: Viele Steuerzahler haben sich in den vergangenen vier Wochen zu früh gefreut, wenn sie diese frohe Botschaft per E-Mail erhalten haben.

Seit vier Wochen verschicken Betrüger massenhaft E-Mails im Namen von Finanzbehörden, um an die Kreditkartendaten der Empfänger zu kommen. Die Absender der Mails geben sich als Bundeszentralamt für Steuern oder das elektronische Finanzamt ELSTER aus. Unterzeichnet hat die neuesten der Phishing-Mails angeblich Roland Koch, ehemaliger Ministerpräsident von Hessen und jetzt Vorstandsvorsitzender des Baukonzerns Bilfinger Berger. Angehängt an die Phishing-Mails ist ein Formular im html-Format, in das die Empfänger  neben Kontonummer die Nummer der Kreditkarte, deren Verfallsdatum sowie sogar die Kartenprüfnummer eintragen sollen. Wer das getan hat, sollte die Karte sofort sperren lassen!

Achtung! Betrüger senden Mails in unserem Namen, warnt das Bundeszentralamt für Steuern.

Das Tückische: Die Mail sieht täuschend echt aus -- und wer den Anhang öffnet, sieht dort eine Kopie der echten Homepage des Bundeszentralamt für Steuern (BZSt). „Diese Aggressivität ist neu“, sagt Annika Deitmer vom BZSt. „Es ist bereits die vierte Welle dieser Betrüger-Mails binnen vier Wochen!“ Wie viele tausend solcher Mails verschickt wurden, könne sie nicht schätzen. „Aber es haben sich bereits um die 400 Bürger bei uns beschwert.“ Anfangs haben die Betrüger sogar direkt auf die echte Homepage des BZSt verlinkt. „Das hatten wir schnell abgeschaltet, deshalb verlinken sie jetzt auf eine täuschend echte Kopie unserer Seite“, ärgert sich Deimer. Da die Server im Ausland stehen, sei es bislang nicht gelungen, die Seiten abzuschalten. „Die Betrüger scheinen international zu agieren“, sagt Deimer. „Italienischen Steuerbehörden passiert zur Zeit das Gleiche.“
Auch die Bayerischen Finanzbehörden warnen vor Betrüger-Mails, die im Namen von ELSTER verschickt werden. „Wir als Steuerverwaltung fordert niemals Daten wie Kontonummer, Kreditkartennummer oder PIN per E-Mail an“, warnt Roland Jüpner, Präsident des Landesamtes für Steuern. „Dass solche Mails mit einem html-Anhang verschickt werden, ist neu“, sagt Thomas Hirl, Leiter des Fachbereichs für Cyber-Kriminalität beim Landskriminalamt. Die Computerkriminalität ist neuerdings stark angestiegen. 2011 gingen bayernweit 10 146 Anzeigen wegen Computerkriminalität ein, knapp 20 Prozent mehr als 2010. Der Schaden hat sich im Vergleich zu 2010 fast verdreifacht und lag 2011 bei knapp 30 Millionen Euro. „Die Dunkelziffer ist groß“, vermutet Hirl. Weil die meisten Phishing-Fälle nicht angezeigt, sondern die Mails einfach gelöscht werden. „Aber wir ersaufen in Anfragen von beunruhigten Bürgern“, sagt Martin Halbgewachs, LKA-Spezialist für Prävention. Er rät, verdächtige Mails nicht zu öffnen und misstrauisch zu sein: „Staatliche Behörden fordern nie Daten per Mail an.“ Aber auch bei Bestellbestätigungen, Telefonrechnungen und ähnlichem ist Vorsicht angebracht: Im Anhang kann sich Schad-Software befinden.

Susanne Sasse

Die Tricks der Daten-Hacker

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