Vorsicht! Dieses Fax kostet Sie 600 Euro

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Feinkosthändler Francesco Cerone mit seiner Frau Sandra und dem Fax, das -angeblich vom „Gelben Branchenbuch München“ kommt.

München - Es war nur ein Fax. Doch dafür soll Francesco Cerone jetzt knapp 600 Euro ­bezahlen. Der Feinkosthändler ist dreisten Abzockern auf den Leim gegangen.

 Und er ist nicht das einzige Opfer. Das Unheil nimmt seinen Lauf, als das Fax­gerät im Geschäft des 52-Jährigen an der Wörth­straße eine Seite ausspuckt. „Gelbes Branchenbuch München“, prangt darauf in großen Lettern. Darunter eine Aufforderung, die Kontaktdaten seines Geschäfts zu aktualisieren. Cerone denkt sich nichts weiter dabei. Schließlich hat er schon einen kostenlosen Eintrag bei den Gelben Seiten, dem Original-Branchenbuch.

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Also schreibt er Telefonnummer, E-Mail- und Internet-Adresse auf den Zettel und füttert sein Fax damit. Ein großer Fehler, wie sich später herausstellt. Gut zwei Monate später flattert dem Geschäftsinhaber eine Rechnung über 591,43 Euro ins Haus. „Ich war erstmal geschockt“, erinnert sich Cerone. Der 52-Jährige hat ein wichtiges Detail übersehen. Im Kleingedruckten steht: „Für die Kontaktdaten berechnen wir Ihnen 497 Euro netto jährlich.“ Dazu kommen knapp 100 Euro Mehrwertsteuer.

Als Gegenleistung soll ein Eintrag auf der so gut wie un­bekannten Internetseite mein-branchenverzeichnis.info erscheinen. „Knapp 600 Euro für einen Eintrag, den es bei den Gelben Seiten umsonst gibt?“ Für Cerone ein Fall von Abzocke. Keinesfalls will er zahlen. Doch die vermeintlichen Betrüger lassen nicht locker. Es folgen weitere Rechnungen und Mahnungen. Der Ton wird rauer. Von einem Inkassobüro ist die Rede. Zahlungsempfänger ist stets eine Firma namens TM Marketing Service. Sitz des Unternehmens: London.

Beim LKA kennt man die Masche. Schon zwölf Fälle haben die Beamten heuer registriert. „Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen“, heißt es. Das LKA rät, auch bei seriös wirkenden Schreiben auf der Hut zu sein und das Kleingedruckte immer sorgfältig zu lesen. Geht man dennoch Abzockern auf den Leim, ist der Gang zur Polizei oft der letzte Ausweg. Doch auch der erweist sich oft als Sackgasse. „Die Formulare werden immer wasserdichter“ , sagt Tatjana Neuwald, Referatsleiterin Wettbewerb, bei der IHK München. Vor Gericht habe man dann oft wenig Chancen. Auch Neuwald rät zu einem gesunden Misstrauen: „Wenn man unterschrieben hat, ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen.“ Francesco Cerone will wieder raus aus dem ­Brunnen. Deshalb hat er einen Anwalt eingeschaltet. „Ich bleibe hart.“

Tobias Gehre

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