W-Lan verzögert sich, Konzept fehlt

Münchner Schulen im Jahr 2017: Eine Internet-Wüste

+
Lernen mithilfe des World Wide Web: An vielen Münchner Schulen ist das mangels W-Lan-Anbindu ng noch nicht möglich. 

Der W-Lan-Ausbau an den Münchner Schulen dauert länger. Auch didaktische Konzepte für die Arbeit mit digitalen Medien werden erst erarbeitet.

München - Der W-Lan-Ausbau an Münchens Schulen stockt. Ende 2016 sollten alle öffentlichen Schulen drahtloses Internet haben. Weil viele aber noch ans Breitbandnetz angeschlossen werden müssen, dauert es nun bis 2022. Auch didaktische Konzepte für die Arbeit mit digitalen Medien im Unterricht werden erst erarbeitet.

Die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen ist längst von digitalen Medien geprägt – und der souveräne Umgang mit dem Internet eine Schlüsselqualifikation für viele Berufe. Doch Münchens Schulen sind eine Internet-Wüste. Moderner, computergestützter Unterricht ist vielerorts unmöglich.

Stadt war mit der Offensive ohnehin spät dran

Im November 2015 – ohnehin spät – beschloss der Stadtrat auf eine SPD-Initiative hin eine W-Lan-Offensive. Das Ziel: Innerhalb eines Jahres sollten die 160.000 Schüler an allen 339 allgemeinbildenden und öffentlichen Schulen und ihre Lehrer „von den neuen medialen Möglichkeiten an ihrer Schule profitieren können“.

Doch nach einem Testlauf winkte der städtische IT-Dienstleister „it@M“ ab. Die Computerexperten hatten den W-Lan-Ausbau mit den herkömmlichen DSL-Anschlüssen ausprobiert. Dabei hatte sich gezeigt, dass das Konstrukt nicht leistungsfähig genug war, wenn sich viele Nutzer gleichzeitig einloggten. Fazit der Experten: Ein Breitbandanschluss ist Voraussetzung für ein leistungsfähiges Internet.

2022 statt 2018

Deshalb müssen die Schulen nun auf den Glasfaserausbau der Stadtwerke München warten. Wie Schulreferentin Beatrix Zurek (SPD) dem Stadtrat heute erklären wird, muss „der Zeitplan angepasst“ werden. Heuer sollen noch 40 Prozent der Schulen ans Netz gehen, 2018 weitere 40. Von den verbleibenden 20 Prozent der Schulen sollen bis Ende 2022 jährlich weitere fünf Prozent W-Lan nutzen können.

In den Ausbau des Internets an den Schulen investiert die Stadt einmalig knapp 2,5 Millionen Euro. Dazu kommen stufenweise steigende jährliche Kosten. Wenn alle Schulen drahtloses Internet haben, belaufen sie sich auf rund 1,5 Millionen Euro im Jahr.

Auch die Lehrer müssen fortgebildet werden

Doch selbst wenn an allen Grund-, Haupt-, Real- und Berufsschulen, Gymnasien und Förderzentren leistungsfähige Internetzugänge vorhanden sind, ist das nur die halbe Miete. Sinn ergibt die Digitalisierung nur, wenn Lehrer aus- und fortgebildet werden und didaktische Konzepte vorhanden sind, wie die digitalen Medien in den Unterricht integriert und mit dem Lehrplan kombiniert werden können. Im Juli 2016 hat der Stadtrat die Entwicklung einer „Gesamtstrategie zum e-learning“ beschlossen. Acht Schulen und acht Kindertagesstätten sind in das gerade angelaufene Pilotprojekt des „Konzepts Münchner Medienbildung“ eingebunden. Im Sommer 2018 sollen erste Ergebnisse vorliegen, die das ifib – Institut für Informationsmanagement Bremen – wissenschaftlich auswerten soll.

Technische Ausstattung muss stimmen

Darüber hinaus brauchen Schulen auch die entsprechende technische Ausrüstung. 2016 hat die Stadt beschlossen, für 20,8 Millionen Euro 1916 weitere Computer-Arbeitsplätze für Lehrer und Erzieher in 830 Schulen und Kitas anzuschaffen. Im Unterricht sollen Schüler künftig auch ihre eigenen Geräte nutzen. Zwar ist das Handy in der Schule per Landesgesetz verboten, mit Ausnahmegenehmigungen dürfen die Kinder sich aber in das W-Lan einloggen. Die Schule muss jedoch die Chancengleichheit für alle sichern. Das heißt: Schülern, die selbst kein Handy oder Tablet haben, muss ein Gerät zur Verfügung gestellt werden.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) hatte im vergangenen Jahr einen Digital-Pakt zwischen Bund und Ländern angekündigt. Fünf Milliarden Euro will der Bund bis 2021 bereitstellen, um alle Schulen bundesweit mit Computern und W-Lan auszustatten: Schüler müssten „heute auch digital lernen und arbeiten können, statt nur zu daddeln“, betonte Wanka. Details werden aber gerade erst ausgehandelt.

Lehrer würden gerne, aber...

Einer repräsentativen Studie des Branchenverbands Bitkom zufolge würde jeder zweite deutsche Lehrer (48 Prozent) gerne öfter digitale Medien im Unterricht einsetzen. Ein Breitbandanschluss und W-Lan seien „die Grundvoraussetzung, um die Kreidezeit an den Schulen zu beenden“, sagt Juliane Petrich, bei Bitkom für Bildungspolitik zuständig. Für Schüler seien Smartphone und Co. längst Alltag. „Fünf Jahre sind in der digitalen Welt eine lange Zeit. Und wir haben gegenüber anderen Ländern bereits heute einen Rückstand aufzuholen.“

Auch interessant

Meistgelesen

S-Bahn: Normaler Verkehr auf allen Linien
S-Bahn: Normaler Verkehr auf allen Linien
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Sechs Orte in München, an denen wir uns aufwärmen
Sechs Orte in München, an denen wir uns aufwärmen

Kommentare