"Das war perfekt geplant"

Während Meisterfeier: Diebe räumen Laden leer

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Christine Odesser (60) zeigt das reparierte Fenster im Hinterhof der Westenriederstraße 21. Der Einbrecher stemmte das schwere Metallgitter mit gewaltigem Luftdruck aus der Mauer.

München - Mitten in der Innenstadt haben während der Meisterfeier am Samstag Diebe einen Laden lerrgeräumt. Christine Odesser, Frau des Inhabers, ist fassungslos.

Samstag, 23 Uhr: Die Meisterfeier des FC Bayern ist in vollem Gange. Die Innenstadt eine einzige Partymeile. Jubel und Fan-Gesänge überall. Ein bisschen mehr Lärm an der ein oder anderen Ecke fällt in dieser ausgelassenen Stimmung nicht auf. Das machte sich ein dreister Einbrecher zu Nutzen! Nur wenige Meter vom Viktualienmarkt entfernt erbeutete er dutzende teure Uhren aus Roman Odessers Laden.

Im Laden zerstörte der sportliche Mann in Sekundenschnelle die Plexiglasverkleidung (oben links) und schwang sich ins Fenster zu den wertvollen Uhren

Die Zielstrebigkeit, mit der sich der Einbrecher in der Westenriederstraße 21 vom Hinterhof zum Schaufenster gekämpft hat, macht Christine Odesser (60) wütend:„Das war perfekt geplant“, glaubt die Frau des Inhabers. Das Metallgitter vor dem Fenster zum Hof sprengte der Mann mit einer Art Luftkissen aus der Mauer. Das Fenster dahinter war kein Hindernis mehr. Ob ihm ein Komplize behilflich war, ist nicht klar. Den Laden stürmte er allein.

Die Überwachungskamera des Antiquitätenhändlers hat jedes Detail festgehalten: Ein sportlicher, maskierter Mann rennt in den Verkaufsraum, springt auf den Schreibtisch und reißt die Plexiglasverkleidung über dem Schaufensterkasten aus der Verankerung. Dann schwingt er sich ins Fenster, packt die Uhren und türmt. Das Ganze dauert nicht mal eine Minute. „Unglaublich! Er weiß genau, wo er hin muss“, sagt Christine Odesser. Dass er einen Alarm ausgelöst hat, stört ihn nicht. Als die Polizei wenige Minuten später am Tatort ankommt, ist er längst über alle Berge. Vermutlich hat er sich unter die feiernde Menge gemischt.

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Der Laden in der Außenansicht

Als der Anruf der Polizei Christine Odesser und ihren Mann Roman (69) zu Hause erreicht, wollten sie gerade ins Bett gehen. „Wir dachten an Fehlalarm“, erzählt sie. Im Geschäft dann das böse Erwachen: Mindestens 35 Uhren fehlen, alles ist verwüstet. „Wir haben den Laden 26 Jahre, so etwas ist noch nie passiert“, so Odesser. Gestern rechnete das Ehepaar den Schaden zusammen: „Die Uhren waren etwa 65 000 Euro wert. Der Gesamtschaden liegt aber sicher bei 100 000 Euro.“ Christine Odesser will andere Händler vor den Einbruch-Profis warnen: „Wir haben alles so gut wie möglich abgesichert, trotzdem hat es uns getroffen.“

Beate Winterer

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