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Waffen-Wahnsinn in München

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München - Rund 6500 Schusswaffen haben die Münchner in den vergangenen Monaten abgegeben – und sind damit straffrei im Rahmen der Waffenam­nestie nach dem Amoklauf von Winnenden geblieben.

Es ist einer der sichersten Räume der Stadt München – die Waffenkammer des Kreisverwaltungsreferats (KVR). Die schwere Stahltüre lässt sich nur mit einer geheimen Zahlenkombination und zwei Schlüsseln öffnen. Eine Videokamera filmt jede Bewegung. Die Stahlbetonwände des fensterlosen Raums sind nahezu undurchdringlich – im Innern der Kammern stapeln sich gut 1500 Schusswaffen. Pistolen, Revolver und Gewehre fast jeder Gattung. Viele Münchner haben in den vergangenen Monaten ihre registrierten Waffen abgegeben – und sind damit straffrei im Rahmen der Waffenam­nestie nach dem Amoklauf von Winnenden geblieben.

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Die Waffenkammer des KVR: Pistolen, Revolver und Gewehre haben der Leiter der Waffenbehörde Manfred Thalhammer (l.) und sein Kollege Albert Notter eingelagert © Westermann

Viele der Waffen sind allerdings unter abenteuerlichen Umständen bei der Behörde abgegeben worden. In Einkaufstüten, Handtaschen, Rucksäcken. „Etliche davon durchgeladen und entsichert“, sagt Manfred Thalhammer, der Leiter der Münchner Waffenbehörde. „Das war sehr problematisch.“ Angezeigt habe das KVR niemanden: „Wir sind froh um jede Schusswaffe, die uns gebracht wurde.“ Die meisten Schusswaffenbesitzer hätten ihre Pistolen und Gewehre jedoch ordnungsgemäß verwahrt zur Waffenkammer gebracht.

Insgesamt gaben die Münchner rund 6500 Schusswaffen bei Polizei, Waffenhändlern und dem KVR ab – darunter auch 97 illegale Schusswaffen. Bedeutet: Gut 2000 weitere Bürger haben jetzt keine Waffen mehr zu Hause. Die Zahl der registrierten Waffen im Stadtgebiet ist auf 57 500 gesunken. Diese verteilen sich auf jetzt 16 000 Besitzer. Davon sind rund 5000 Jäger und Sportschützen, der Rest sind Altbesitzer und Erben von Waffen.

Bayernweit sind bis zum Ende des vergangenen Jahres mehr als 19 000 Schusswaffen abgegeben worden. Dem bayerischen Landeskriminalamt (LKA) wurden von den Landratsämtern, den Polizeistationen und Waffenhändlern 5874 Faustfeuerwaffen, 6903 Gewehre, 4989 Luftpistolen und Gaswaffen, 1149 Luftgewehre, 457 Hieb- und Stichwaffen gemeldet. Ein Teil der Waffen stamme aber nicht von Bürgern, sondern von Staatsanwaltschaften und der Polizei aus Sicherstellungen und Beschlagnahmungen, sagte LKA-Sprecherin Claudia Vodermaier.

Es wurden sogar Kriegswaffen abgeliefert – 33 Maschinengewehre und Maschinenpistolen zählte das LKA. Darunter ein Sturmgewehr 44 und eine Maschinenpistole MP 40 der Deutschen Wehrmacht. Sie kommen als Raritäten ebenso wie eine der ersten Selbstladepistolen des Typs Mauser C 96 in die Waffensammlung des LKA. Auch Kuriositäten gaben die Bürger ab, wie etwa einen Spazierstock, der schießen kann.

Die Waffen werden in kleinen Lieferungen zum LKA gebracht. „Wir können etwa 100 Waffen am Tag zerlegen und haben keine große Kapazität, etwas zu lagern“, sagt Claudia Vodermaier. Die Entsorgung der Waffen werde deshalb noch Monate dauern. Dabei werden schätzungsweise 63,6 Tonnen Waffenstahl anfallen. „Der Stahl wird weiterverarbeitet, etwa zu Eisenbahnschienen.“ In der Waffenkammer im zweiten Untergeschoss des KVR werden noch für Monate hunderte Pistolen und Gewehre gelagert sein. „Wir können nur etwa 60 Waffen pro Lieferung zum LKA bringen“, sagt Münchens Waffenhüter Manfred Thalhammer.

In ganz Deutschland waren Waffenbesitzer nach dem Amoklauf von Winnenden aufgerufen worden, ihre Pistolen und Gewehre abzugeben, sofern sie keinen Nachweis eines Waffenschranks erbringen konnten.

Jacob Mell

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