So liefen die Deals im Darknet

Prozess um OEZ-Amoklauf: Waffenhändler zeigte Hitlergruß 

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Philipp K. hatte dem Amokläufer die Pistole verkauft.

Plante auch er den Massenmord – oder lieferte er nur die Waffen? Die Rolle von Philipp K. (32) beim Amoklauf ist noch nicht geklärt. Aber: Am zweiten Prozesstag kommen weitere brisante Details ans Licht.

München - Seit Montag steht Philipp K. vor Gericht. Am zweiten Tag wurden nun seine geheimen Waffengeschäfte enthüllt.

Als „Rico“ trat K. im Darknet auf. Elf Kunden verkaufte er Pistolen, Gewehre und Munition. Doch die wurden vom Zoll überwacht – so stießen Ermittler auf den Waffenhändler. Mit seinen Kunden schrieb er erst in verschlüsselten Chats, später traf er sie in einer Kölner Tiefgarage oder in der Schweiz. Nur Amokläufer David Sonboly kam nach Marburg, um die Glock 17 samt Munition zu kaufen: am 20. Mai und am 18. Juli 2016.

Über den Prozess berichten wir live aus dem Gerichtssaal. Hier geht es zum Ticker im OEZ-Amoklauf-Prozess.

Chat-Protokolle im Darknet 

In einer Bundeswehrkiste vergrub K. die Kriegswaffen später an der Autobahn in Köln. Im Verhör gab einer seiner Freunde das Versteck preis. Darin lagerten auch Maschinen-Gewehre. Zwei der Waffenkäufer wurden bereits verurteilt – überführt durch die Chat-Protokolle mit Philipp K., die Fahnder auswerten konnten. Auch im Darknet bleibt also nichts geheim!

Vor Gericht verbarg Philipp K. (32) sein Gesicht.

„Was du mit den Waffen machst, ist deine Sache“, hatte K. etwa geschrieben. „Eventuell kann ich sie dir günstiger verkaufen.“ In den Chats hatte K. nach dem Amoklauf auch seine Ängste geäußert. „Ich bin derjenige, der dem Amokläufer die Glock 17 verkauft hat. Muss jetzt für eine Weile abtauchen.“

Zeuge wird nach Aussage bedroht

Wie gefährlich der Waffenhandel ist, erklärte am Mittwoch ein Zeuge: „Ich werde dich töten. Oder Leute tun es, die ich aus dem Darknet kenne“ – so sei er vor der Aussage bedroht worden. Das Gericht berät nun, ob er ins Zeugenschutzprogramm muss.

Und will seine Aussage hören! Denn Uwe F. (34) behauptet, es gebe noch Mitwisser für den Amoklauf – und Ermittler hätten bewusst schlampig gearbeitet. Deshalb stellte er zwei Strafanzeigen: wegen fahrlässiger Tötung – und Beihilfe zum Mord.

So sei auch Philipp K. zu bestrafen, dem Ermittler rechtsradikale Gesinnung nachweisen konnten: Mit Kumpels drehte er Hetz-Videos gegen Ausländer, zeigte den Hitlergruß und schrieb „Sieg Heil“ in Chats – laut K. „normale Verabschiedungen“.

Dagegen spricht: Auf seinem Handy wurden Fotos des Amokläufers von Nizza gefunden – ihn hat er wohl verehrt. Und: In K.’s Wohnung hing ein skurriles Bild von seinem Gesicht – montiert auf den Kopf von Hitler.

Mit dieser Glock 17 hatte David Sonboly neun Menschen erschossen. Philipp K. hatte ihm die Pistole verkauft. 

Erneut drängten die Nebenkläger deshalb darauf, Philipp K. wegen Beihilfe zum Mord anzuklagen – und den Prozess zum Schwurgericht zu verlegen, wo eine lebenslange Strafe droht. Über den Befangenheitsantrag gegen Richter Frank Zimmer ist aber noch nicht entschieden. Wird der Vorsitzende abgelehnt, könnte K. sofort freikommen, weil er schon länger als ein Jahr in U-Haft sitzt.

Im Prozess um den Münchner Amoklauf fordern die Angehörigen eine gerechte Strafe – ein Anwalt macht auch dem Richter Vorwürfe.

Thieme Andreas


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