Große Koalition der Plakat-Wegräummuffel

Ist denn immer noch Wahlkampf?

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Beim Stimmenfang waren unsere Politiker eifrig. Beim Bemühen, ihre Wahlkampfspuren zu beseitigen, legen sie weniger Tatendrang an den Tag

München - Ist denn immer noch Wahlkampf? Die Abstimmung zum Bundestag ist doch schon über zwei Wochen her, doch die Große Koalition der Plakat-Aufräummuffel steht! In München wimmelt es noch von Wahlplakaten.

Dienstag in München: Herr Steinbrück strahlt in fünffacher Ausführung an der Gotthardstraße vom Plakat. Sein SPD-Parteifreund Christian Vorländer tut es ihm am Schyrenbad in der Au gleich, während Genosse Roland Fischer in der Thalkirchner Straße am Boden liegt. In der Pilgersheimer Straße in Giesing lächeln ein gewisser Herr Randhir K. Dindoyal für die FDP, Jerzy Montag für die Grünen und Peter Gauweiler für die CSU um die Wette. Auch die Bayernpartei buhlt noch um Stimmen – ja ist denn immer noch Wahlkampf? Die Abstimmung zum Bundestag ist doch schon über zwei Wochen her, doch die Große Koalition der Plakat-Aufräummuffel steht!

Daniela Schlegel vom KVR erklärt: „Die Parteien dürfen ihre Plakate noch bis zu zwei Wochen nach der Wahl stehen lassen.“ Insgesamt stellten die Parteien heuer rund 80 000 Plakate für die Landtags- und Bundestagswahl im Stadtgebiet auf. Oft wurden die Kartons mit den Werbung für die Landtagswahl am 15. September für die Bundestagswahl am 22. September überklebt. Doch jetzt sind sämtliche Fristen abgelaufen.

Wahlplakate verschandeln Münchner Stadtbild

Wahlplakate verschandeln Münchner Stadtbild

Eigentlich hätten somit schon am Montag keine Wahlplakate mehr in der Stadt hängen dürfen. „Es sind schon viel weniger geworden“, beschwichtigt Schlegel. „Wir werden aber die Parteine nun anschreiben mit der Bitte, dass sie ihre Wahlplakate entfernen. Sonst sind wir dazu gezwungen, Bußgeldbescheide zu verhängen.“

Rund 12 000 Plakatständer werden allerdings für das Bürgerbegehren am 10. November zu den Olympischen Winterspielen in München 2022 überklebt (siehe rechts), Auch diese Plakate dürfen noch zwei Wochen danach hängen. Und ab 16. Januar darf schon wieder für die Kommunalwahl plakatiert werden, die am 16. März stattfindet.

Olympia: David gegen Goliath

Rund 12 000 Wahlplakate werden die CSU, SPD und FDP stehen lassen, um sie der Werbeagentur Abold zu überlassen, die die Werbetrommel für die Olympischen Winterspiele in München 2022 rühren soll. Die Münchner dürfen in einem vom Stadtrat initiierten Bürgerentscheid am 10. November darüber abstimmen, ob sie die Spiele haben wollen oder nicht. Wie viel Geld sie dafür bekommt und woher es stammt, wollte die Agentur gestern nicht mitteilen. Nur die Stadtrats-Grünen haben sich im Rathaus gegen die Spiele ausgesprochen, heute stimmt noch einmal die Stadtversammlung der Ökopartei darüber ab. Die Stadtspitze der Grünen hat aber schon einmal 200 der 500 Wahlplakatständer für die Kampagne gegen die Winterspiele reserviert – das würde ein Kampf wie David gegen Goliath.

Johannes Welte

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