Grafikerin am LKA

Sie gibt Leichen und Verbrechern ein Gesicht

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Ihr Werkzeug ist der Photoshop: Die LKA-Grafikerin Waldy Benner (43) gibt den Toten wieder ein Gesicht.

München - Waldy Benner ist Grafikerin beim Landeskriminalamt. Sie ist es, die in regelmäßigen Abständen Phantombilder für die Polizei anfertigt.

Etwa alle sechs Monate öffnet die Mediengestalterin Waldy Benner (43) die ihr zugesandten Polizei- und Tatortfotos mit Vorsicht. Nämlich dann, wenn der Absender eine bayerische Mordkommission oder Todesermittlungs-Dienststelle ist. Weil sie weiß, dass das, was sie jetzt zu Gesicht bekommen wird, sie nicht unberührt lassen wird. Es sind die zum Teil entstellten Gesichter und Körper toter Menschen, denen etwas Schlimmes zugestoßen ist: Mord, Totschlag, Suizid oder Unfall. Sie alle haben eines gemeinsam: Niemand kennt ihre Identität.

So wie die erst am Donnerstag identifizierte Frau, die am 3. Januar eingefroren im Eis der Senkgrube der Kompostieranlage in Hadern gefunden wurde. Waldy Benner gab auch dieser Toten das Gesicht zurück und damit ein Stück ihrer Würde, die ihr der Tod genommen hat.

Die Grafikerin arbeitet seit nunmehr vier Jahren im Sachgebiet Phantombildzeichnung und Grafikstelle des Landeskriminalamtes. Neben dem Anfertigen von Fahndungsbildern unbekannter Täter, wie sie von Zeugen und Opfern beschrieben werden, gehört auch die Foto-Retusche am Computer – also die möglichst reale Reproduktion eines durch die Todesumstände zuweilen stark veränderten Gesichts.

Für ihre Arbeit benötigt Waldy Benner möglichst viele Tatort-Fotos, die sie zunächst nur kurz betrachtet: „Ich brauche eine Weile, um mich an den Anblick zu gewöhnen. Ich nehme so langsam Kontakt auf zu dem Menschen, dem ich mit meiner Arbeit helfen möchte.“ Respekt vor den Toten, aber auch die notwendige professionelle Distanz sind Voraussetzungen, um überhaupt diese wichtige Arbeit verrichten zu können.

Waldy Benner arbeitete früher bei der Spurensicherung im LKA-Labor, sah viele Tatwerkzeuge und die daran haftenden Spuren, die unweigerlich Bilder im Kopf erzeugen. Diese Bilder kamen auch, als sie Montagfrüh der Frau aus der Senkgrube ins Gesicht sah. Wer warst Du? Und wie bist Du da bloß hingekommen?

Um ein Gesicht einschätzen zu können, studiert Waldy Benner zunächst den Körperbau. In diesem Fall war die Frau schlank und zierlich: „Entsprechend schmal muss auch ihr Gesicht gewesen sein.“ Aus der Vielzahl der Fotos wählte Waldy Benner dann eine Frontalaufnahme des Gesichtes aus und begann, es per Photoshop zu bearbeiten. Zunächst die Kontur des vom Wasser aufgedunsenen Gesichtes. Dann die Augen mit den langen Wimpern, Nase, Mund. „Auf diese drei Merkmale baut sich Erkennung auf.“ Sogar fehlende Gesichtsteile lassen sich ersetzen, indem vorhandene Partien kopiert und in Lücken einfügt werden. Dann Augenbrauen, Haaransatz, leichte Locken – stets in schwarz-weiß: „Das regt die Phantasie an. Man schaut länger hin und wird nicht durch Farben festgelegt.“

Am Montagmittag war die Retusche fertig, am Mittwoch das Foto veröffentlicht. Am Donnerstag wurde die Frau nun doch auf anderen Wegen identifiziert – was Waldy Benner genauso freute: „Hauptsache der Fall ist geklärt, und die Frau kann ihre Ruhe finden.“

Dorita Plange

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