Er fordert 20.000 Euro für Schmuck

Walter Sedlmayrs Mörder verklagt den Freistaat

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Volksschauspieler Walter Sedlmayr 1989 vor seinem Münchner Wirtshaus "Beim Sedlmayr".

München - Es war ein Mord, der Bayern schockierte: 1990 wurde der große Volksschauspieler Walter Sedlmayr († 64) blutüberströmt in seiner Wohnung aufgefunden. Dessen Mörder verklagt nun den Freistaat.

Mit Messerstichen und Hammerschlägen getötet. 1993 verurteilte das Landgericht Wolfgang W. und seinen Halbbruder für die Tat. 25 Jahre danach verklagt der jetzt den Freistaat – und will insgesamt 22.102,20 Euro. Der Hintergrund: Wolfgang W. fordert Auskunft über Schmuck und Münzen, die bei den Mord-Ermittlungen sichergestellt worden waren. Beides soll in einem Koffer gelegen haben, der ihm selbst gehörte, behauptet der Sedlmayr-Mörder.

Die Staatsanwaltschaft ging dagegen davon aus, dass es sich dabei um Hehlerware handelte. Später ließ der Freistaat das Vermögen von Wolfgang W. pfänden, um die hohen Verfahrenskosten von rund 200.000 Euro zu decken. Und setzte neben Hunderten Gegenständen auch die besagten Münzen und den Schmuck in Geld um, das der Justizkasse zugeführt wurde.

Dagegen versucht sich der verurteilte Mörder, der bereits 2007 aus dem Gefängnis entlassen wurde, nun gerichtlich zu wehren. Über seinen Anwalt Andreas Geipel argumentiert Wolfgang W., dass die Pfändung zu Unrecht erfolgt sei, da der Anspruch des Freistaats auf die Verfahrens-kosten bereits seit dem Jahr 2000 verjährt gewesen sei. Gestern verhandelte die Zivilkammer des Landgerichts den komplizierten Fall.

Richter schlägt vor, dass Freistaat 10.000 Euro zahlt

Der Tenor: Was genau in dem beschlagnahmten Koffer lag, kann heute niemand mehr genau sagen. Deshalb läuft der Rechtsstreit wohl auf einen Vergleich hinaus – und W. würde zumindest einen Teil seiner Forderung kassieren. Richter Frank Tholl schlug vor, dass der Freistaat die Hälfte der geforderten Summe zahlen soll: also insgesamt 10.000 Euro.

Damit wären die Ansprüche des Sedlmayr-Mörders abgegolten. Anwalt Andreas Geipel will jetzt darüber mit seinem Mandanten beraten. Stimmt Wolfgang W. dem Vergleichsangebot nicht zu, könnte es sein, dass die Ermittlungsakten wieder geöffnet werden müssen. 25 Jahre nach dem brutalen Mord! Und 22 Jahre nach dem Urteil gegen Wolfgang W.

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