Vier Experten, vier Meinungen

Wann wird's mal wieder richtig Sommer?

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Wolken, Wolken und noch einmal Wolken: So zeigt sich der Sommer in diesem Jahr bislang die meiste Zeit.

München - Unwetter, Regen, Wolken: Davon haben die Bayern langsam genug. Es ist doch Sommer! Wir fragten vier Wetterexperten: Wie ist Ihre persönliche Sommerbilanz? Und wie geht’s weiter?

Unwetter, Regen, Wolken: Davon haben die Bayern langsam genug. Es ist doch Sommer! Aber ist es nicht viel zu kalt und nass? Unser Redaktionsmitglied Katrin Martin fragte vier Wetterexperten: Wie ist Ihre persönliche Sommerbilanz? Und wie geht’s weiter?

Josef Jägerhuber, Wetterexperte aus Starnberg

So war der Sommer bisher:

Ich bin nicht enttäuscht von dem Sommer. Es ist genau das, was ich bereits im Januar vorhergesagt habe. Ich arbeite ja mit den Daten, die ich seit 50 Jahren sammle. Ungefähr alle sieben Jahre wiederholt sich das Wetter. Ich kann mich noch an das Jahr 2005 erinnern: Heizung an, Heizung aus – das ganze Jahr. Heuer ist wieder so ein typisches Merkur-Jahr (der Merkur ist der Planet, der 2012 der Erde am nächsten ist, Anm. der Red.), das meistens nass und kalt ist. Im Juni und Juli gab es auch heiße Tage mit starken Gewittern und viel Regen.

So geht’s weiter:

Jetzt kommt eine beständige Phase von Ende Juli bis Mitte August. Auf den Tag genau kann ich das natürlich nicht sagen, aber ich glaube, dass es da eine längere Periode schön sein wird mit Temperaturen, die auch mal auf 30 bis 33 Grad Celsius ansteigen. Viel heißer wird es dann aber nicht mehr. Die Phase endet spätestens in vier Wochen, denn ab Mitte August geht dann schon der Herbst los. Da wird es vor allem nachts kühler und auch ziemlich feucht.

Björn Walz, Geograf und Meteorologe aus Grafing

So war der Sommer bisher:

Björn Walz

Zu nass, zu kalt? Nein. Der Sommer ist bisher absolut durchschnittlich. Ab Mitte Juni hatten wir in Bayern eine heiße Phase, der Monat war sogar etwas zu warm. Durch die Gewitter ist es in manchen Orten zu nass gewesen. Der Juli ist tendenziell etwas zu kühl. Aber auch das ist nicht ungewöhnlich. Selbst im Super-Sommer 2003 gab es durchwachsene und regnerische Tage. Der Sommer heuer fühlt sich nur so schlecht an, weil es gerade am Wochenende oft kühl und regnerisch ist.

So geht’s weiter:

Wenn man der Siebenschläfer- Regel glauben darf, wird es eine durchwachsene Geschichte. Denn die letzte Juni- Woche war gut, Anfang Juli war es wechselhaft. Und genau in dieser wechselhaften Phase befinden wir uns jetzt. Dafür könnte Anfang oder Mitte August endlich der Hochsommer kommen. Da sind mindestens 25, wenn nicht sogar 30 oder 35 Grad Celsius drin. Das war letztes Jahr ähnlich. Danach kommt ein erster Einbruch. Im September folgt aber noch eine wochenlange Schönwetterphase. Die gab es in den vergangenen Jahren oft so spät.

Michael Klein, Meteorologe bei donnerwetter.de

So war der Sommer bisher:

Michael Klein

Ich möchte keine Beschwerden hören. Der Juni war in Bayern im Schnitt sogar 1,6 Grad Celsius zu warm. Im Allgäu sogar bis zu 2 Grad. Der Niederschlag war in den meisten Teilen genau im Durchschnitt, an einigen Orten regnete es sogar zu wenig. Bei den Sonnenstunden hat der Norden etwas zu wenig abbekommen, dafür gab’s im Süden überdurchschnittlich viele. Auch der Juli war ein wenig zu warm. Einzig die Sonnenstunden sind hier tatsächlich unter dem Durchschnitt. Was vielen das Gefühl gibt, dass es ein schlechter Sommer ist, ist das wechselhafte Wetter. Man konnte am Abend wegen der Gewitter oft nicht lange draußen sitzen. Außerdem stammen die langfristigen Mittelwerte aus den Jahren 1961 bis 1990. Seitdem sind wir oft verwöhnt worden. Wenn das Wetter immer so schön wäre wie in manchen Jahren, wären die Deutschen nicht schon lange Reiseweltmeister.

So geht’s weiter:

Wir hatten jetzt eine sehr lange Phasen mit wechselhaftem Wetter. Die hält für gewöhnlich eigentlich nur sechs bis acht Wochen, diesmal waren es über zehn. Im Laufe der nächsten Woche könnte es endlich beständiger werden. Der August wird häufiger Temperaturen von über 25 Grad Celsius bringen, eventuell auch mal über 30 Grad, aber das ist dann schon die Ausnahme.

Christina Speicher, Meteorologin des Deutschen Wetterdienstes

So war der Sommer bisher:

Christina Speicher

Insgesamt war es in Bayern 0,6 Grad Celsius zu warm. Nur in Bad Königshofen (Franken, Anm. der Red.) war es mit Minus 0,1 Grad ein bisschen zu kalt. Regen gab es an vielen Orten deutlich zu viel. Am nassesten war es in Sandberg (Franken). Dort ist bereits in der ersten Sommerhälfte mehr Regen gefallen, als in allen drei Monaten fallen sollte. Insgesamt hatten wir bisher einen typischen, deutschen Sommer: mäßig warm, viele Niederschläge, oft bewölkt. Zumindest, wenn man die Referenzperiode von 1961 bis 1990 betrachtet. Im Vergleich zu den vergangenen zehn Jahre ist es diesmal tatsächlich ein Mist-Sommer.

So geht’s weiter:

In den nächsten Tagen wird es wechselhaft bleiben. Wobei Bayern im Vergleich zum Rest Deutschlands Glück hat: Hier ist die Sonne am längsten zu sehen. Es kann aber zu Gewittern im Alpenraum kommen. Wie es nächste Woche aussieht, ist noch unsicher. Denn eine verlässliche Vorhersage ist eigentlich nur drei bis vier Tage möglich. Aber es gibt Hinweise, dass es ab nächster Woche deutlich besser wird. Dann soll ein Hoch über Zentraleuropa für sonniges und warmes, eventuell auch für heißes Wetter in fast ganz Deutschland sorgen. Wie es im August weitergeht, ist schwer zu sagen. Das Wetter ist ein Chaos-System, das kann sich ständig ändern.

Katrin Martin

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