Kontra-Kommentar zum Warnstreik

Arbeitskampf in Corona-Zeiten: Wer jetzt streikt, hat sich der Solidarität entsagt

Warnstreik in München, MVV-Hinweistafel „kein U-Bahnbetrieb“
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Der Warnstreik in München sorgt unter Pendlern für Chaos in der Innenstadt.

Das Recht auf Arbeitskampf ist im Grundgesetz verankert - doch Recht haben bedeutet nicht immer, auch richtig zu handeln. Der Streik in der wirtschaftlich angespannten Corona-Krise ist unsolidarisch. Ein Kommentar.

München - Die Vermutung ist nicht neu, bestätigt sich aber mal wieder - die Gewerkschaft Verdi ist in ihrer jetzigen Verfassung merkbefreit, ihr Gespür für die momentan sehr prekäre Situation vieler Arbeitnehmer*innen außerhalb der Gewerkschaftsblase so feinfühlig wie eine Zahnbehandlung im Mittelalter.

Corona-Krise: Kurzarbeit oder Job verloren - doch Teile der Verdi-Klientel soll mehr Geld erhalten

Millionen Menschen in Deutschland sind für Kurzarbeit gemeldet oder haben gleich ganz ihren Job verloren. Viele Selbstständige kämpfen um ihre Existenz, bisher gut und solide geführte Unternehmen stehen plötzlich vor dem wirtschaftlichen Kollaps. Zahlreiche Belegschaften verzichten deshalb vorübergehend auf einen Teil ihres Lohnes, um einzelne Entlassungen zu verhindern - gelebte Solidarität.

Warnstreik in München und Bayern: Kitas, Behörden und ÖPNV betroffen

Das ficht Verdi nicht an. Gestreikt wird in Einrichtungen des öffentlichen Dienstes. Die Beschäftigten wollen dadurch den Druck auf die Arbeitgeber in den Tarifverhandlungen erhöhen. Betroffen waren nach Gewerkschaftsangaben Kitas, Stadtverwaltungen und teilweise die Stadtreinigungen. In vielen Orten Bayerns steht seit dem Morgen der öffentliche Nahverkehr in großen Teilen still oder rollt nur eingeschränkt. Verdi ist stolz: „Der Warnstreik ist wie geplant angelaufen“. In München fielen die U-Bahnen aus, Straßenbahnen und Busse fuhren lediglich vereinzelt - der Öffentliche Nahverkehr ist so gut wie lahmgelegt.

Corona-Krise und Solidarität der Gewerkschaft: Es droht eine weitere Spaltung der Gesellschaft

Zusammengefasst: Verdi will mehr Geld für seine Leute, während der Rest der arbeitenden Bevölkerung den Gürtel enger schnallt. Diese „Solidarität“ wird vielen Bürgern nur schwer zu vermitteln sein, es droht ein weiterer Riss durch die Gesellschaft. Auch bleibt zu beobachten, inwiefern die ohnehin schon lädierte Akzeptanz von Gewerkschaften eine weitere Delle erhält.

Warnstreik in München: Chaos in den wenigen Bussen und Bahnen - das Coronavirus freut sich

Streiks dürfen nicht an widrigen Umständen von außen scheitern - doch nicht immer handeln die richtig und umsichtig, die im Recht sind. In der jetzigen Situation kommt Verantwortungslosigkeit hinzu, denn die wenigen Busse und Bahnen des ÖPNV im Einsatz sind brechend voll. Die schützenden Abstandsregeln sind somit als Pendler unmöglich einzuhalten. Das Coronavirus sagt Danke und freut sich über seine Weiterverbreitung mit Ansage.

Lesen Sie auch den Gegenkommentar zum Thema: An alle besorgten MVG-Pendler: Weniger „Mimimi“ und mehr Selbstverantwortung, bitte!

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