Warum die Araber München so mögen

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Sie prägen immer mehr das Stadtbild: Kaufkräftige Touristen, die wie hier in der Maximilianstraße auf Einkaufstour gehen

München - Nicht nur Hasan Abdullah Ismaik, der ein Investment beim TSV 1860 erwägt, lockt München. Die Zahl arabischer Gäste ist um fast 40 Prozent gestiegen. Warum sie nach München kommen:

Salam Alaikum. Die Araber kommen! Die Meldung, dass ein Geschäftsmann aus Jordanien den TSV 1860 München retten will, sorgt für viel Gesprächsstoff. Nicht nur Hasan Abdullah Ismaik findet Gefallen an unserer Landeshauptstadt: Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Übernachtungen von Reisenden aus den arabischen Golfstaaten um 37,6 Prozent auf 365 829 gestiegen!

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Damit sind die Araber auf Platz vier! Sie haben bei den Übernachtungen laut Tourismusamt sogar unsere Nachbarn aus der Schweiz und Österreich überholt. Auch im Januar 2011 wurde im Vergleich zum Januar 2010 ein satter Übernachtungszuwachs gezählt – von stolzen 40,5 Prozent. „Das ist nicht ungewöhnlich, denn die Reisezeit der arabischen Touristen ist lange nicht mehr nur auf die Sommermonate beschränkt“, erklärt Astrid Ganssen, eine Sprecherin des Tourismus- amts. Es liegt auch daran, dass das Tourismusamt der Stadt München seit 2005 eine eigene Vertretung in Dubai hat. „Außerdem reist mittlerweile auch verstärkt der arabische Mittelstand in die Landeshauptstadt“, weiß Ganssen.

Doch warum ist München im Nahen Osten so beliebt?

Mustafa Attach vom Generalkonsulat der Vereinigten Arabischen Emirate erklärt: „Müchen ist besonders hoch angesehen, weil es eine sichere Stadt in einem konservativen Bundesland ist. Mit dem Motto Laptop und Lederhosen können sich die Araber gut identifizieren. Denn auch in ihren Heimatländern gehen Tradition und Technik Hand in Hand.“

Die tz hat herausgefunden, welche Vorzüge die Gäste noch nach München ziehen.

Nina Bautz und Petra Markovic

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Warum die Gäste aus dem Nahen Osten zu uns kommen

Immer mehr arabische Familien zieht es in die Landeshauptstadt. Über die Öl-Dollars freut sich nicht nur die Hotellerie. Das meiste Geld lassen die verschleierten Clans in unseren Kliniken und Geschäften.

Medizin-Tourismus: Circa 25 Prozent aller ausländischen Medizin-Touristen, die nach Deutschland kommen, landen laut der Serviceagentur für Gesundheitstouristen Europe Health in Münchner Klinikbetten – damit sind wir führend! „Das liegt daran, dass hier ein besonders großes Angebot auf kleinem Raum ist“, sagt Geschäftsführer Salah Atamna. Neben den beiden Unikliniken und städtischen Krankenhäusern stehen den Patienten zahlreiche (Reha-)Einrichtungen im Umland zur Verfügung. „Diese Form des Tourismus steigt weiter um etwa 20 bis 30 Prozent pro Jahr“, sagt der Experte. Die häufigsten Behandlungen würden in der Orthopädie durchgeführt. „Viele kommen auch beispielsweise nach einem Schlaganfall her oder um sich ambulant durchchecken zu lassen.“ In jedes der großen Münchner Krankenhäusern kämen etwa bis zu 1500 arabische Patienten im Jahr. Etwa die Hälfte von ihnen sind Atamna zufolge sogenannte Regierungspatienten, denen der Staat die Behandlung zahlt. Allein aus den Vereinigten Arabischen Emiraten kommen laut Generalkonsulat jedes Jahr 3000 solcher Patienten. Die Kliniken haben sich auf die Gäste eingestellt: Im Klinikum Schwabing gibt es getrennte Gebetsräume für Männer und Frauen, in Bogenhausen einen arabischen Speiseplan.

Shopping-Tourismus: Vor etwa zehn Jahren kamen fast ausschließlich Medizin-Touristen aus dem arabischen Raum hierher. „Im Laufe der Jahre aber haben die Verwandten, die mitkommen, entdeckt, dass München mehr zu bieten hat“, sagt Atamna. Zum Beispiel Shoppen: Das Tourismusamt schätzt, dass der arabische Tourist etwa 550 bis 1000 Euro pro Tag für Hotel und Einkauf hinblättert. Top-adressen sind immer noch die Maximilianstraße sowie die Fußgängerzone, in der die Scheichfamilien so üppig einkaufen, dass sie sich gleich noch einen Koffer zulegen müssen, um das Ergatterte wieder nach Hause abzutransportieren.

Der Finanzdienstleister Global Blue hat die Ausgaben für das sogenannte Tax-Free-Shopping untersucht, bei dem die Mehrwertsteuer ersetzt wird. Demnach ist München mit 49,9 Prozent weit führend als Einkaufsziel der Araber, Frankfurt folgt weit abgeschlagen mit 9,1 Prozent, Düsseldorf mit 7,8 Prozent. Und was die Araber dann hier ausgeben, lässt die Münchner Damen vor Neid erblassen: Die Gäste aus dem Oman etwa lassen unglaubliche 491 Euro pro Einkauf in einem Geschäft – im Schnitt! Dann folgen die Gäste aus Qatar mit 404 Euro pro Geschäft und Saudi-Arabien mit 401 Euro. Und das wandert in die Koffer (s. Grafik oben): 44,2 Prozent der Tax-Free-Einkäufe finden in Modegeschäften statt, 17,2 Prozent in Kaufhäusern, zehn Prozent in Uhren- und Juwelierläden und 9,7 Prozent in Geschäften für Lederwaren und Reiseutensilien.

Immobilien: Die arabischen Touristen, die gar nicht aufs Geld achten müssen, wohnen oft monatelang in speziell auf sie ausgelegten Luxus-Suiten im Hilton oder Vier Jahreszeiten. Auch die Nachfrage nach Apartments, die zeitweise zur Vermietung stehen, steigt. Und weil viele Touristen jedes Jahr wiederkommen, suchen immer mehr nach Immobilien. „Wir machen oft Immobilien-touren mit diesen Gästen. Meist aber sind deren Ansprüche zu hoch – Immobilien mit 16 Zimmern und beispielsweise Vollverglasung gibt es eben selten …“, sagt Luxusmakler Detlev von Wangenheim. Im niedrigpreisigeren Bereich tut sich aber offenbar etwas, wie Mustafa Attach vom Generalkonsulat der Vereinigten Arabischen Emirate sagt: „Mittlerweile besitzen einige hundert Landsleute Häuser oder Wohnungen in der Stadt oder etwa am Starnberger See. Sie genießen die grüne Landschaft und die vielen Seen, die sie von zu Hause nicht kennen.“ Und etwas weiter südlich hat der Orient schon richtig dick investiert: Der Sultan von Oman etwa besitzt am Fuße des Kramer-Massivs ein herrschaftliches Anwesen mit Personalgebäude und Arzthaus, das er regelmäßig mit Familien-Clan und Beratern besucht. Und in das Grand-Hotel Sonnenbichl hat ein Ägypter investiert.

Wofür geben arabische Touristen Geld aus?

44,2% Mode und Kleidung
17,2% Kaufhäuser
10,0% Uhren & Schmuck
9,7% Leder & Reisezubehör
5,7% Parfüm & Kosmetik
5,1% Kleinere Geschäfte
2,3% Elektrogeräte
1,4% Haus- und Gartenartikel
1,4% Sportartikel
1,2% Elektronik & Computer


Übernachtungen in München

Land 2010 2009 2008
1. USA 696 799 597 412 612 938
2. Italien 514 388 517 690 499 654
3. Großbritannien 402 057 340.789 377 736
4. Arabische Golfstaaten 365 829 270 891 273 035
5. Schweiz 324 877 292 983 285 103
6. Österreich 268 787 239 866 225 870
7. Russland 256 375 191 657 190 091
8. Spanien 215 664 202 564 213 066
9. Frankreich 173 802 157 245 156 406
10. Japan 146 401 112 897 127 226

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