tz-Leser fragt, OB Ude antwortet

Warum baut die Stadt neue Trambahnlinien?

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München - Ein tz-Leser will wissen, warum die Stadt München neue Trambahnlinien baut. Oberbürgermeister Christian Ude klärt auf und spricht dabei von gleich mehreren Irrtümern.

Einer tz-Leserin haben Sie auf die Frage, warum die Stadt eine Straßenbahn vom Romanplatz zur Aidenbachstraße plant, die Antwort gegeben, dass die Tram billiger sei als die U-Bahn. Das glaube ich nicht ganz, denn für die Trambahn nach Fürstenried-West, die ja bestanden hatte, wurde eine U-Bahn gebaut, vermutlich, weil es billiger ist. Warum also plant die Stadt neue Trambahn­linien?

Peter Koch, per E-Mail

OB Udes Antwort:

Du liebe Zeit, Herr Koch, da sind Sie ja gleich mehreren Irrtümern aufgesessen! Sie glauben, dass eine U-Bahn billiger sei als eine Straßenbahn. Das ist wirklich ein beachtlicher Irrtum. Natürlich schwanken die Kosten sowohl im U-Bahnbau als auch beim Bau neuer Trambahnlinien, weil da vieles von den Umständen des Einzelfalls abhängt. Aber ganz grob kann man von folgender Faustregel ausgehen: Ein Kilometer U-Bahn kostet bei anteiliger Berücksichtigung der Bahnhöfe und der erforderlichen Zusatzanlagen rund 100 Millionen Euro, ein Kilometer Straßenbahnstrecke hingegen nur ein Zehntel davon! Ein Zehntel! Da liegen Sie mit Ihrer Annahme, dass die U-Bahn billiger sei, ganz schön daneben! Aus der Tatsache, dass bei der Erschließung von Fürstenried-West eine Trambahn durch eine U-Bahn ersetzt wurde, können Sie auch nicht schließen, dass die U-Bahn billiger wäre.

Die U-Bahn hat andere Vorzüge: beispielsweise die größere Kapazität jedes einzelnen Zuges (912 Plätze statt 220 Plätze bei einer vierteiligen Tram) und natürlich das höhere Tempo, weil sie im Untergrund völlig ungestört fahren kann und nicht auf den Verkehr an der Oberfläche Rücksicht nehmen muss. Deshalb hat die Stadt häufig überlastete Trambahnlinien durch leistungsfähigere U-Bahnen ersetzt, zum Beispiel gleich zu Beginn des Münchner U-Bahn-Zeitalters, als die Tram 6 durch die U-Bahn in der Leopold- und Ludwigstraße ersetzt wurde. Man sollte die unterschiedlichen Verkehrsmittel ohne ideologische Scheuklappen betrachten: Buslinien sind vergleichsweise leicht zu installieren, haben aber eine geringere Fahrgastzahl.

Die Tram ist mit ihrer größeren Kapazität und den im Vergleich zur U-Bahn niedrigen Investitionskosten ideal für ein mittleres Fahrgastaufkommen. Und die U-Bahn ist sehr teuer, bietet dann aber die größten Kapazitäten und die schnellste Reisegeschwindigkeit.

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