Warum dürfen wir kein Trinkgeld mehr geben?

Münchens Müllmänner dürfen kein Trinkgeld mehr annehmen.
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Münchens Müllmänner dürfen kein Trinkgeld mehr annehmen.

München - Wie immer werden an dieser Stelle dringliche Fragen der tz-Leser an OB Christian Ude beantwortet.

Frage: Es wird ja schon länger geredet, dass die Müllmänner kein Trinkgeld mehr bekommen sollen. Wir finden das ungeheuerlich, denn diese Männer bringen unseren Müll weg und tun für uns und München sehr viel Gutes. Am gemeinsten finde ich aber, dass jeder Münchner, der den Müllmännern ein Trinkgeld geben will, als korrupt bezeichnet wird. Seltsam ist jedoch, dass Sachspenden bis 15 € erlaubt sind, z.B. Getränke. Ist es vielleicht gut, wenn die Müllmänner Hunderte Alkoholflaschen und haufenweise Plätzchen bekommen? Ich finde das genauso mies wie das, dass die Krankenschwestern kein Trinkgeld bekommen dürfen.

Familie Brauner, per E-Mail

Antwort: Mit Ihrer Meinung stehen Sie nicht allein, ich habe Dutzende Briefe zu diesem Thema bekommen. Allerdings habe ich in früheren Jahren noch mehr Beschwerdebriefe erhalten von Leuten, die sich beklagt haben, dass die Stadt ihr Personal „zweimal zum Abzocken schickt“, einmal mit der Gebührenrechnung und dann noch einmal mit den Neujahrsgrüßen. Die Meinungen sind halt immer verschieden. Aber im Prinzip ist es sehr erfreulich, dass die Arbeit unserer Müllmänner so ein hohes Ansehen hat, dass manche freiwillig noch mehr bezahlen als die Gebühren.

Warum das Verbot? Das habe ich mich auch gefragt, als ich erstmals vom Betrieb um ein „Machtwort“ gebeten worden bin. Es gibt leider viele Gründe. Einige Müllmänner haben sich sogar schon vor Gericht verantworten müssen, weil sie Geld genommen haben von Kunden, denen kulanterweise auch mal ein Gefallen getan wurde, z.B. Mitnahme von Müll, der nicht mehr in die Tonne passt. Wenn so ein Vorgang von Kollegen oder Nachbarn angezeigt wird, kann dies für die Betroffenen unselige Folgen haben. Kein Mensch hat gesagt, dass die früher üblichen Trinkgelder Korruption seien; sie sind in aller Regel nur als Ausdruck der Wertschätzung und kleines Dankeschön gemeint. Aber wo ist die Grenze? Wenn 50 oder 100 € gegeben werden, damit man mit Bevorzugung rechnen darf? Oder bei 500 und 1000 €, was bei Gewerbebetrieben auch schon vorgekommen ist? Leider ist hier eine Grenzziehung nötig – und vorangegangene Versuche, die Geldspenden gerecht aufzuteilen, haben sich nicht bewährt. Als im vergangenen Jahr schon einmal ein striktes Verbot zur Debatte stand, hat die Personalvertretung argumentiert, etliche Müllmänner hätten das Trinkgeld bereits bei der Finanzierung einer Immobilie eingeplant, ein Verbot könne sie in Bedrängnis bringen. Es geht hier um einige tausend Euro pro Person, was vielen Münchnern nicht bewusst zu sein scheint.

An den Gleichbehandlungsgrundsatz bin ich nun einmal gebunden. Wie soll gerechtfertigt werden, dass etwa Kanalarbeiter unter Tage keinen Cent bekommen, Müllfahrer in Sozialwohnungsgegenden nur wenig Trinkgeld und Müllfahrer in Villengegenden oder Gewerbegebieten stattliche Summen?

München, seine Straßen und ihre Namen

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Sie fragen, warum Krankenschwestern verboten ist, von Patienten Geld anzunehmen. Aus demselben Grund, aus dem es Erzieherinnen und Lehrkräften schon immer verboten war: Es stiftet Unfrieden, wenn in einem Kranken- oder Klassenzimmer der Verdacht aufkommt, die besondere Zuwendung und Fürsorge habe mit Barzahlung zu tun.

Wertschätzung zeigt man durch die Bezahlung, auf die ein Rechtsanspruch besteht, nicht durch Almosen, die in ungerechter Weise wenigen zukommen und anderen vorenthalten bleiben.

Bei der Bedienung im Wirtshaus wie beim Taxifahrer und anderen Berufsgruppen liegt die Sache anders: Da kann kein Verdacht entstehen, dass das Trinkgeld Einfluss auf eine Amtshandlung hat.

Quelle: tz

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