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Alle Jahre wieder

Nervig oder normal? Warum es jetzt schon Lebkuchen gibt

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Jedes Jahr liegt schon im Sommer das Weihnachtsgebäck in den Regalen. Aber warum?

München - Es ist jedes Jahr dasselbe: Seit einigen Wochen und damit Monate vor Adventszeit und Weihnachtsfest liegen wieder Lebkuchen, Spekulatius und Co in den Regalen. Muss das wirklich schon sein? Und warum? Wir haben nachgefragt.

Würzig, duftend, schokoliert – so liegen sie in den Münchner Supermärkten: die Lebkuchen. Sternchen und goldene Schnörkel zieren ihre Verpackungen, die ersten Zeilen von „Stille Nacht“ kommen einem in den Sinn. Dabei ist doch gerade erst der Sommer zu Ende gegangen.

Der frühe Verkauf von Lebkuchen und seinen Anverwandten, etwa dem Spekulatius und den Dominosteinen, ist ein alljährlich auftretendes Phänomen im Einzelhandel. Jedes Jahr beginnt die Lebkuchenzeit unverändert früh Ende August. Denn Abnehmer gibt es offenbar – genauso wie Puristen, die den frühen Verkauf für einen Frevel an der Weihnachtszeit halten. Also wie ist es nun eigentlich? Drängen die Hersteller die Kunden zum spätsommerlichen Lebkuchen oder sind die Kunden die Beschwörer des frühen Weihnachtsgebäcks?

Handelsverband: "So lange Kunden kaufen, bieten wir auch an"

Zu allererst: Der richtige Begriff für die frühen Leckereien sei „Herbstgebäck“, wie Bernd Ohlmann, Geschäftsführer des Handelsverbands Bayern, erklärt. „Auf den Verpackungen distanzieren sich die Hersteller von der Winterzeit, denn noch werden keine Weihnachtsmotive darauf gedruckt“, sagt er. Man wolle die festliche Zeit nicht vorwegnehmen. Schaut man in die Supermärkte, stimmt das nicht so ganz. Kerzen und Weihnachtskugeln leuchten und schimmern schon auf der Pappe, wenn auch dezent.

Wie auch immer: Die Kasse stimmt. Für Ohlmann ist dies das Hauptargument: „Solange die Kunden kaufen, bieten wir auch an.“ Zwar gebe es Vorwürfe, der Lebkuchen im Herbst verderbe die Weihnachtsstimmung. Doch Ohlmann hält dagegen: Es gebe einen festen Zeitpunkt für den Beginn des Verkaufs, immer etwa die 35. Kalenderwoche, also Ende August. Und die echten Weihnachtsboten wie Schoko-Nikoläuse und Adventskalender biete man sowieso erst später an. „Außerdem: Wer sagt, dass Dominosteine nur an Weihnachten schmecken sollen? Citrusfrüchte kaufen die Menschen ja auch das ganze Jahr.“

Kritiker: Weihnachten wird zum Konsumfest

Richtig oder falsch – Michael Pusler, Konsumpsychologe an der Hochschule Fresenius, kann darauf auch keine eindeutige Antwort geben. „Viele Menschen finden, dass Weihnachten entwertet und entzaubert wird, wenn Lebkuchen schon im Spätsommer angeboten werden“, sagt er. „Die Kritiker finden, dass Weihnachten zu einer Art Konsumfest wird. Sie regen sich auf, dass die große Kauferei schon im September beginnt.“

Pusler sagt aber auch: „Durch das Herbstgebäck bleiben die echten Weihnachtsprodukte immer noch erhalten. Das ist wie die Wiesn: Zwar gibt es überall Kopien davon, aber letztendlich wollen die Leute immer noch das Traditionelle. Der frühe Lebkuchenverkauf verstärkt diesen Willen noch.“

Dass viele Kunden doch schon im September Lebkuchen naschen, erklärt Pusler mit dem besonderen Geschmackserlebnis. „Viele freuen sich schon das ganze Jahr darauf, denn der Geschmack des Lebkuchens ist durch keinen anderen zu ersetzen.“ Und da Lebkuchen nicht durchgehend angeboten würden, entstehe „ein künstlicher Mangel“. Vor allem Menschen mit wenig Bezug zu Weihnachten konsumierten Lebkuchen dann schon früh. „Wertneutrale Geschmackssuchende“ nennt Pusler diese Kunden.

Also Lebkuchen am besten das ganze Jahr? Wirtschaftlich gesehen sei das nicht empfehlenswert, rät der Konsumpsychologe ab. Der Lebkuchen würde dann nämlich „zu einem gewöhnlichen Produkt“. Nur im Winter anzubieten sei allerdings auch nicht sinnvoll: „Die Weihnachtszeit ist meist schneller vorbei, als der erste Schnee fällt“ – und da danach niemand mehr weihnachtliche Produkte sehen wolle, würden die Hersteller eben davor anbieten.

Handel oder Kunde: Wer hat angefangen? 

„Am meisten verkauft wird im Oktober und November, im Dezember backen die Leute dann vermehrt selbst“, sagt der Einzelhandels-Sprecher Bernd Ohlmann. Eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zeigt: Im vergangenen Jahr wurden 32 Prozent des Gebäcks schon im September und Oktober verkauft, die restlichen 68 Prozent im November und Dezember.

Wer zuerst da war – der Spätsommer-Lebkuchen oder der frühhungrige Kunde – bleibt letztlich eine Glaubenssache. Keiner will es gewesen sein, und doch liegt pünktlich Ende August das Gebäck wieder in den Regalen. Es darf weiter gestritten werden. Fest steht: 840 Gramm Lebkuchen, Printen und Spekulatius werden in Deutschland jedes Jahr pro Kopf vertilgt. Und dem Bauch ist es egal, wann der Speck auf die Rippen kommt. Und noch was steht fest: Nach Silvester werden die Fitness-Studios der Stadt wieder Konjunktur haben. Auch sie sind ein Profiteur des frühen Lebkuchens.

Lebkuchen schon zum Herbstbeginn: Das sagen die Kunden

Nina Bärschneider

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