Grundschülerin (9) stürzte in Kletterhalle 18 Meter in die Tiefe

Warum musste Sandra sterben?

Es sollte so ein toller Ausflug werden, die süße Sandra B. (9) hatte sich so darauf gefreut: Klettern in einer Halle!

An künstlichen Felswänden. Zusammen mit ihrer besten Freundin Emilia und deren Vater. Am Dienstagnachmittag machten sich die drei auf den Weg zur Kletterhalle „Heaven’s Gate“ am Ostbahnhof – es war der Beginn einer Tragödie: Sandra ist tot. Sie stürzte 18 Meter in die Tiefe. Trotz Sicherung, trotz professioneller Ausrüstung.

Was ist passiert? Warum konnte das geschehen? Es ist gegen 17 Uhr, als das Drama seinen Lauf nimmt. Die drei gehen in die Kletterhalle, beginnen mit dem Besteigen der Wände. Ohne Trainer, Emilias Papa ist kein Unerfahrener. Sandra wird von dem 41-Jährigen mit einem Gurt und Karabinern am Kletterseil gesichert, zusätzlich hält er eine Sicherungsleine. Anfangs geht alles gut, das braunhaarige Mädl kraxelt immer höher, dem Seil nach, die 30 Meter hohe Wand nach oben.

Urplötzlich geschieht es: Die Neunjährige befindet sich in einer Höhe von 20 Metern, will gerade wieder heruntersteigen. Doch Sandra verliert plötzlich den Halt und rutscht zwei Meter ab. Zunächst greift das Sicherungsseil – aber nur für einige Sekunden. Aus noch ungeklärter Ursache gibt es nach, die Schülerin stürzt ungebremst in die Tiefe – 18 Meter, dann schlägt sie auf dem harten Boden der Halle auf.

Schreie, Menschen laufen zu dem schwerst verletzten Mädchen, „Ruft jemand einen Arzt“, ist immer wieder zu hören. Etwa 30 Besucher sind zu diesem Zeitpunkt in der Kletterhalle, werden Zeugen. „Direkt nebenan war ein Kindergeburtstag, die sind sofort rausgestürmt“, berichtet Hallen-Geschäftsführer Andreas Feile. Entsetzen in allen Gesichtern. Wenig später trifft der Notarzt ein, Sandra wird mit dem Rettungshubschrauber in die Haunersche Kinderklinik gebracht, doch die Kopfverletzungen, die vielen Brüche sind zu schwer. Sandra verliert ihr Leben – und lässt ihre Mutter Anneliese, ihren Papa und ihren älteren Bruder in größter Trauer zurück.

Was nun die genaue Unfallursache war, muss von der Polizei geklärt werden. „Wir wissen zu diesem Zeitpunkt noch nicht, ob es menschliches, technisches oder materielles Versagen war“, sagt Pressesprecher Markus Dengler. Es werden momentan alle Zeugen vernommen, der 41-jährige Vater und seine Tochter Emilia stehen noch unter Schock. Fest steht: Polizeibergführer aus Rosenheim untersuchten kurz nach dem Unfall die Ausrüstung des Kindes.

Die Kletteranlage „Heaven’s Gate“ war gestern aufgrund der Vorkommnisse geschlossen. „Alle Beteiligten stehen noch unter Schock“, sagt Feile. Seit zehn Jahren ist die Kletterhalle fester Bestandteil des Kunstpark Ost, noch nie sei es zu einem tragischen Unfall gekommen. „Wir trauern mit der Familie.“ Die Staatsanwaltschaft wartet nun die ersten Ergebnisse ab. „Dann werden wir entscheiden, ob wir gegen jemanden ermitteln müssen“, so Oberstaatsanwalt Anton Winkler zur tz.

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Ein Fehler hat fatale Folgen

Welche Trauer Anneliese B. und der Papa von Sandra jetzt durchleben, ist wohl nicht zu beschreiben. „Wir machen niemandem einen Vorwurf. Es war ein schrecklicher Unfall“, sagten sie gestern Nachmittag. Den Eltern ist bewusst, welche Last auf Emilias Vater liegt, der die zwei zum Klettern einlud. Es sollte nur ein schöner Ausflug werden …

Quelle: tz

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